MAINSCHLEIFE

Schienen liegen wieder im Bett

Ehrenamtliche der IG Mainschleifenbahn haben Knochenarbeit geleistet, damit an Ostern die ersten Schienenbusfahrten in die Saison starten können.
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Schweres Gerät: Die Helfer der IG Mainschleifenbahn haben das Gleis zwischen Volkach-Astheim und Seligenstadt mit einem Stopfaggregat geebnet. Foto: Foto: IG Mainschleifenbahn
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Gleisbau ist Knochenarbeit“, lautet ein alter Eisenbahnerspruch. Dass der trotz moderner Technik auch noch im 21. Jahrhundert gilt, davon konnten sich in den vergangenen zehn Wochen die Aktiven der Interessengemeinschaft Mainschleifenbahn überzeugen.

Alles zusammengerechnet haben die Ehrenamtlichen nach eigenen Angaben seit November an den verschiedenen Stellen fast einen halben Kilometer Gleis wieder in Form gebracht.

Durch Fahrbetrieb und Bewegungen im Untergrund des Bahndamms verändern die Gleise im Lauf der Zeit ihre ursprüngliche Lage. An manchen Stellen heben oder senken sich beide Schienen gemeinsam, anderswo nur der linke oder rechte Schienenstrang. Um herauszufinden, wo die Schwachstellen liegen, war die Strecke im Herbst mit einem Messgerät abgefahren worden, heißt es im Pressetext.

Nach Auswertung der Daten galt es dann in den einzelnen Abschnitten, die Schienen mit Hebegeräten wieder in die richtige Lage zu bringen. Optische Messinstrumente halfen dabei. Schließlich rückte der bahneigene Zweiwegebagger mit einem sogenannten Stopfaggregat an. Dessen vibrierende Meißel pressen Schottersteine unter die angehobenen Schwellen und stabilisieren diese in ihrer neuen, millimetergenauen Lage. Früher musste diese schwere Arbeit händisch ausgeführt werden, mit Pickeln oder schweren, motorbetriebenen Kleingeräten.

Anschließend galt es noch, den unter die Schwellen eingearbeiteten Schotter im Gleisbett wieder zu ergänzen. Insgesamt wurden zwölf Sattelzug-Ladungen eines harten Basaltschotters auf die Schiene umgeladen, mit einem Schüttwaggon an die Baustellen gebracht und dort wieder eingearbeitet, informiert die Interessengemeinschaft.

Auch die Freischnittarbeiten entlang der Strecke sind abgeschlossen, der Abstand ist per Gesetz definiert. Im Bereich Astheim ist besondere Sorgfalt erforderlich, da in diesem Bereich die Schlingnatter lebt, ein seltenes Reptil, das auf der Roten Liste der bedrohten Arten steht. Die Bahnlinie mit ihrem kilometerlangen, Wärme speichernden Schotterbett bietet diesen Tieren einen idealen Lebensraum.

Der rote Schienenbus wird zuerst an Ostern und dann ab 1. Mai wieder rollen, sein Fahrplan bleibt unverändert. Die Reise soll dann allerdings am neuen Haltepunkt Volkach-Astheim beginnen beziehungsweise enden, nun aber direkt an der Mainbrücke.

Im vergangenen Jahr hatten mehr als 12 000 Fahrgäste die Sonntagsfahrten der Mainschleifenbahn genutzt. Inzwischen reist bereits jeder fünfte von ihnen mit Nahverkehrszügen von DB Regio Franken nach Seligenstadt. Alle Fahrten des Schienenbusses werden vom Verein nach dessen Angaben zu 100 Prozent eigenwirtschaftlich durchgeführt – ohne jeglichen Zuschuss.

Die Mainschleifenbahner haben ihr langfristiges Ziel, die Wiederaufnahme des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) zwischen Volkach und Würzburg, nicht aufgegeben. Mut macht ihnen die Reaktivierung der lange stillgelegten Verbindung zwischen dem schwäbischen Weißenhorn und Ulm durch den Freistaat Bayern im Dezember 2013.

Streckenlänge, Reisenden-Potenzial sowie die dortigen Einwohnerzahlen und Verkehrsbedingungen entsprächen weitgehend den hiesigen Verhältnissen. Zudem sei Unterfranken der einzige bayerische Regierungsbezirk, in dem trotz guter Ausgangslage noch keine brachliegende Strecke für den SPNV reaktiviert worden ist, heißt es in der Pressemitteilung.

Mit gut 25 Minuten Fahrzeit zwischen Volkach-Astheim und dem Würzburger Hauptbahnhof könne die Schiene durchaus mit dem Auto konkurrieren, ist der Förderverein überzeugt. Allerdings müssten dann moderne Nahverkehrstriebwagen den roten Schienenbus ablösen.

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