KITZINGEN

Sekundenschlaf mit Folgen

Sekundenschlaf nennt man das, was einer jungen Frau passiert ist. Auf der Heimfahrt von der Arbeit ist sie am Steuer eingeschlafen. Sie hat ihr Auto auf die Gegenfahrbahn gesteuert und dort einen Unfall verursacht. Jetzt ist sie wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs zu einer Geldstrafe und einem Fahrverbot verurteilt worden.
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Symbolfoto Gesetzbuch Foto: Christoph Weiß

Sekundenschlaf nennt man das, was einer jungen Frau passiert ist. Auf der Heimfahrt von der Arbeit ist sie am Steuer eingeschlafen. Sie hat ihr Auto auf die Gegenfahrbahn gesteuert und dort einen Unfall verursacht. Jetzt ist sie wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs zu einer Geldstrafe und einem Fahrverbot verurteilt worden.

Am Ende ist die 19-Jährige mit 30 Tagessätzen zu 35 Euro und dem zweimonatigen Fahrverbot noch gut weggekommen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine achtmonatige Führerscheinsperre gefordert, dann aber die zwei Monate akzeptiert. Damit kann die junge Frau leben. Auch sie hat das Urteil angenommen.

Die Frau ist auf ihr Auto angewiesen, um zum Arbeitsplatz zu kommen. Sie ist im Bäcker- und Konditorenhandwerk beschäftigt. Sie muss nachts um zwei Uhr raus und um vier Uhr am 30 Kilometer entfernten Arbeitsplatz sein. Um 14 Uhr hat sie Schluss und fährt nach Hause. Das hat sie ein Jahr lang fünfmal die Woche gemacht, ohne dass etwas passiert ist. Bis zum April: Da ist es kurz vor ihrem Heimatort zu dem Unfall gekommen. An den Zusammenprall, bei dem sie verletzt und zwei Autos total beschädigt wurden, konnte sie sich nicht erinnern. An den Tag selbst schon.

„Es war ein ganz normaler Arbeitstag“, sagte sie Jugendrichter Wolfgang Hülle. Sie habe sich gut gefühlt, keine Müdigkeit gespürt. Dass sie eingeschlafen sein soll, wusste sie nicht mehr, schloss es aber auch nicht aus. Zeugen brachten Klarheit. Da war der Polizist, der den Unfall aufgenommen hat. Dem soll die „deutlich unter Schock stehenden Frau“ in einem „informellen Gespräch“ im Krankenwagen gesagt haben, dass sie eingeschlafen sei. Noch deutlicher wurde der Handwerker, dem sie mit ihrem Fahrzeug entgegengekommen ist und der durch ein Ausweichen in den Straßengraben einen Frontalzusammenstoß verhindert hat.

Der ging nach dem Unfall auf die Frau zu und erinnerte sich an folgenden Dialog: „Na, mit dem Handy gespielt?“ „Nein, ich bin eingeschlafen.“ Damit war der Sachverhalt für das Gericht klar. „Kein Zweifel“, sagte Hülle. Die fahrlässige Gefährdung des Straßenverkehrs stand fest. Dass es eine Geldstrafe wurde, auch. Eine Führerscheinmaßnahme ist in solchen Fällen die Regel. Weil die bisher unbelastete Frau selbst verletzt wurde, ihr die Sache „unglaublich leid“ tut und der Schaden beglichen ist, drückte das Gericht „zwei Augen“ zu.

Mit den zwei Monaten kann sie weiter arbeiten und hat die Perspektive, die ihre Verteidigerin in ihrem Plädoyer angemahnt hatte.

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