Dettelbach

Schutzprogramm für Hamster: Landwirte legen Hamster-Äcker an

Niedlich ist der kleine Kerl mit seinen dunklen Knopfaugen und seinem weichen, dichten Fell. Doch der Feldhamster ist massiv vom Aussterben bedroht. Ein Schutzprogramm soll das ändern.
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Klaus und Philipp (links) Niedermeyer bringen an ihrem Acker ein neues Hinweisschild mit dem Text "Wir betreiben hamsterfreundliche Bewirtschaftung" an.  Foto: Walter Sauter
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Niedlich ist der kleine Kerl mit seinen dunklen Knopfaugen und seinem weichen, dichten Fell. Doch dass man ihn auch im Landkreis Kitzingen kaum noch zu Gesicht bekommt, liegt in erster Linie nicht daran, dass er nachtaktiv ist und in einem Bau unter der Erde wohnt, sondern dass der possierliche Nager massiv vom Aussterben bedroht ist.

Der Feldhamster hat sich laut Expertenmitteilung binnen 50 Jahren vom vielfach verfolgten Ernteschädling zu einer der am meisten bedrohten Tierarten in Deutschland entwickelt. Nur noch 100 000 Exemplare gibt es bundesweit, deshalb steht das Tier seit Jahren auf der roten Liste und unter EU-weitem strengen Schutz. Der Bestand geht trotzdem weiter zurück.

Schutzprogramme helfen

Auch im Landkreis Kitzingen sollen deshalb Schutzprogramme helfen. In ganz Bayern und vielen Teilen Unterfrankens ist der Hamster nämlich bereits ganz verschwunden. Außer in Kitzingen ist das Tierchen nur noch in den Landkreisen Schweinfurt und Würzburg zu finden, erklärte die Hamsterbeauftragte Janina Kempf vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV). Sie informiert aber auch von positiven Entwicklungen.

Insgesamt 18 Landwirte haben sich heuer im Landkreis Kitzingen am Feldhamster-Hilfsprogramm (FHP 3) beteiligt, vier mehr als 2018. Und auch die Größe der Schutzfläche ist von 6,5 auf 9 Hektar gewachsen. Laut Kempf liegen Schutzflächen zwischen Marktbreit und Martinsheim sowie zwischen Seinsheim und Willanzheim. Die meisten Hamster-Äcker gibt es in den Gemarkungen bei Biebelried und Dettelbach. Insbesondere auf Feldern um Euerfeld, Bibergau und Effeldorf haben sich nach Kempfs Worten etliche Landwirte bereit erklärt, entsprechende Flurstücke auszuweisen.

Landratsamt zahlt Unterstützung

Unter ihnen ist auch der Landwirt Klaus Niedermeyer aus Neuhof (Dettelbach). Er beteiligt sich seit drei Jahren am Hilfsprogramm für den Feldhamster und hat inzwischen eine Fläche von fast einem Hektar Größe für die kleinen Nager angelegt. Gesät hat er dort in drei Streifen Weizen, Gerste sowie eine Mischung aus Hafer und Erbsen. Auf die Ernte wird verzichtet, dafür bekommt er im Gegenzug ein Entgelt in Höhe von 25 Cent pro Quadratmeter vom Landratsamt.

Niedermeyer ist stolz darauf, dass auf seinem Land die meisten Hamster im Landkreis eine Heimat gefunden haben. "Es macht Spaß, sich an dem Projekt zu beteiligen, wenn so viele Hamster da sind", gesteht er. Im letzten Jahr waren es immerhin 28 Baue, die im September von Janina Kempf gezählt wurden.

Artenschutz steht im Vordergrund

Der 55jährige Landwirt ist Kreisvorsitzender des Verbands für haus- und landwirtschaftliche Fachbildung (vlf) und betreibt mit seinem Sohn Philipp einen Schweinezucht- und -mastbetrieb in Neuhof.  Er plädiert nachdrücklich dafür, dass Naturschutz und Landwirtschaft eng zusammen arbeiten. Sei es früher in der Landwirtschaft vor allem um die Erzeugung von Nahrungsmitteln gegangen, stehe heute Artenschutz und Biodiversität im Vordergrund, erklärte er. Und auch Janine Kempf macht sich dafür stark, keine Fronten zwischen Naturschutz und Landwirtschaft aufzubauen.

Wie gut das klappen kann beweist das Hamster-Projekt, bei dem auch das Amt für Landwirtschaft und das Landratsamt Kitzingen als Untere Naturschutzbehörde mitwirken. Dort werden die Anträge für das  seit 2007 laufende Feldhamster-Hilfsprogramm organisiert , wie Hartmut Brick, Fachreferent für Naturschutz und Landschaftspflege, erklärte. Und das Landwirtschaftsamt Kitzingen greift nach den Worten von Abteilungsleiter Wolfgang Pfrang das Thema immer wieder auf, etwa bei den Winterversammlungen für Landwirte.

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