Laden...
Iphofen

Schneiderin hilft: Hunderte Schutzmasken statt Träume in Weiß

Dass sie Atemschutzmasken statt Brautkleider näht, hätte die Schneiderin Lisa Dörr nie gedacht. Hatte sie auch noch nie genäht. Jetzt macht sie nichts anderes mehr.
Artikel drucken Artikel einbetten
Maßschneiderin Lisa Dörr (rechts) übergibt Schutzmasken an Andrea Troll, die das Iphöfer Altenbetreuungszentrum leitet. Normalerweiser näht Dörr Brautkleider, jetzt fertigt sie ehrenamtlich Schutzmasken. Foto: Julia Lucia
+3 Bilder

Träume in Weiß, das ist das Metier von Lisa Dörr. Die Maßschneiderin aus Iphofen erfüllt Bräuten normalerweise jeden möglichen Kleidertraum. Doch normal sind diese Tage bei Weitem nicht. Statt weißen Satin, Spitze oder Tüll vernäht sie jetzt in ihrer Modemanufaktur 100-Prozent-Baumwollstoff zu Schutzmasken. "Aber keine medizinischen", wie sie ausdrücklich betont. "Behelf-Mund-Nasen-Schutz sagen viel dazu. Aber in der Not ist das besser als gar nichts."

Die Schutzmasken sind ihr Beitrag in der aktuellen Krisensituation. "Als die Politiker dazu aufriefen, dass jeder seinen Beitrag leisten soll, habe ich mir überlegt, was ich machen kann", erzählt Dörr. Nähen kann sie, und da Kundenkontakt untersagt ist, ihre Nähkurse abgesagt wurden, hatte sie die Idee mit den Masken.

Faultiere auf der Maske

Am Donnerstag vor den Ausgangbeschränkungen hat sie angefangen, Masken zu nähen. Zum ersten Mal in ihrem Leben übrigens. Eine Nähanleitung hat sie bei der Stadt Essen auf deren Webseite gefunden. Vernäht werden alle Stoffe, die sie daheim hat. Da kommt dann schon mal ein Mundschutz im Streifendesign oder mit Faultiermuster dabei heraus. "Wichtig ist, dass der Stoff bei 90 Grad waschbar ist", sagt sie. Wobei das Faultier eher für die Kita-Notbetreuung benutzt werde als fürs Pflegeheim.

Etwa 30 Masken schafft sie am Tag. "Wenn ich auch nachts arbeiten würde, wären es mehr, aber ich muss mich auch um meinen Sohn Anton kümmern", erklärt sie fast entschuldigend. Denn die Nachfrage ist riesig. Hebammen, Apotheken, Kitas oder Arztpraxen oder große Pflegeeinrichtungen haben sich schon bei ihr gemeldet – aus ganz Deutschland. "Die Nachfrage ist immens", sagt sie. "Erst wird die Region Iphofen, Kitzingen und Würzburg versorgt", sagt sie. Die Interessenten  müssen nachweisen, dass sie in einem systemrelevanten Beruf arbeiten. "Den Kaufpreis können sie dann selbst bestimmen", sagt sie. Per Post werden die Masken verschickt. Erst mal nur zwei Masken pro Person. Ist es ganz eilig, fährt ihr Mann die Masken aus. "Wir legen sie vor die Haustür, alles ganz kontaktlos", erklärt Dörr.

Schutz der Mitarbeiter

Doch die Schneiderin näht auch Masken ohne Geld dafür zu nehmen. Bei diesen Aufträgen wird sie mittlerweile von drei ehrenamtlichen Näherinnen unterstützt. Katharina Glaab, Jonna Pilvinen und Lea Göbel sitzen mittlerweile daheim vor ihren Nähmaschinen und unterstützen ihre Freundin Lisa und Menschen aus der Region. Auch für das Altenbetreuungszentrum (ABZ) in Iphofen haben sie 25 Masken genäht – in dezentem Blau und in Blau mit bunten Blümchen.

Heimleiterin Andrea Troll ist Lisa Dörr und ihren Mädels dankbar für ihr Engagement. "Ich hätte noch mehr Masken gebraucht, aber ich wollte nicht unverschämt sein", sagt sie, als Dörr die Masken vorbeibringt. Sie hilft gerne, schließlich wohnt ihre Großtante in der Einrichtung. Aus medizinischer Sicht helfen die Masken nicht viel. Das weiß Troll. "Aber ich habe Angst davor, dass ich irgendwann gar keine mehr habe", erklärt sie. Dann lieber Masken aus Baumwollstoff als gar keine – zum Schutz ihrer Mitarbeiter und zum Schutz der ABZ-Bewohner. Die selbstgenähte Maske soll die Verteilung der Tröpfchen bei der Arbeit verhindern und das Risiko einer Coronavirus-Infektion zumindest reduzieren.

Lisa Dörr muss wieder los, weiter nähen. Ihr Anspruch: Alle Aufträge erfüllen, auch wenn das schwierig wird. Aber in einer Krise wächst jeder über sich hinaus.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren