SEGNITZ

Segnitzer wehren sich gegen Muschelkalk-Laster

Abgebaut wird der Muschelkalk in Frickenhausen, der Schwerlastverkehr fährt durch Segnitz. Die Bürger sind aufgebracht. Hilft am Ende nur die Zauneidechse?
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Auch ohne LKW schon eng: Durch das Nadelöhr Segnitz müssten sich im Schnitt alle zwei Minuten ein Laster quälen – Zusätzlich zu denen, die momentan sowieso schon in andere Abbaugebiete oder zum Rübentransport durchfahren. Foto: Foto: Regina Sterk
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In Segnitz braut sich was zusammen: Seit bekannt wurde, dass in Frickenhausen der Abbau von Muschelkalk genehmigt wurde, und das noch unter der Voraussetzung, dass die Abfuhr über Segnitz erfolgen soll, formiert sich in der Gärtnergemeinde der Widerstand. Und so war am Freitag ein erster öffentlicher Termin der neuen Bürgerinitiative mit Bürgermeisterin Marlene Bauer, Vertretern vom Bauamt und der Landtagsabgeordneten Kerstin Celina (Grüne).

Entschlossen gegen den Schwerlastverkehr

„Die Bürger sind sehr aufgebracht“, meinte Bauer und das war noch milde beschrieben für das Bild, das sich der alten Schule bot: Voll besetzt war der kleine Raum, sogar im Gang standen noch Leute. Viele hatten ihre Kinder mitgebracht und allen stand die Entschlossenheit ins Gesicht geschrieben, etwas zu unternehmen gegen den drohenden Schwerlastverkehr auf der engen Ortsstraße.

Was die Bürgermeisterin vor allem ärgert: Vom Beschluss der Nachbargemeinde haben die Segnitzer aus der Zeitung erfahren. Im Genehmigungsverfahren sind sie bisher nicht als Träger öffentlicher Belange beteiligt. Das allerdings soll sich nun ändern. Marlene Bauer berichtete, dass die Gemeinde künftig gehört wird und vor allem dadurch auch Einsicht in die entsprechenden Unterlagen erhält.

Alle 20 Minuten ein Laster

Sebastian Mus vom Staatlichen Bauamt war sichtlich überrascht von den vielen Besuchern. Er versuchte, die wichtigsten Fragen zum Genehmigungsverfahren zu beantworten. Sieben Abbauabschnitte seien für die Fläche links der Autobahn geplant, jeder Abschnitt braucht rund drei Jahre bis er ausgebeutet ist. Das Gebiet ist rund 86 000 Quadratmetern groß.

Heruntergerechnet auf die Lademöglichkeit eines LKW, bedeutet das im Schnitt alle 20 Minuten einen Laster, der sich über die Frickenhäuser Straße kommen durch Segnitz quält. Dort passiert er den Mittelpunkt des Ortes, erläuterte Marlene Bauer: Bushaltestelle, das im Bau befindliche Dorfgemeinschaftshaus, das Museum – all das liegt auf der Strecke. Ganz zu schweigen von den vielen Wohnhäusern, die zum Teil in enger Bebauung und nah an der Straße stehen.

Fußweg zur Schule

Allein in der Frickenhäuser Straße leben momentan 34 Kinder, rechnet Kerstin Wirsing von der Bürgerinitiative vor: „Und die gehen alle jeden Morgen in die Schule oder in den Kindergarten. Am Nachmittag zum Turnen oder einfach nur in die Nachbarschaft zum Spielen.“ Sie erinnerte daran, dass bereits 1975 ein Kind vor der alten Schule überfahren worden war. Seitdem habe sich an der Straße und der Verkehrsführung nichts geändert, nur die Zahl der passierenden Fahrzeuge sei rasant angestiegen.

Sie hat übrigens neben vielen Politikern auch den Unternehmer aus Kleinrinderfeld angeschrieben, der in Frickenhausen abbauen will und um ein Gespräch gebeten. Eine Reaktion habe sie bisher nicht erhalten. Zusammen mit ihren Nachbarn hofft sie aber noch auf einen sachlichen Dialog. Auch ein Treffen mit dem Frickenhäuser Gemeinderat verlief wenig erfreulich aus Sicht der Segnitzer. Und das, obwohl die Gemeinden in der Allianz Südliches Maindreieck und im Abwasserverband zusammenarbeiten.

Abbau schwer zu verhindern

Die Abgeordnete Kerstin Celina hörte sich alle Sorgen der Bürger geduldig an. Als sie schließlich das Wort ergriff, klang das zunächst nur mäßig ermutigend. Sie betonte, dass der momentane Bauboom Projekte wie den geplanten Muschelkalkabbau fördere. Dass im Rahmen der Interessensfreiheit auch Wirtschaftsunternehmen Rechte hätten. „Sie werden den Abbau vermutlich nicht komplett verhindern können“, machte sie klar. „Die eine Möglichkeit ist es, den Verkehr so unbequem und teuer wie möglich zu machen.“

Von einigen Anwesenden kommt der Vorschlag, den Abtransport des Gesteins über den Main zu organisieren. Ein Schiffsanleger wäre sogar noch vorhanden. Die andere Möglichkeit: Gelbbauchunke und Zauneidechse, die vielleicht in dem Gebiet ansiedeln. Was auch immer die Lösung bringen wird: Die Segnitzer lassen keinen Zweifel daran, dass sie alles tun werden, um ihren Ort zu schützen. Noch steht das Genehmigungsverfahren im Anfangsstadium, bis der erste zusätzliche LKW tatsächlich rollt, kann es noch zwei Jahre dauern. Und wenn es nach den Segnitzern geht, wird es gar nicht erst soweit kommen.

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