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Iphofen

Schwindelerregende Kosten für den B8-Kreisel

Der Verkehr fließt seit Wochen durch den neuen Kreisverkehr bei Iphofen (Lkr. Kitzingen), vollendet ist das Projekt damit noch nicht. Nach dem ersten Schrecken über die Kosten gibt es nun Ideen.
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Noch sieht es rund um den neuen Kreisverkehr an der B8 bei Iphofen ziemlich wüst aus. Das soll sich  bald ändern, wenn es nach dem Willen der Stadt geht. Foto: Eike Lenz

Wer etwas auf sich hält, verteilt heute gerne schicke Visitenkarten. Sie geben einen ersten Eindruck, was man von seinem Gegenüber erwarten kann. Eine der „Visitenkarten“ Iphofens entsteht derzeit an der südlichen Stadtzufahrt. Der neue Kreisverkehr an der B8 ist aus Sicht der Autofahrer zur runden Sache geworden, rein optisch aber ist das Projekt ein unvollendetes. Deswegen wollen Staat und Stadt jetzt rund 415 000 Euro in die Hand nehmen, um hier einen „repräsentativen Eingang“ zu schaffen, wie Bürgermeister Josef Mend am Montagabend im Bauausschuss sagte.

Die ersten Entwürfe halten manche für langweilig

So viel Geld für ein bisschen Grün und ein paar nette Requisiten? Selbstverständlich sind Mend und manche Räte angesichts dieser Summe erst einmal wieder „erschrocken“ – wie so häufig, wenn es um Vorhaben in der Stadt geht. Aber der Bürgermeister hielt sich nicht lange mit Bedenken auf. „Das werden wir wohl oder übel schlucken müssen.“ Und so durfte Landschaftsarchitekt Urban Führes (Zirndorf) rund anderthalb Stunden Entwürfe präsentieren, die allerdings nicht nur Stadtrat Otto Kolesch in einem wesentlichen Teil „für sehr langweilig“ hielt. Auch andere Räte scharten sich hinter Kolesch, der am Vortag 65 Jahre alt geworden war, weil er eine alternative Idee vorschlug, die "etwas Einzigartiges“ schüfe, wie er selbst sagte, und „Charme“ trug, wie andere meinten.

Der Landschaftsarchitekt Führes hatte zunächst die drei Säulen des Iphöfer „Stolzes“ zum Gegenstand seiner Gestaltungsvorschläge gemacht: Wein, Gips und Holz. Auf ihnen gründet sich der Wohlstand der Stadt, und sie sollten sich im Innern des neuen Kreisels widerspiegeln: schirmförmige Felsenbirnen als Symbol für den Wald, der Nachbau einer Gips-Abbruchkante und zwölf kreisförmig angeordnete Bocksbeutel-Skulpturen aus Bandstahl. Kolesch dagegen hielt diese Art von Symbolpolitik für altbacken. „Unser Pfund ist die historische Altstadt",  sagte er – und hatte auch schon eine Idee, wie sich damit wuchern ließe: „Eine Stadtsilhouette aus Stahlblech um den ganzen Kreisverkehr herum – das wäre einzigartig.“

Wie viel der Umgebung nimmt der Autofahrer auf?

Mend beharrte darauf, dass Wein, Gips und Holz „nichts Altbackenes“ hätten und sehr wohl das Lebenselixier der Stadt seien. Das von Führes präsentierte Konzept sei „mit unserer Werbeagentur und unseren Tourismusexperten“ ausgearbeitet worden. Doch immer mehr Räte fanden Koleschs Idee spannender und wünschten sich zumindest eine Mischung aus beiden Varianten. Der Landschaftsarchitekt jedoch warnte davor, die Kulisse innerhalb des Kreisels zu überladen. Der Autofahrer habe gar nicht die Zeit, die vielen verschiedenen Symbole aufzunehmen. „Deshalb eher reduzieren. Es muss etwas sein, das man sofort wahrnimmt – klar und zurückhaltend.“ Vom Bauausschuss erhielt Führes den Auftrag, die Idee mit der Stadtsilhouette darzustellen. Erst auf dieser Grundlage soll dann der Stadtrat entscheiden.

Einig war sich das Gremium, nicht nur das unmittelbare Umfeld des Kreisverkehrs zu gestalten, sondern ein grünes Band vom Bahnhof in Richtung der Altstadt anzulegen, gesäumt von Stauden, Blühstreifen und Kaiserlinden. Ein rund 6400 Quadratmeter großes Areal von Wegen und Flächen, das sich bis zur GWF zieht und das – wegen der schieren Größe – ins Geld geht. Den Räten scheint es das wert zu sein. Es geht immerhin um die Visitenkarte der Stadt.

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