KITZINGEN

Schmerztherapie mit Rauschgift: Freiheitsstrafe

Mit sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge ist ein 48-Jähriger in Kitzingen davongekommen. Das Gericht stuft die Geschichte als minderschweren Fall ein.
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Marihuana-Joints: Die Polizei erwischt immer mehr Autofahrer, die nach Drogenkonsum im Straßenverkehr unterwegs sind und andere Verkehrsteilnehmer leichtfertig gefährden. Foto: Foto: Thinkstock

Mit sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge ist ein 48-Jähriger vor dem Schöffengericht in Kitzingen davongekommen. Das Gericht stuft die Geschichte als minderschweren Fall ein.

„Er hat eine Therapie gegen seine Schmerzen mit Betäubungsmitteln versucht und erkannt, dass das der falsche Weg ist.“ So erklärte Richter Bernhard Böhm die relativ milde Strafe. Der Mann steht für drei Jahre unter Bewährung, bekommt für ein Jahr einen Bewährungshelfer und muss 20 Stunden soziale Hilfsdienste leisten.

Es ist kein einfaches Leben, das der derzeit arbeitsunfähige Mann bisher geführt hat. Er leidet seit 1999 an Hepatitis C. Er hatte immer wieder, auch durch Medikamente ausgelöste, psychische Probleme und schwere Depressionen. Er hat einen Suizidversuch hinter sich und mehrere Aufenthalte in stationären Einrichtungen.

„Aber es hat die Schmerzen gelindert.“
Der Angeklagte über seinen Marihuana-Konsum

Dann kamen Probleme mit der Wirbelsäule. „Ich hatte schwere Schmerzen, konnte nicht mehr stehen und arbeiten“, sagte er. Da ist er auf die Idee mit dem Marihuana gekommen, wohl wissend, dass er was Illegales machte. „Aber es hat die Schmerzen gelindert, hat mir einfach gut getan und hatte keine Nebenwirkungen“, sagte er dem Gericht.

Das mit dem Rauchen ging so lange, bis der Mann Anfang 2013 in seiner Wohnung nicht nur Marihuana rauchte, sondern auch Alkohol trank. Die Folgen bekamen die Nachbarn zu spüren. Weil die laute Musik nervte, wurde die Polizei eingeschaltet. Eine Streife kam ins Haus, roch schon im Flur das Rauschgift. Nach der Wohnungsdurchsuchung war klar: Der Mann hatte rund 155 Gramm Marihuana gebunkert.

Der Großteil war zwar von einer gutachterlich bestätigten „miserablen Qualität“. Unterm Streich blieben mit 9,5 Gramm soviel reiner Wirkstoff, dass die Grenze von 7,5 Gramm THC überschritten wurde. Das ist die Grenze zur „nicht geringen Menge“, wie die Juristen sagen, und ab der wird aus einem Vergehen ein Verbrechen. Die Strafandrohung schießt nach oben (ein Jahr bis 15 Jahre Freiheitsstrafe).

Es hätte also dicker kommen können für den Mann, weil die Anklage ihm wegen der gefundenen Menge noch unterstellte, Handel zu treiben. Das Thema war aber schnell vom Tisch. Der Mann räumte den Besitz ein. Das Gericht nahm ihm ab, dass er das Rauschgift nur für den Eigenbedarf gehortet hatte. Angesichts der Vorgeschichte und der Umstände ging auch die Staatsanwältin von einem minderschweren Fall aus. Der Strafrahmen bewegt sich hier zwischen drei Monaten und fünf Jahren.

Der nach wie vor arbeitsunfähige Mann konnte glaubhaft versichern und mit Tests nachweisen, dass er seit Anfang 2013 die Hände von Rauschgift lässt. „Seit dem Auftritt der Polizei habe ich mit dem Rauchen komplett aufgehört“, sagte er. Und er hat inzwischen eine andere Schmerz-Therapie gefunden, mit der er leben kann. Damit war der Weg frei für die vom Richter erwähnte „relativ milde Strafe“.

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