Kitzingen

Shopping für lau: Frauen starten spät in kriminelle Karriere

Aus dem Gericht: Zwei Frauen machen Shopping auf etwas andere Art –nämlich an der Kasse vorbei. Dafür kassieren sie hohe Bewährungsstrafen und einen klaren Hinweis.
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Symbolfoto Ladendiebstahl. Foto: thinkstock

Sich einen Kick verschaffen durch Ladendiebstähle – aus dem Alter müssten die beiden 58 und 59 alten Frauen raus sein. Dennoch habe sie im August 2018 in Kitzingen und Neustadt an der Aisch eine Diebestour durch Bekleidungsgeschäfte hingelegt. Sie haben hochwertige Kleidung im Wert von fast 2000 Euro mitgehen lassen.

Die Rechnung für die "gemeinschaftlichen Diebstähle in einem besonders schweren Fall" hat ihnen jetzt das Kitzinger Amtsgericht präsentiert: ein Jahr acht Monate für die Ältere, die als treibende Kraft aktiv war. Für die Mitläuferin gab es ein Jahr und zwei Monate – auf Bewährung.

Beute ging komplett an Geschäfte zurück

Dass die Frauen nicht hinter Gitter müssen, hat Gründe: Beide legten ein Geständnis ab und verkürzten die mit 15 Zeugen gespickte Hauptverhandlung. Zudem haben beide eine weiße Weste, also keinen Eintrag ins Bundeszentralregister. Und: Die Beute ging komplett an die Geschäfte zurück.

Warum aber die Diebstahlserie, die einer der beiden Anwälte als "das Einmalversagen vom 22. August 2018" bezeichnete? Der Staatsanwalt vermutete die Suche nach einem Kick, um das verkorkste Leben ein bisschen zu vergessen. "Scherbenhaufen" nannte er das, auf das beide zurückblicken müssen.

Sie haben eine teilweise von Gewalt dominierte Partnerschaft hinter sich, leben in finanziell angespannten Verhältnissen, die eine von Hartz IV, die andere von einem nicht üppig bezahlten Job. "Wenn Sie den Kick gesucht haben, haben Sie ihn gefunden", fasste der Staatsanwalt das zusammen, was nach dem "Einmalversagen" kam: vorläufige Festnahme, Anzeige, Hausdurchsuchung, Anklage und dann das Verfahren.

"Das war der größte Fehler meines Lebens."
Angeklagte über die Diebestour

An dessen Ende waren sich die Frauen einig: "Das war der größte Fehler meines Lebens", sagte die Jüngere. "Es tut mir so leid, es wird nicht wieder vorkommen", die Ideengeberin. Beide nahmen das Urteil an.

Was am 22. August 2018 passiert ist, stand in der Anklage und nach den Geständnissen und der Beweisaufnahme fest. Die beiden gepflegt wirkenden Frauen haben sechs Geschäfte in Kitzingen und Neustadt besucht und hochwertige Artikel mitgenommen, ohne zu zahlen. Es waren Jeans, Blusen oder Trachtenjacken, aber auch Bettwäsche und Decken. Die Sache flog auf, die Polizei fand im Kofferraum der Älteren das Diebesgut. Der Rest war Routine und die endete mit der Verhandlung in Kitzingen, in der zwei weitere Fälle eingestellt wurden.

Weiterer Diebstahl mit der Tochter

Am Ende blieben die sechs gemeinschaftlichen Diebstähle bei der 58-Jährigen. Bei der 59-Jährigen kam der Diebstahl von Kleidern im Wert von über 1200 Euro in einem Kitzinger Fachgeschäft dazu, den die mit ihrer Tochter durchgezogen hat.

Für die Anklage war klar: Für die Vielzahl der Taten, die dabei gezeigte kriminelle Energie und das gemeinsame Vorgehen kommen nur Freiheitsstrafen in Betracht. 20 Monate für die Ältere, 18 für die Jüngere hielt der Staatsanwalt für angemessen, eine Bewährung für möglich. Am Ende wurde es 20 und 14 Monate und entsprechende Auflagen.

1000 Euro muss die Mitläuferin zahlen, 150 Stunden soziale Arbeit die Ältere, die zudem den Schaden aus der Mutter-Tochter-Tour an das Kitzinger Geschäft in Raten zurückzahlen muss. Dazu gab es die Kosten des Verfahrens und den dringenden Hinweis der Richterin: "Sie müssen ihre kriminelle Karriere so schnell beenden wie Sie sie begonnen haben."

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