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WÜRZBURG/DETTELBACH

Schleuser bekamen Bewährung

Als Schleuser sind zwei Männer aus Tschetschenien in Polen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden. Jetzt standen sie in Würzburg vor Gericht.
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Symbolfoto

Als Schleuser sind zwei Männer aus Tschetschenien Ende 2014 in Polen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden. Beide leben, als Flüchtlinge anerkannt, in Österreich und erhielten, da sie angeblich nie mehr schleusen wollten, Bewährung. Jetzt standen die beiden zusammen mit einem Landsmann in Würzburg wieder als Schleuser vor Gericht: Sie waren auf der A 3 bei Dettelbach festgenommen worden, als sie bereits kurze Zeit nach der Verhandlung in Polen vier Syrer von Budapest nach Norwegen bringen sollten, für 550 Euro pro Fahrgast.

Für die Ermittler handelte es sich zweifelsfrei um Angehörige einer Bande: In den Handys und Navis der Männer waren europaweit aus dem Schleuser-Geschäft bekannte Hotels und Namen gespeichert, ein Fahrzeug fuhr immer voraus, um die nachfolgenden vor einer Polizeikontrolle zu warnen, dass die noch rechtzeitig die Autobahn verlassen oder ihre Fahrgäste vorübergehend aussteigen lassen konnten.

Und die geschleusten Syrer berichteten später, dass die Männer sich offensichtlich gut kannten, gegenseitig hätten die sich auf der langen Fahrt die Sprit-Rechnung, die Gebühr für die Toiletten und Erfrischungen an Raststätten bezahlt.

Zwei Audi eingezogen

Dennoch hätte es ein sehr schwieriger Prozess werden können, denn die vier geschleusten Syrer sind inzwischen untergetaucht und stehen als Zeugen nicht mehr zur Verfügung. Daher haben die Anwälte der Tschetschenen ein Rechtsgespräch mit dem Gericht angeregt und für den Fall einer Verurteilung „mit Bewährung“ Geständnisse zugesichert, allerdings ohne Details und ohne Beantwortung von Fragen.

Da sie immerhin schon fünf Monate in Untersuchungshaft saßen, hat das Gericht sich darauf eingelassen und die Männer, die so wie zuvor bereits in Polen versicherten, dass so etwas nicht mehr vorkommen werde, zu einem Jahr und zehn Monaten verurteilt, ausgesetzt zur Bewährung. Er hoffe, sagte der Vorsitzende des Schöffengerichts Christian Eisert, dass die Männer sich jetzt auf ihre Familien und auf legale Tätigkeiten konzentrieren.

Als Beruf hatten die Angeklagten selbständiger Paket-Zusteller, Schweißer und Dachdecker angegeben. Ein dritter Mann, auch Tschetschene, hat einen weiteren Fall mit drei „Fahrgästen“ gestanden, bekam aber – da ohne Schleuser-Vorstrafe – nur ein Jahr und sieben Monate, ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt. Zwei sichergestellte Schleuser-Fahrzeuge, Audi A 4 und A 8, wurden eingezogen.

Anwalt: Es ging um Sicherheit

Die Angeklagten sollen mit einander verwandt sein. Dazu sagte einer: „Wir Tschetschenen sind ein kleines Volk, etwa eine Million Menschen, da kennt fast jeder jeden und irgendwie ist man verwandt.“ Nicht so recht aufzuklären war, wieso die Angeklagten in Graz unter der Adresse eines katholischen Männerheimes gemeldet waren, obwohl ihre Familien, einer hat fünf, einer acht Kinder, in der Stadt wohnen. Einer versuchte es so zu erklären: Wenn er Zoff mit der Frau hatte, ging er ins Wohnheim, um Ruhe zu haben, wenn sich der Sturm daheim legte, kam er zurück zu Frau und Kindern.

Die Motivation des Mandanten beim Schleusen erklärte einer der Verteidiger so: Es ging nicht um Geld, sondern darum, als einer, der die Flucht aus Tschetschenien erlebt hat, anderen bei der Flucht in ein sicheres Land zu helfen. Im Sitzungssaal waren alle Zuhörer-Plätze belegt, aus der Steiermark waren Frauen und Kinder der Angeklagten und weitere Angehörige angereist.

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