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Kitzingen

Sicherheitswacht: Die zusätzlichen Augen der Polizei

Die Sicherheitswacht hat sich zu einem Erfolgsmodell entwickelt. Jetzt will das bayerische Innenministerium sogar aufstocken. Unterwegs mit einer Streife durch Kitzingen.
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Die SiWa hat ein Fahrrad ohne Vorderreifen gefunden. Ralf Limberg sucht nach der Fahrgestellnummer. Foto: Hanns Strecker
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Bevor die Streife der Sicherheitswacht (SiWa) im Stadtgebiet von Kitzingen ihre Fußstreife beginnt, holt sie sich im Dienstgruppenleiterzimmer der Polizeiinspektion die aktuellsten Informationen. Polizeihauptmeister Dominik Rhein hat heute Dienst am Funktisch. Hier gehen alle Anrufe und Informationen aus dem Dienstbereich ein. Und von hier aus steuert der Polzeibeamte auch die Einsätze der Polizeistreifen.

Dass die Sicherheitswacht gerade ihren Dienst beginnt, passt ihm genau ins Konzept. Anrufer hatten mitgeteilt, dass in der Fußgängerzone ein offenbar angetrunkener  Bettler aufgetreten ist. Die Siwa bekommt den Auftrag, sich in dem betreffenden Bereich umzusehen. Für Margit Kilian und Ralf Limberg ein Routineeinsatz. Sie sind "Alte Hasen" bei der Siwa, schon seit der Gründung 2011 mit dabei.

In 40 Unterrichtsstunden sind sie in Theorie durch Kitzinger Polizeibeamte fit gemacht worden. Allgemeines Straf- und kommunales Stadtrecht, Grundzüge der Psychologie, Eigensicherung sowie allgemeiner Dienstbetrieb der Polizei, um nur einige Themenbereiche zu nennen. Danach ging es zur Praxis: Bei gemeinsamen Streifen mit den Polizeikollegen wurden sie mit dem oft harten Alltag der Polizei  konfrontiert. Es folgte eine theoretische und danach eine praktische Prüfung. Dann ging es los. Ausgestattet mit amtlichem Dienstausweis, Reizstoffsprühgerät, Erste-Hilfe-Set, Funkgerät und entsprechender Dienstkleidung wurden sie "auf die Straße" geschickt.

Querschnitt der Bevölkerung

Margit Kilian ist von Beruf  medizinische Fachangestellte und ihr Streifenpartner Heilerziehungspfleger. Überhaupt bildet die derzeit siebenköpfige Kitzinger SiWa-Gruppe einen Querschnitt aus der Bevölkerung, bis hin zu einem jetzt pensionierten Polizeibeamten. Betreut werden sie von Hauptkommissar Armin Fuchs, dem stellvertretenden Dienststellenleiter der PI Kitzingen. "Die SiWa ist keine Polizei in dem Sinne" erklärt er. "Sie haben keine polizeilichen Befugnisse,  sind aber ein wichtiges Bindeglied zur Polizei. Und: sie haben ihre Augen überall, sind immer zu Fuß unterwegs und daher auch immer ansprechbar. Kleinere Gefahrensituationen können sie nach Absprache mit der Polizei auch selbst beseitigen."

Das SiWa-Team hat mittlerweilen am Marktplatz den Bettler angetroffen. "Die Person ist uns schon länger bekannt." meint Margit Kilian. "Der ist friedlich, wir müssen ihn halt wieder einmal wegschicken." In ruhigem Ton wird der Mann darauf hingewiesen, dass das Betteln im Innenstadtbereich nicht gestattet ist. Ohne groß zu Murren entfernt er sich. Über Funk wird die Dienststelle darüber informiert, dass die Sache erledigt ist. Eine nette Geste: aus einem benachbarten Laden kommt der Besitzer und bedankt sich bei den Beiden, dass sie sich so schnell um den Bettler gekümmert haben.

"Gutes Verhältnis"

"Zur Bevölkerung haben wir ein gutes Verhältnis" meint Ralf Limberg.  Während ihres Streifenganges werden sie öfters freundlich begrüßt. Hier und da findet ein kleines Gespräch statt. "Die Bürger haben oftmals Hemmungen, mit Polizisten zu sprechen. Wenn die im Auto vorbeifahren, geht das sowieso nicht. Mit uns kommt der Kontakt schneller zustande, da wir immer zu Fuß unterwegs sind," meint er. "Wir schauen hin, wenn was passiert" sagt seine Kollegin. "Wir sind quasi das verlängerte Auge der Polizei. Wenn wir etwas Ungewöhnliches erkennen, rufen wir sofort die Polizei."

Das Zuständigkeitsgebiet der SiWa ist das Stadtgebiet Kitzingen mit seinen Stadtteilen. Im Laufe der Jahre haben die Ehrenamtlichen, die  lediglich eine Aufwandsentschädigung bekommen, eine weitreichende Ortskenntnis erworben. "Gerade im Innenstadtbereich ist uns jeder Winkel bekannt", so die Zwei. "Stimmt da was nicht, fällt es uns sofort auf!" Der Dienststellenleiter, Polizeidirektor Markus Hack, bringt es auf den Punkt: "Die SiWa ist eine sinnvolle Ergänzung zum Streifendienst der Polizei. Sie sind zu Fuß im Stadtbereich unterwegs und verbreiten eine subjektive Sicherheit. Der Bürger erkennt, dass sie auch bei Kleinigkeiten für Ordnung sorgen."

"Wir schauen hin, wenn was passiert!"
Margit Kilian, Kitzinger Sicherheitswacht

Das Bayerische Innenministerium hat den Erfolg ebenso erkannt. Im Jahr 2020 soll die SiWa in Bayern auf insgesamt 1500 Stellen aufgestockt werden. Dazu der Kitzinger Polizeichef: "Auch wir sind bestrebt, weitere Ehrenamtliche zu bekommen.  Interessenten können sich unter der Rufnummer (09321) 1410 zu einem unverbindlichen Gespräch anzumelden."

Sicherheitswacht
Welche Voraussetzungen müssen Sie mitbringen, um Mitglied in der SiWa zu werden?
Sie
- gehen gerne mit Menschen um
- sind zuverlässig und übernehmen gerne soziale Verantwortung,
- wollen einen aktiven Beitrag für Recht und Ordnung in Ihrer Heimat leisten
- sind mindestens 18 und höchstens 62 Jahre alt
- verrichten gerne Außendienst
- haben eine abgeschlossene Schul – oder Berufsausbildung
- können für diese Aufgaben etwa zehn Stunden im Monat oder mehr Zeit aufbringen.
(Quelle: Bayerisches Staatsministerium des Innern)
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