Kitzingen

Schüler lehnen verpflichtendes Dienstjahr ab

Jugendkreistag: Schüler lehnen ein verpflichtendes Dienstjahr ab und fordern mehr Hilfestellung für die Zeit nach der Schule.
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Jugenkreistag am Mittwoch, 27. Februar, in Kitzingen: Die Schüler aus verschiedenen Schulen  des Landkreises schauen gespannt auf die Landrätin. Foto: Corinna Petzold

"Bürgerpflicht - wie kannst du dich in unsere Gesellschaft einbringen?" und "Bist du fit für ein Leben nach der Schule?". Diese beiden Fragen diskutierten die Teilnehmer des 24. Jugendkreistags  am Mittwoch in Kitzingen heftig. 78 Schüler aus sieben verschiedenen Schulen hatten sich schon im voraus damit beschäftigt. Sie stellten nun ihre Forderungen dem Jugendkreistag vor. Dabei hörten ihnen nicht nur Schüler der anderen Schulen zu, sondern auch einige Vertreter des Kreisjugendrings, des Landratsamtes, der Initiator des Jugendkreistages, ein Experte zu jedem Thema sowie Fraktionsabgeordnete des Kreistags. Die Landrätin Tamara Bischof selbst moderierte die Veranstaltung und leitete durch die Diskussionen.

 

Informationstag und Wahlfach statt Selbstverteidigung- oder Benimmkurs

 

Ob mit einem Kurzfilm oder einer Powerpoint-Präsentation, alle Schüler die sich mit der Frage "Sind wir nach der Schule fit fürs Leben" auseinander gesetzt hatten, stellten klar, viele Schüler wissen zu wenig über die Verantwortung des Erwachsenenlebens. Alle waren sich einig, dass es mehr Information und Unterstützung noch in der Schule geben müsse. Dennoch gab es rege Diskussionen, wie diese genau aussehen soll. Ein Wahlfach an allen Schulen im Landkreis, dass praktische Kenntnisse vermittelt und mit einem Zertifikat ausgezeichnet werden soll, schlugen die Schüler des Gymnasiums Marktbreit vor. Ihr Antrag wurde angenommen. Die Schüler der Staatlichen Realschule Kitzingen forderten einen Informationstag "Bereit fürs Leben". An diesem Tag sollen Schüler unter anderem lernen, wie man eine Versicherung abschließt und Formulare ausfüllt. Der Vorschlag wurde letztendlich mehrheitlich angenommen, stieß dennoch auf Gegenwind. Schüler der  Friedrich-Bernbeck-Wirtschaftsschule Kitzingen merkten an, dass dies bei ihnen sowieso auf dem Lehrplan stehe und deshalb für sie weniger wichtig sei. Außerdem hatten sie Bedenken, dass alle Informationen an einem Tag vermittelt werden könnten. Die Zehntklässler forderten stattdessen einen Selbstverteidigungskurs und einen Benimmkurs. Viele der 78 Schüler waren der Meinung, dass dies nicht zur Vorbereitung auf ein Leben nach der Schule helfen würde. Manche sahen dies jedoch anders. Eine Schülerin begründete die Idee, dass man ja auch viel Disziplin und Selbstvertrauen lerne. Dennoch wurden die Anträge abgelehnt.

 

Mehrheit gegen verpflichtendes Dienstjahr

 

Vier Schulen des Landkreises stellten Beschlussvorschläge zum Thema Bürgerpflicht vor, sie hatten sich bereits im Vorfeld das Thema ausgesucht und ausgiebig damit beschäftigt. Dabei hatten sie sehr unterschiedliche Ansätze. Während sich die Vertreter der Staatlichen Realschule Dettelbach für ein verpflichtendes Dienstjahr nach der Schule aussprachen, lehnten die Schüler der Karlheinz-Spielmann-Mittelschule Iphofen und des Armin-Knab-Gymnasiums Kitzingen dieses klar ab. Sie forderten stattdessen, das freiwillige soziale oder ökologische Jahr attraktiver zu gestalten und das Projekt "48 Stunden - Wir für unseren Landkreis" ins Leben zu rufen. Beide Anträge wurden mit klarer Mehrheit angenommen. Auch der Vorschlag der Staatlichen Berufsschule Kitzingen-Ochsenfurt, der Landkreis solle die Werbekosten für die Mitgliedergewinnung der Organisationen übernehmen, bekam Zustimmung. Das verpflichtende Dienstjahr wurde dagegen abgelehnt. Über alle Anträge wurden vorher lange diskutiert. "Jeder sollte nach seinen Kompetenzen entscheiden und niemand sollte zu etwas gezwungen werden", argumentierte dabei ein Schüler. 

 

Hausaufgaben für den Kreistag

 

Auf Nachfrage, was nun mit den Anträgen passiert, erklärte Tamara Bischof, dass diese nun an den Kreistag weitergeleitet und in verschiedenen Gremien beraten werden. "Wir nehmen das ernst. Wir warten auf die Vorschläge, um sie im Landkreis Kitzingen durchzusetzen", versicherte auch Stefan Wolbert, der den Kreistag vertrat. "Es gibt Hausaufgaben und wir werden uns denen stellen." Er war von den Vorschlägen der Schüler begeistert.  Auch von der Landrätin gab es großes Lob. Die Schüler hätten sich heute mustergültig verhalten. Und das sei im späteren Leben auch sehr wichtig. "Noten sind das eine, soziale Kompetenzen das andere", gab sie den Jugendlichen noch mit auf den Weg.

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