Wiesenbronn

Schock über 3,5 Millionen für eine neue Kläranlage

Das war schon ein gehöriger Schock für den Wiesenbronner Gemeinderat und für viele Zuhörer, die sich am Donnerstagabend zur außertourlichen Ratssitzung eingefunden hatten.
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Illustration - Geldscheine
Ein 43-jähriger Mann aus Schweinfurt wurde vom Amtsgericht in Würzburg verurteilt, weil er geholfen hatte, eine vermögende Frau um rund 200 000 Euro zu betrügen.

Das war schon ein gehöriger Schock für den Wiesenbronner Gemeinderat und für viele Zuhörer, die sich am Donnerstagabend zur außertourlichen Ratssitzung eingefunden hatten, um über die Entwurfsplanung zur Erweiterung der Kläranlage zu reden. Als Diplom-Ingenieur Volker Gottwald vom Planungsbüro BaurConsult die Katze aus dem Sack ließ und von Kosten von rund 3,5 Millionen Euro sprach, war der Schrecken groß.

„Wenn man für die nächsten 20 Jahre auch die immens steigenden Betriebskosten und eventuelle Investitionen einberechnet, dann kommen wir auf Kosten von sieben bis acht Millionen Euro, das ist nicht finanzierbar und einer Gemeinde wie Wiesenbronn nicht zuzumuten“, stellte Gemeinderat Harald Höhn fest.

Entwurfsplan des Wasserwirtschaftsamtes?

„Da musste ich gleich zweimal schlucken, als ich die Summe hörte“, sagte Bürgermeisterin Doris Paul. Sie fand am Ende der Debatte im Rat keine Zustimmung zu ihrem Antrag, die Entwurfsplanung an das Wasserwirtschaftsamt (WWA) weiterzuleiten. Sie erinnerte daran, dass man alles versucht habe, um das Wiesenbronner Abwasser entweder in die Kläranlage Schwarzacher Becken oder mittels gemeinsamer Leitung mit Großlangheim nach Kitzingen zu bringen. Zum einen lasse das aber die Kapazität der Schwarzacher Anlage nicht zu und zum anderen habe der Großlangheimer Gemeinderat die Anfrage aus Wiesenbronn abgelehnt.

Gottwald verwies auf die Aussagen des WWA, dass die Einleitung des geklärten Abwassers in den Wiesbach als Vorfluter nicht weiter möglich sei, da der Bach zu wenig Wasser führe, weshalb eine Verbindung mit dem Gottesgraben geschaffen werden müsse. Da sich auch nach dieser Kombination immer noch ein schlechtes Mischungsverhältnis ergebe, müsse ein Neubau der Anlage erfolgen, in der eine Art Belebungsverfahren für die Reinigung des Abwassers und den Nitratabbau sorge.

Dies geschehe mit sogenannten SBR-Reaktoren (Sequencing Batch Reactor), die durch Ausgleichskapazitäten große Vorteile hätten, für kleinere Gemeinden optimal seien und allen Anforderungen gerecht würden. Mit diesem Verfahren könne man auch Spitzenwerten in der Schadstoffbelastung begegnen, wie sie zum Beispiel an Ostern 2017 aufgetreten seien, als vermutlich starke Regenfälle Ablagerungen aus dem Kanal in die Anlage brachten.

„Für mich ist die Sache noch nicht entscheidungsreif“, meinte Reinhard Hüßner, der seine Kritik aus der Ratssitzung im Mai an der mangelnden interkommunalen Zusammenarbeit in der VG Großlangheim in Sachen Sanierung von Kläranlagen wiederholte. Er plädierte dafür, weiter nachzuhaken und auch höhere Stellen einzuschalten, da staatliche Förderungen für den Neubau einer Kläranlage nicht in Aussicht stünden.

Falscher Standort

Hüßner kritisierte auch die Ableitung des Wassers der Staatsstraße in das Kanalsystem, was die Bürger bezahlen müssten. Aus den Reihen der Zuhörer kamen Aussagen, dass die eventuell neue Anlage wegen des nicht ausreichenden Vorfluters immer noch am falschen Standort stehe und nicht für die Zukunft geplant sei: „Da gibt es keine Einrichtungen gegen multiresistente Keime oder Mikroplastik“, brachte Michael Bornkessel vor.

Dass vor dem Büro BaurConsult schon andere Planungsbüros beschäftigt wurden, gefiel Werner Müller nicht: „Die Leute verlieren so das Vertrauen, dass die wirtschaftlichste Lösung angestrebt wird“. Aus dem Publikum kamen weitere kritische Stimmen, die aber keine neuen Aspekte brachten. Um zu einer Lösung zu kommen, wird Bürgermeisterin Doris Paul bei den zuständigen Stellen der Regierung von Unterfranken vorsprechen, „denn mit diesen Kosten kommen wir nicht zurecht“.



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