KITZINGEN

Schludrigkeit bei falscher Versicherung an Eides statt hat Folgen

Ihre Schludrigkeit hat eine 41-Jährige vor den Richter gebracht: Weil sie vor dem Gerichtsvollzieher einiges verschwiegen hat, hatte sie eine Anklage wegen „vorsätzlicher falscher Versicherung an Eides statt“ am Hals. Am Ende kam die wegen kleinerer Betrugsfälle einschlägig vorbestrafte Frau mit zwei Monaten Freiheitsstrafe davon – auf Bewährung.
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justice Foto: liveostockimages (iStockphoto)

Ihre Schludrigkeit hat eine 41-Jährige vor den Richter gebracht: Weil sie vor dem Gerichtsvollzieher einiges verschwiegen hat, hatte sie eine Anklage wegen „vorsätzlicher falscher Versicherung an Eides statt“ am Hals. Am Ende kam die wegen kleinerer Betrugsfälle einschlägig vorbestrafte Frau mit zwei Monaten Freiheitsstrafe davon – auf Bewährung.

Das hatte sich die Frau vor der Verhandlung offenbar anders ausgemalt. Was wieder einmal zeigt, dass das Googeln nicht nur bei Krankheiten so ungefährlich nicht ist. Dass sie auf der Anklagebank äußerst nervös und aufgeregt war und gelegentlich sogar in Tränen ausbrach, hatte seinen Grund in der Recherche im Internet. „Ich habe gegoogelt und weiß, dass man für so was ins Gefängnis kommt“, sagte sie. Erst als Richter und Staatsanwältin gemeinsam versicherten, dass sie sicher nicht hinter Gitter lande, wurde sie etwas ruhiger.

Nicht auf der Sonnenseite

Dass das mit dem Gefängnis vorerst nicht akut wird, hat seinen Grund. Die Frau hat bisher nicht auf der Sonnenseite des Lebens gestanden. Sie hängt sich rein, hat ein Kind allein großgezogen, zwei pubertierende Kinder noch im Haushalt. Sie versucht, trotz einer Krankheit und eines Jobverlustes, ihr Leben selbst zu finanzieren. Die Schulden, die sie hat, versucht sie zurückzuzahlen. Sie hat also alle Hände voll zu tun, um über die Runden zu kommen.

Ihr Fehler: Sie verliert leicht den Überblick, verheddert sich. „Und dann fange ich an zu schludern“, sagte sie dem Gericht. Einige Einträge vom Bundeszentralregister, alles Kleinigkeiten, machen das deutlich. Da wurde schon mal vergessen, eine E-Bay-Rechnung zu bezahlen, und schon stand der Betrug im Raum.

Richtig geschludert hat sie, als sie im August 2012 vor einem Gerichtsvollzieher eine eidesstattlicher Versicherung abgab und damit ihre Vermögensverhältnisse offenlegen musste. Dass sie da ihren alten Golf nicht angegeben, einen Anteil an einer Erbengemeinschaft ebenso verschwiegen hat wie einen Bausparvertrag, brachte sie vor den Richter.

Alles auf den Tisch

Auch wenn der Golf fast nichts mehr wert war, auf dem Bausparer nur gut 70 Euro waren und sie glaubte, nicht mehr Teil der Erbengemeinschaft zu sein: „Sie hätten alles, aber auch wirklich alles, auf den Tisch legen müssen.“ Der Wert spielt dabei keine Rolle.

Das machte ihr Richter Bernhard Böhm mehrfach deutlich. Trotz aller Ausreden und Hinweise auf mögliche Missverständnisse, aus der Nummer kam sie nicht mehr raus. Das umfassende Geständnis wurde ihr zwar angerechnet, am Urteil führte aber auch das nicht vorbei.

Am Ende wurden es zwei Monate Freiheitsstrafe. Zwei Jahre hat sie Zeit, sich zu bewähren. Für ein Jahr stellte ihr Böhm einen Bewährungshelfer als Ansprechpartner zur Seite. „Sie sind intelligent, Sie kommen da raus“, sagte Böhm und zeigte sich ziemlich sicher, die Frau nicht mehr wiederzusehen, zumindest vor Gericht. Die verabschiedete sich dann auch am Ende sichtlich erleichtert, nicht mit einem Auf Wiedersehen, sondern mit einem leisen Servus.

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