Kitzingen

Schlusslicht bei Krippenplätzen: Kitzingen zieht nach

Keine andere Gemeinde im Landkreis bietet prozentual so wenige Krippenplätze an wie Kitzingen. Dabei haben Eltern Anspruch darauf. Die Kreisstadt steht unter Zugzwang.
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Kitzingen ist Schlusslicht im Landkreis beim Angebot von Krippenplätzen. Die Stadt reagiert und sucht nach Möglichkeiten für Neu- und Anbauten. Foto: Thomas Obermeier (Archiv)

Für den Kitzinger Stadtrat ist es keine gute Nachricht: Aktuell ist die Große Kreisstadt bei der prozentualen Anzahl von Krippenplätzen Schlusslicht im Landkreis Kitzingen. Lediglich 25 Prozent des Bedarfs seien gedeckt, teilte die Verwaltung dem Gremium mit. Dabei haben Eltern seit 2013 Anspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem ersten Lebensjahr.

Fehlten in der Bedarfsplanung zwischen 2016 und 2019 noch 99 Krippenplätze, verdoppelt sich dieses Defizit in der Planung bis 2022 nahezu, nämlich auf 194. Und das, obwohl ständig neue Krippenplätze entstehen. Ein Grund für diesen Wettlauf zwischen Hase und Igel: Anfangs ging die Öffentliche Hand davon aus, dass höchstens 20 Prozent der Eltern einen Krippenplatz in Anspruch nehmen würden; tatsächlich sind es aber eher 50 Prozent, so erfuhren es die Räte in der Sitzung. Deshalb plant man inzwischen auch mit diesem "Maximalbedarf", wie die Verwaltung informierte. Weitere Gründe: Kitzingens Einwohner- und Kinderzahl steigt, auch, aber bei Weitem nicht nur, durch Flüchtlinge.

Aktueller Stand: 194 Krippenplätze fehlen

Wie ist der aktuelle Stand? Im September 2019 zählte die Stadt in Kitzingen 15 Betreuungseinrichtungen für 803 Kinder (zum Vergleich 2016: 773). 548 gehen in einen Kindergarten, 188 in Kinderkrippen und 67 in einen Hort. Während im Schülerhort 28 Plätze frei sind, sind die Krippen vollständig ausgelastet. Aus diesem Grund nehmen die Kindergärten mittlerweile Kinder schon mit 2,5 Jahren auf statt wie vorgesehen erst ab Drei. 

Für die Jahre bis 2022 rechnet die Stadt also damit, dass die Hälfte der Kinder unter drei Jahren einen Krippenplatz beanspruchen wird; das ergibt eine Zahl von 322 Plätzen. Bei den Drei- bis Sechsjährigen geht sie von 100 Prozent aus, als von 613 Plätzen. Daraus ergibt sich, dass in Kitzingen 194 Krippenplätze fehlen, während 44 Kindergartenplätze zu viel angeboten werden. Bei der Schulkindbetreuung entspricht der Bedarf ziemlich genau dem Angebot. 

Durch die Absenkung des Eintrittsalters im Kindergarten auf 2,5 Jahre senkt die Stadt den Fehlbedarf bei den Krippenplätzen auf 150. Darüber hinaus will die Stadt auf Kindergartenträger zugehen, um mit ihnen über weitere Krippenplätze in der Stadt zu sprechen, zum Beispiel durch eine Erweiterung des evangelischen Kindergartens in der Alemannenstraße oder Neubauten an anderer Stelle. In diesem Zusammenhang forderten die Kommunalpolitiker Bund und Land auf, mehr Geld für die Kinderbetreuung zur Verfügung zu stellen. 

Große Mehrheit für mehr Zuschuss

Dazu passt, dass der Stadtrat sich entschlossen hat, den bereits zugesagten Zuschuss für den Neubau des Kindergartens St. Johannes um 126 000 auf 1,215 Millionen Euro zu erhöhen. Damit gleicht die Stadt einen geringeren Zuschuss der Regierung von Unterfranken aus. Überdies wird sich die Stadt an allen weiteren Mehrkosten zu 50 Prozent beteiligen. Trotz strittiger Diskussion über den hohen und weiter steigenden städtischen Zuschuss im Rat war sich das Gremium mehrheitlich einig, den Neubau zu unterstützen, weil er um zwei Krippengruppen erweitert wird. 

Während FW-FBG und ÖDP wegen der steigenden Kosten für die Stadt dagegen stimmten, machten Sprecher anderer Fraktionen und die Verwaltung deutlich, dass die Verwirklichung des Projekts an baldigen und ausreichenden Zuschüssen der Stadt hänge. Aufgrund von Sparmaßnahmen in der Diözese sei sonst möglicherweise der ganze Bau gefährdet. Folglich war die große Mehrheit für den erhöhten Zuschuss.

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