LANDKREIS KITZINGEN

Schwarze Nacht für Mainfranken

Ein Heftiges Unwetter sorgt für Überschwemmungen, Brände und gesperrte Straßen im Landkreis. Die Aufräumarbeiten dauern an.
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Blitzeinschlag zerstoert Wohnhaus in Gernach
Eine Auswirkung des Unwetters: Vermutlich war es ein Blitz, der das Obergeschoss dieses Hauses im Kolitzheimer Ortsteil Gernach in Brand setzte. Schaden: rund 200 000 Euro. Foto: Foto: News 5
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„Das war wie ein Dammbruch.“ Thomas Schürrer kann es auch am Morgen danach noch gar nicht richtig fassen. Mit seinen Kindern und Arbeitskollegen ist er seit dem Morgengrauen am Aufräumen. Der Keller seines Hauses in der Olga-Pöhlmann-Straße muss komplett ausgeräumt werden. An Schlaf ist nicht zu denken. Das Unwetter in der Nacht zu Montag hat nicht nur den Kitzinger Familienvater wachgehalten.

Besonders betroffen war der südliche Landkreis. In Marktbreit ist Feuerwehrkommandant Florian Wallochny mit seinen Kameraden bereits um 21.45 Uhr zum ersten Mal ausgerückt. Insgesamt 75 Floriansjünger waren bis in die frühen Morgenstunden damit beschäftigt, etliche Häuser vor den Schlamm- und Wassermassen zu schützen. Acht bis zehn Einsätze mussten parallel bewältigt werden. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, staunt der Kommandant.

Der ansonsten so ruhige Bräubach, der durch Gnodstadt Richtung Marktbreit fließt, hatte sich kurzzeitig in einen reißenden Strom verwandelt. Durch Privatgärten und über die Staatsstraße bahnte sich das Gemisch aus Schlamm und Wasser seinen Weg und drohte, den Lebensmittelladen REWE komplett zu fluten. „Eindrittel des Geschäftes war schon voll Wasser“, erzählt Wallochny. Mit Sandsäcken konnte der Rest gesichert werden.

Ein paar Kilometer weiter waren Kreisbrandinspektor Dirk Albrecht und seine Kameraden damit beschäftigt, sechs Privathäuser in Marktsteft vor den Wassermassen zu schützen. Wegen einer Baustelle und Baggerarbeiten drohte das Wasser in die Keller einzudringen. „Einen mussten wir leer pumpen“, berichtet Albrecht. Auch die Heizung stand dort schon unter Wasser. Als ein Teil der Baustelle auf die Gasleitung stürzte, mussten auch die Experten der Licht-, Kraft- und Wasserwerke anrücken, um einen Gasaustritt auszuschließen. „Bisher haben wir auf dieser Mainseite immer Glück gehabt“, sagt Albrecht. „Aber dieses Mal haben wir eine volle Breitseite abbekommen.“

Erhebliche Schäden richtete “die Breitseite“ auch im Raum Ochsenfurt an. In Hohestadt stürzten mehrere Bäume um, in der Marktbreiter Straße in Ochsenfurt stürzte ein Baum auf ein geparktes Auto. Am Klingholz an der B 19 hatte sich ein Autofahrer im Bankett festgefahren. Die Beamten konnten sich dem Fahrzeug im nahezu hüfthohen Wasser nur zu Fuß nähern. Zwischen Goßmannsdorf und Winterhausen löste sich eine Schlamm- und Gerölllawine und blockierte sowohl die Fahrbahn als auch die daneben liegende Bahnstrecke. Zwei Autos fuhren sich im Schlamm fest. Insgesamt verzeichnet die Einsatzliste der Ochsenfurter Polizei alleine zwischen 21 und 23 Uhr 40 Vorfälle.

Großbrand in Kolitzheim

Im Landkreis Schweinfurt sorgte das heftige Gewitter für einen Großeinsatz der Feuerwehr, zu der auch die Kräfte aus Volkach gerufen wurden. Kurz vor Mitternacht eilten sie zu einem Dachstuhlbrand eines Einfamilienhauses im Kolitzheimer Ortsteil Gernach. Zwei Stockwerke des Gebäudes brannten komplett aus. Die Polizei geht davon aus, dass ein Blitzschlag die Brandursache war. Augenzeugen berichteten von einem lauten Donner, bevor die Rauchschwaden aus dem Dachstuhl drangen. Der entstandene Sachschaden beläuft sich alleine in diesem Fall auf schätzungsweise 200 000 Euro.

Auf welche Summe sich der Gesamtschaden des Sturmes in Mainfranken summiert, ist zu diesem Zeitpunkt schwer zu sagen. Zumal neben vollgelaufenen Kellern auch landwirtschaftliche Schäden zu beklagen sind. Zwischen Eibelstadt und Frickenhausen zerstörte der Hagel, der rund 15 Minuten tobte, einen Teil der Ernte. „Punktuell müssen die Winzer mit hundert Prozent Ausfall rechnen“, bedauert der Geschäftsführer des Fränkischen Weinbauverbandes, Hermann Schmitt.

Das Unwetter hat letztendlich fast den gesamten Landkreis Kitzingen getroffen. Wie Kreisbrandrat Roland Eckert berichtet, waren die Feuerwehren sowohl im südlichen Landkreis, als auch im Raum Volkach sowie in Wiesentheid und Geesdorf im Einsatz. „Gott sei Dank gab es keine Personenschäden“, sagt Eckert. Aber verschlammte Straßen und vollgelaufene Keller hinterließen ein Bild der Zerstörung – und machen jede Menge Aufräumarbeiten nötig.

Thomas Schürrer kann davon ein Lied singen. „Eine Woche dauert das mindestens“, sagt er und deutet auf die Kisten mit Schlamm, die in seinem Keller lagern. Alles muss ins Trockene getragen und gesäubert werden, schließlich stand das Gemisch aus Schlamm und Wasser etwa zehn Zentimeter hoch in den Räumen. „Durch die Wucht der Schlammmassen sind die Kellerfenster regelrecht eingedrückt worden“, wundert er sich. Der Computer, die Gefriertruhe, die Möbel: „Alles hinüber.“

Bei seinem Nachbarn schaut es nicht viel besser aus. Ein Eckhaus in der Neubausiedlung „Am Hammerstil“ ist ebenfalls betroffen. Eine Vermutung für das nächtliche Horrorszenario hat Schürrer bereits. „Der Acker über uns konnte das Wasser nicht mehr halten“, sagt er. Das erste Mal, seit er dort wohnt, ist in diesem Jahr Mais gesät worden.

Gegen 23 Uhr brachen die Dämme, bis 2.30 Uhr in der Früh pumpten die Feuerwehrleute das braune Gemisch aus den Kellerräumen in der Olga-Pöhlmann-Straße. Zeitgleich versuchten die Männer vom Bauhof mit Sandsäcken zu retten, was zu retten war. Sechs Mann hatte Bauhofleiter Georg Günther bis früh um vier Uhr im Einsatz. Auch am nächsten Tag galt es, überschwemmte Gehsteige und Straßen zu reinigen und die Bachläufe zu kontrollieren.

Thomas Schürrer hat bis 4.30 Uhr gearbeitet, dann hat er sich eine Stunde Pause gegönnt. Um 5.30 Uhr gingen die Aufräumarbeiten weiter. Den Schaden schätzt er auf 10 000 bis 15 000 Euro. Zusammen mit seinen Nachbarn will er auf das Bauamt zugehen, um nach einer Lösung zu suchen. Noch so eine Nacht will Thomas Schürrer auf keinen Fall erleben.

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