Kitzingen

Schlappmaulorden: So war der Abend mit Hubert Aiwanger

Der stellvertretende Ministerpräsident schenkt den Franken nichts: In seiner Büttenrede zur Kitzinger Schlappmaulorden-Verleihung zieht er seine Gastgeber durch den Kakao.
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Schlappmaulorden 2019
Der stellvertretende bayerische Ministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler) erhält am Rosenmontag den Schlappmaulorden der Kitzinger Karnevalsgesellschaft (KiKaG). Foto: Daniel Peter
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Granteln, lästern, sticheln: Hubert Aiwanger weiß als Polit-Profi, wie man austeilt. Und dass man einstecken können muss. In der Rosenmontagssitzung der Kitzinger Karnvevalsgesellschaft (KiKaG) bekommt er für seine "trefflich lockere Zunge" den Schlappmaulorden . Dafür zieht er seine Gastgeber in seiner Büttenrede durch den Kakao. Schlagfertig und in freier Rede. 

Narrenkappe ist für Großkopferten zu klein

Der Niederbayer musste sich schon sehr wundern, wie es fern seiner Heimat in Franken zugeht: Ein Elferrat mit Fasanenfedern auf dem Kopf? – "So geht man bei uns auf die Treibjagd!" Eine Narrenkappe, die für ihn, den "Großkopferten", viel zu klein ist. Und ein leerer Bocksbeutel als Geschenk vom KiKaG-Präsidenten Rainer Müller – "Das ist ein Trickbetrüger!"

Der Freie-Wähler-Chef schont niemanden in der Kitzinger Florian-Geyer-Halle: "Ich bin nicht 200 Kilometer gefahren, um euch Honig um den Mund zu schmieren." Mit dieser Erklärung geht der Niederbayer in Kampfhaltung. Vielmehr habe er mit dem Schlappmaulorden nun die "Lizenz zur vollen Wahrheit". Deswegen gibt er auch unumwunden zu, lange überlegt zu haben, den KiKaG-Orden abzuholen. "Aber wenn ich's nicht tue, hätte ihn der Söder bekommen." So viel Konkurrenz muss auch in der Koalitionsregierung von Schwarz-Orange sein.

Erfahrung mit Rindviechern hilft bei Verhandlungen

An Selbstwertgefühl mangelt es Aiwanger sowieso nicht: "Hätte Barbara Stamm als Landtagspräsidentin mich in den letzten fünf Jahren öfter reden lassen, wären wir schon früher in die Regierung gekommen." Dann plaudert der Landwirt aus dem Nähkästchen: Bei politischen Verhandlungen habe es ihm sehr geholfen, dass er auf seinem Hof gelernt habe, mit Rindviechern umzugehen. Aiwanger mag es unverblümt: Noch in der Wahlnacht habe er Söder gesagt: "Wir müssen nicht lange diskutieren; wir werden mitregieren."

Weil der Niederbayer seine Herkunft sprachlich nicht verbergen kann, ist er immer wieder Ziel des Spotts. Aber Aiwanger keilt zurück: "Ihr seid's ja vom Hochdeutschen noch weiter entfernt als ich", ruft er den Franken mutig zu. Zugleich hat er ein Lob im Gepäck: "Das macht Bayern so schön: Mundarten und Tradition." Aiwanger sammelt weitere Pluspunkte: Er verspricht, aus Franken verschleppte "Beutekunst", die in Münchner Archiven ihr Dasein fristet, zurückgeben zu wollen. Und er will sich dafür einsetzen, dass noch mehr Fördergelder nach Franken fließen. Die Narren im Saal glauben es und quittieren es mit Begeisterung.

Dabei hat Vorjahres-Ordensträgerin Barbara Stamm in ihrer Laudatio auf Aiwanger gewarnt: Der Chef der "Provinz-Versteher-Partei" habe lange Wunschlisten in die Koalition eingebracht – aber wer soll das bezahlen? Die ehemalige Landtagspräsidentin hat sein Leben durchforstet: "Aiwanger ist ein heller Kopf. Er hat schon in der Schule immer am Fenster gesessen." Sein Studium der Agrarwissenschaft, so plaudert Stamm süffisant aus, hat ausgerechnet die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung mit einem Stipendium unterstützt. Konservativ sei er ja; nur seine Partnerin heiraten wolle er nicht.

"Wenn ich's nicht tue, hätte ihn der Söder bekommen."
Hubert Aiwanger erklärt, warum er den Schlappmaulorden angenommen hat

Aiwanger habe sich deutlich gewandelt, blickt Stamm zurück. Früher habe sie ihn im Parlament oft zur Ordnung rufen und seine Zwischenrufe unterbrechen müssen. Inzwischen habe er sich "dem Markus" an die Brust geworfen. Stamms Rat: "Bleib diszipliniert, weil Markus sonst mit den Grünen koaliert."

Überraschung: Aiwanger kann Hochdeutsch

Der stellvertretende Ministerpräsident sei ein "Frei-von-der-Leber-weg-Erzähler", aber kein "Worte-raus-Quäler". Seine Sprachwerkzeuge machten aus jedem A- einen O-Ton. In München habe man sich daran gewohnt, aber "in Berlin versteht man ihn einfach nicht". Zuletzt verblüfft Stamm die Zuhörer mit einem gut gehüteten Geheimnis: Wenn Aiwanger hinter verschlossenen Türen lauthals streitet, führt er seine Wortgefechte dialektfrei aus. Aber: "Dass er Hochdeutsch kann, muss ja keiner wissen."

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