VOLKACH
Wein

Schönborn wirbt auf der Hallburg um Vertrauen

Betriebsleiter gesteht Verfehlung, bleibt aber im Amt. Im Rheingau wurden sieben Rotweine mit fränkischen Erzeugnissen verschnitten.
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Schönborn wirbt auf der Hallburg um Vertrauen
Bei der PK auf der Hallburg (von links) Georg Hünnerkopf, Anwalt Matthias Hauber, Paul Graf von Schönborn und der Leiter der Gesamtverwaltung der Schönborn'schen Güter, Franz Kiesel Foto: Schweidler
Kleine Gesten sagen oft mehr als Worte: Als Weingutsbesitzer Paul Graf von Schönborn am Mittwoch in Volkach (Lkr. Kitzingen) zur Pressekonferenz erschien, musterte er die alkoholfreien Getränke auf dem Tisch, erklärte „Wir sind doch kein Saftladen“ – und ließ sich demonstrativ einen Wein aus eigenem Anbau von der Hallburg (Lkr. Kitzingen) einschenken.

Der verbale Vertrauensbeweis für den Betriebsleiter folgte umgehend: „Ich möchte weiter mit ihm arbeiten“, sagte Schönborn mit Blick auf Georg Hünnerkopf, der seit 38 Jahren für das Haus arbeitet. Hünnerkopf habe Fehler eingestanden, für die er geradestehe. Aber die Verfehlungen des Betriebsleiters Peter B. im Rheingau wögen viel schwerer. In Franken ist von Ordnungswidrigkeit die Rede, in Hessen muss der Ex-Mitarbeiter mit einem Prozess rechnen.

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Hünnerkopf wirkte wie ein armer Sünder, redete sich in Rage und schlug sich selbst die Hand an die Stirn über eigene Fehler: Der „Weinmacher mit Leib und Seele“ gestand, ihm sei „ein Lapsus passiert“, wobei es sich wohl eher um zwei handelte: Er habe Peter B. auf Verlangen geholfen, als der von ihm Rotwein haben wollte – wohl, um hessische Spätburgunder farblich anzureichern. Er habe auch seinen fränkischen Hausschoppen über zwei Jahre hinweg Weißwein aus dem Rheingau untergemischt – was er mit anderer Kennzeichnung durchaus hätte tun können. Er habe „dem Weingut helfen wollen“, beim Kollegen nicht nachgefragt und nicht geahnt, welche Folgen das habe. Nun stehe er „wie ein begossener Pudel da“. Er habe sich bei Schönborn und dem Verband der Prädikatsweingüter (VDP) entschuldigt.

Schönborn bestätigte: Alle sieben Rotweine, die im Rheingau wegen Verschnitt mit „Wein aus anderen Anbaugebieten“ (so die Prüfer) aus dem Handel genommen wurden, waren mit Rebensaft aus Franken vermischt – „ein Super-GAU“ für ihn, sagt Schönborn: Er stehe für Dinge am Pranger, die er nicht verschuldet habe, für die er als Inhaber „aber natürlich verantwortlich“ sei. Er büße dafür, dass er in seinen Gütern ein dezentrales System praktiziert habe, in dem die Verwalter freie Hand hatten. Der Großteil seiner Weine sei von untadeliger Qualität, ein geringer Bruchteil habe sie durch zweifelhafte Methoden in Verruf gebracht.

Bisher hat er keine Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft bekommen. Die bisherige Bewertung beruhe auf den Funden der Weinprüfer, deren Bericht vorliegt. Dazu gehören laut Anwalt Matthias Hauber Aufzeichnungen des hessischen Betriebsleiters – „Beweismittel, die man wohl kaum entkräften kann“. Von Peter B. hat sich Schönborn nach Bekanntwerden der Vorwürfe getrennt. „Dass er mich hintergangen hat, ist offensichtlich“, sagt Schönborn. „Er hat den Keller voll guter Weine gehabt und macht so einen Unsinn.“

Den Schaden bezifferte der Gutsbesitzer auf knapp eine Million Euro. Mit der Offenlegung der Fakten will Schönborn Vertrauen zurückgewinnen: „Lieber ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende.“

Ob er überlege, sich von den Weingütern zu trennen, wird er gefragt. „Man wirft so ein Weingut nicht von heute auf morgen über Bord,“ sagt er mit Blick auf 600-jährige Tradition: „Das Schiff ist gerade in Schräglage, aber auch wieder flottzukriegen.“ Das hessische Weingut habe einen neuen Leiter, nun prüfe man intern, „wie wir das in ein, zwei, fünf Jahren wieder flottkriegen.“

Mit dem VDP – bei dem die Mitgliedschaft Schönborns derzeit ruht – will man sich Ende September zu Gesprächen treffen. „Da muss der Vorstand entscheiden“, sagt er. Die Bandbreite reiche von der Rüge bis zum Ausschluss.

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