KITZINGEN

Schlappmaul Wolfgang Kubicki ist in Kitzingen

Dass der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück so viele Fehler mache, sei ein Geschenk des Himmels, findet der Träger des Schlappmaul-Ordens 2013, Wolfgang Kubicki (FDP). Er sprach in Kitzingen unmittelbar vor der Ordenverleihung mit Main-Post-Redakteur Norbert Hohler
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Kubicki in Kitzingen
Träger des Schlappmaul-Ordens Wolfgang Kubicki (FDP) unterschreibt ein Portrait von sich, das ihn vor dem Falterturm in Kitzingen zeigt. Foto: Lara Meißner

Auf Knopfdruck lustig sein, das findet Wolfgang Kubicki suspekt. "Mein Ding ist das nicht." Mit der Aussage habe er sich neulich in Aachen ein paar Freunde fürs Leben gemacht, scherzt der 60-Jährige, der am Abend in Kitzingen den Schlappmaul-Orden 2013 umgehängt bekommt. Müssen sich Besucher im Dekanatszentrum also fürchten? "Mit Kitzingen werde ich auch noch fertig. Jedenfalls rede ich spontan, habe nur ein paar Stichpunkte."
 
Seine Frau Annette, die in Kitzingen im Publikum sitzen wird, bekomme immer am meisten ab - weil sie um seine Gesundheit besorgt ist und das Leben die schönsten Geschichten schreibt. Viel Salat verweigere er gerne mit dem Hinweis: "Wenn der liebe Gott gewollt hätte, dass ich Salat esse, wäre ich als Kaninchen auf die Welt gekommen." Als es neulich laut einer US-Studie hieß, dass etwas Dickere länger leben, sei er gerade beim Essen gewesen, hat sich noch eine Keule extra auf den Teller geladen. "Ich habe mich für Lebensverlängerung entschieden“, habe er seiner erstaunten Frau gesagt.
 
Sein Kostüm für den Abend? Da verrät Kubicki nur, dass der Vorschlag Seeräuber durchgefallen ist. "Einen Johnny Depp für Arme gebe ich nicht", sagt der FDP-Fraktionschef aus Schleswig-Holstein beim Pressetermin am Nachmittag im Hotel "Deutsches Haus". Vom Schlappmaul-Orden habe er vorher noch nie gehört, gibt Kubicki zu. Franken hingegen sei ihm als Weinliebhaber ein Begriff, gelegentlich sei er mit einem sehr guten Freund aus Würzburg auf Tour. „2009 waren zwölf meiner Kumpels dabei, drei Tage war nur Lachen angesagt. Einer konnte Hans Albers perfekt imitieren, da hätten wir im Backöfele fast eine Hochzeit gesprengt.“
 
Kleine Überraschung: In Braunschweig, wo Kubicki geboren wurde, gibt es den größten Karnevalsverein Niedersachsens. „Aber daher kommt meine lose Zunge nicht. Die wurde mir in die Wiege gelegt.“
 
Schlappmaul würde man in hohen Norden mit Kodderschnauze übersetzen - und die ist vor allem bei der FDP selbst gefürchtet: Kubicki hat Twitter- und Facebook-Verbot bekommen, zum Selbstschutz. „Bei mir geht das schon oft fix, dass ich einen raushaue. Das Schlimme ist, man kriegt das nie mehr weg.“
 
Dass sein Studienkollege Peer Steinbrück gelegentlich damit kokettiert, das bessere Examen abgelegt zu haben, kontert Kubicki locker. „Und was hat er aus seinem Leben gemacht? Er ist Sozialdemokrat geworden.“ Dass Steinbrück jetzt als Kanzlerkandidat der SPD so viele Fehler macht, sei „ein Geschenk des Himmels.“ Man hätte Steinbrück Steinbrück sein  lassen müssen, dann hätte es gefährlich werden können. Aber die Linie von Nahles/Gabriel, die könne er nicht glaubwürdig.
 
„Ich liebe die Sprache“, bekennt Lästermaul Kubicki. Oft komme es gar nicht auf das Gesagte an, sondern wie man es sagt. „Mein Spott ist subtiler geworden, nicht mehr so brutal direkt. Das habe mit etwas mit Alter und Reife zu tun. „Und es geht auch darum, dass ich mitbekomme, wie Andere mit dem Gesagten schwer fertig werden.“
 
Zur Debatte um seinen Parteifreund Rainer Brüderle sagt Kubicki: „Ich wäre offensiv damit umgegangen, er ist schwer getroffen.“ Kubicki wäre nicht Kubicki, wenn er nicht kokett anfügen würde: „Ich bin in meinem Leben von mehr Journalistinnen angemacht worden als umgekehrt.“

Es menschelt eben auch in Berlin, findet Kubicki. „Und wenn ich mir nachts um halb eins am Tresen jedes Wort überlegen muss, es auf die Goldwaage gelegt wird, dann möchte ich an dem Tresen nicht stehen.“
 
Mal sehen, ob Kubicki in Kitzingen am Tresen landet. Ein Geschenk jedenfalls gab es für den 60-Jährigen bereits am Nachmittag: Main-Post-Redaktionsleiter Norbert Hohler überreichte dem Schlappmaul 2013 die Zeichnung des Kitzinger Künstlers Harald Schmaußer, die Kubicki vor dem Falterturm zeigt.

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