KITZINGEN/BRASILIEN

Schlechter Tormann, mangelnde Konzentration

Die gute Nachricht vorneweg: Deutschland schlägt Portugal mit 4 zu 2. Die schlechte Nachricht gleich dazu: Das Spiel fand unter irregulären Bedingungen statt. Das Spielfeld zu klein, der Rasen nicht echt, nur zwei Spieler pro Mannschaft. Aber immerhin: Der Gegner war aus Portugal.
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Volle Konzentration: Antonio Especiosa hat seinen Torhüter schon einmal flachgelegt, Redakteur Ralf Dieter ist noch mit dem Zielen beschäftigt. Am Ende siegt „Deutschland“ mit 4:2 gegen Portugal. Am kommenden Samstag wartet mit Ghana schon der nächste Gegner. Foto: Foto: Diana Fuchs

Die gute Nachricht vorneweg: Deutschland schlägt Portugal mit 4 zu 2. Die schlechte Nachricht gleich dazu: Das Spiel fand unter irregulären Bedingungen statt. Das Spielfeld zu klein, der Rasen nicht echt, nur zwei Spieler pro Mannschaft. Aber immerhin: Der Gegner war aus Portugal.

Antonio Especiosa ist im Landkreis Kitzingen kein Unbekannter. Er ist in Seinsheim aufgewachsen, er hat in Kitzingen Fußball gespielt und er arbeitet in Kitzingen. Jetzt wohnt er mit seiner zweiten Frau und den beiden Kindern in Würzburg. Für einen Spaß ist er in die Redaktion gekommen: Deutschland gegen Portugal mit Playmobil-Figuren. Antonio Especiosa war nicht schlecht. Für einen Sieg hat es nicht gereicht.

In den 60er-Jahren sind Zehntausende Gastarbeiter aus Südeuropa nach Deutschland gekommen. Sein Vater kam 1965, fand eine Arbeit bei Knauf. Die Mutter kam zwei Jahre später nach. „Ich bin in Seinsheim aufgewachsen“, erzählt der 44-Jährige. „Das war eine super Zeit. Seinsheim war wie eine große Familie. Und ich war der Toni.“

Schnell hat sich herausgestellt, dass der Toni ein besonderes Talent hat. Sein Fußballtrainer Edwin Knaus hat ihm jedenfalls geraten, zu den Bayern nach Kitzingen zu wechseln. 14 Jahre alt war der Toni da. Und er träumte von einer Karriere als Fußballprofi. Der Traum war gar nicht unrealistisch.

In der Bayernliga hat er in der Jugend gespielt, schaffte es in die Unterfrankenauswahl. „Ich habe viele Tore gemacht“, sagt er. „Ich habe mich immer durchgesetzt. Als Dickkopf bezeichnete man Antonio Especiosa. „Und der bin ich immer noch.“

Als er 16 Jahre alt war, zog es die Familie zurück nach Portugal. Er spielte bei einem Verein in der dritten Liga. Doch der Junge mit dem portugiesischen Pass hatte in Portugal ein Sprachproblem. „Ich konnte nur Deutsch“, erinnert er sich. Und die entscheidende Frage für jedes Fußballtalent lauerte auch schon im Hintergrund: Risiko Profisport oder doch lieber eine solide Berufsausbildung? Antonio Especiosa entschied sich für eine Ausbildung bei Siemens in Deutschland. Der Fußball hat ihn trotzdem nie losgelassen. Und jetzt freut er sich auf die WM in Brasilien. Und auf das erste Spiel seiner portugiesischen Mannschaft.

„Aber vielleicht gewinnen die Deutschen ja wieder. Ganz knapp.“
Antonio Especiosa Portugiesischer Fan

Technisch stark seien die Mannen um Superstar Christiano Ronaldo. Stärker als die Deutschen. „Obwohl wir nur zehn Millionen Einwohner haben.“ Dennoch wird es schwer gegen die Deutschen. „Das ist eine typische Turniermannschaft. Die sind immer unter den besten Vier.“ Für die Portugiesen stelle sich deshalb die Frage, wie ihre Mannschaft ins Turnier kommt, ob sie gleich Fuß fassen kann. „Eigentlich können sie alles reißen“, meint Antonio.

Fußball ist in Portugal eine Religion. Und Christiano Ronaldo ihr Heiliger. „Er ist ein kleiner Gott in unserem Land“, sagt Antonio Especiosa. Dass ihn viele für arrogant und überheblich halten, kann er nicht nachvollziehen. „Ronaldo will sich immer weiter verbessern. Er hat einen sehr hohen Anspruch an sich selbst“, erklärt er. Aber auch der Superstar müsse erst einmal Tritt fassen, nachdem er in den letzten Wochen der Meisterschaft mit Verletzungen zu kämpfen hatte.

Nicht die einzige gute Nachricht für die deutsche Mannschaft. Antonio Especiosa hat die Schwächen seiner Nationalmannschaft längst analysiert. Die Konstanz über 90 Minuten fehlt, die Konzentration wird nicht hochgehalten. „Als Fan ist es schrecklich“, bestätigt seine Frau Janet. „Man muss immer bis zum Schluss zittern.“ Und noch einen Vorteil haben die Deutschen: die besseren Torhüter. „Portugal hat immer schlechte Torhüter“, sagt Antonio und bestätigt diese Wahrheit gleich selbst. Der erste Schuss mit dem Playmobil-Mann, der erste Treffer für Deutschland. Wenig später das 2:0, wieder ein Flachschuss, wieder bewegt sich der portugiesische Tormann nicht. Antonio kämpft sich heran mit sehenswerter Technik und dem schönsten Treffer des Spiels. Direkt in den Winkel. Doch es ist wie immer: Die Konstanz fehlt, der Torwart patzt. Deutschland gewinnt.

Wie wird es am Montagabend in Salvador ausgehen? Antonio Especiosa zuckt mit den Schultern. „Keiner will verlieren“, sagt er. „Keiner wird viel riskieren.“ Ein Unentschieden lautet sein Tipp. 0:0 oder 1:1. „Aber vielleicht gewinnen die Deutschen ja wieder. Ganz knapp.“ Das würde uns reichen. Danke Antonio.

Verlosung – Fanfotos schicken

„Die Kitzinger“ verlost nach jedem Spiel der deutschen Mannschaft eine Playmobil-Fußballarena im Klappkoffer inklusive Spieler.

Und so geht's: Einfach die schönsten Fanbilder vom ersten Spiel der deutschen Mannschaft gegen Portugal bis Mittwoch, 18. Juni, an folgende Adresse schicken:

redaktion.kitzingen@infranken.de

Die schönsten Bilder werden veröffentlicht, der Sieger wird ausgelost.

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