Ich kenn' doch Kitzingen! Wohne schon ewig im Landkreis. Eine Schnitzeljagd mit dem Handy durch die Stadt? Ja so ein Schmarrn...

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass jemand so reagiert, wenn er das erste Mal von „Geocaching“ (sprich: „Geokäsching“) in der historischen Altstadt hört. Die Schatzsuche mit Hilfe von Satelliten-Navigation ist zwar schon seit 15 Jahren trendig, aber dass man damit auch fremde Städte erkunden und neue Seiten an bekannten Orten entdecken kann, davon haben die meisten Menschen noch nichts gehört.

Dabei braucht man lediglich ein internetfähiges Handy. Die passende App kann man einfach herunterladen. Während man sich damit auf die Suche nach einem geheimnisvollen Behälter, dem Versteck („Cache“), begibt, erkundet man die Umgebung auf ganz neue Weise und nimmt Details wahr, die man sonst übersieht. Keiner weiß das besser als Heiko und Julia Somorowsky, die vor vielen Jahren auch skeptisch waren, als ein Freund ihnen vom Geocaching erzählte. Doch das junge Paar probierte es aus – und war begeistert. „Wir haben schon viele Geocaching-Touren gemacht und etliche Städte ganz neu kennen gelernt.“ Mittlerweile legt der 37-jährige Heiko Somorowsky selbst Spuren für andere Schatzsucher.

„Im Herbst hat der Heiko bei uns in der Tourist-Info angerufen. Seine Idee, einen Altstadt-Cache in Kitzingen zu installieren, fanden wir interessant. Also haben wir ihn und seine Frau mal eingeladen“, erzählt Julia Then, Leiterin der Kitzinger Tourist-Info.

Ihre Mitarbeiterin Eva Köpf erinnert sich: „Ich hatte zuvor gedacht, Geo-Cacher sind Freaks, die mit Handy und Werkzeug im Wald rumlaufen. Aber der Heiko hat mich eines Besseren belehrt. Er hat uns mit auf Schatzsuche genommen – und es war mega-cool und super interessant. “ Man habe nicht nur leichte Bilder- oder Zahlenrätsel lösen, sondern zum Teil ganz schön um die Ecke denken müssen, um zum Ziel zu gelangen. „Echt genial. Und ich schwöre: Es gibt selbst an bekannten Gebäuden Hinweise, die du nie finden wirst, wenn du nicht gezielt danach suchst!“

Das Tourist-Info-Team war so begeistert, dass es Heiko Somorowsky sogleich mit spannenden Fakten aus der Kitzinger Geschichte versorgte. Um diese Daten herum hat der Kitzinger Geschäftsmann den Altstadt-Cache gebaut. Den ganzen Winter über haben die Somorowskys getüftelt. Ende Februar haben sie dann die Verstecke, Rätsel und Spuren ausgelegt.

„Diejenigen, die schon auf Schatzsuche gegangen sind, waren vollauf begeistert“, freut sich TI-Leiterin Julia Then und liest den Kommentar eines Geocachers vor: „Wow – ich bin immer noch hin und weg von diesem wundervollen kleinen Cache hier in Kitzingen! Die Stages sind teils schon etwas knackig – aber umso schöner ist das Gefühl, wenn man wieder einen Hinweis gefunden hat.“

Stages? „Das sind die Rätselstationen“, erklärt Heiko Somorowsky. An jeder Station gelte es, eine Aufgabe zu lösen. Manchmal müsse man da alle Sinne aktivieren, eine andere Perspektive einnehmen oder auch mal querdenken, um die Lösung und die Koordinaten für den nächsten Stage zu finden. Nicht immer ist alles so, wie es auf den ersten Blick scheint...

Wem das zu mystisch und vielleicht auch zu kompliziert klingt, den beruhigt Heiko Somorowsky. „Es kann jedem passieren, dass er mal nicht weiterkommt. Aber für den Fall gibt es bei vielen Caches spezielle Lösungshinweise oder man kann den Inhaber des Caches via Mail nett fragen.“ Allen Anfängern rät der Profi, sich zum Einstieg erst einmal an einem „Traditional Cache“ zu versuchen – einem einzelnen Suchpunkt, dessen geografische Lage unzweifelhaft vorgegeben ist. Die nächsthöhere Stufe ist dann der Multi-Cache mit mehreren Stationen.

Wann und wie ist Geocaching eigentlich entstanden? „Das war im Jahr 2000, als die GPS-Satelliten für jedermann freigeschaltet wurden“, weiß Somorowsky. „Der erste Cache war eine simple Dose im Wald.“ Damit ist es längst nicht mehr getan. „Die Caches sind in den vergangenen Jahren immer interessanter und vielfältiger geworden. Es gibt zum Beispiel Nacht-Caches mit Reflektoren, reaktivem Licht und Gruselfaktor. Oder Mystery-Caches – knackige Rätselaufgaben, die man von daheim löst, um den Schatz schließlich heben zu können“, stellt Julia Somorowsky fest.

Menschen wie ihr Mann Heiko, die sich in der Cacher-Szene auskennen, kreieren und gestalten Schatzsuchen, die den Charakter kleiner Abenteuerurlaube haben. „Als Geo-Cacher nimmt man eine Stadt ganz anders wahr, als wenn man einfach so herumläuft“, sagt der Familienvater. Man schaut auch mal nach oben oder nach unten, entdeckt Orte, die einem sonst verborgen geblieben wären. „Ich finde das toll und möchte, dass es den Cachern in Kitzingen genauso geht.“

Das scheint der Fall zu sein. Nicht nur im „Logbuch“, das im Versteck bereit liegt und in dem jeder Schatzfinder seinen Namen vermerken kann, sondern auch im Internet gibt es bereits zahlreiche Einträge. Unter geocaching.com heißt es zum Beispiel: „Die Ideen sind unterschiedlich und fantasievoll.“ Oder: „Das Ende war der Hammer!“ Ein früherer Kitzinger formuliert seine Erfahrungen in der „alten Heimat“ so:

„Ein Stadt-Multi, so wie er sein soll! Er führt zu den schönsten und interessantesten Plätzen der Stadt, erklärt dazu in knappen Worten den geschichtlichen Hintergrund und lässt auch den Suchinstinkt der Cacher nicht zu kurz kommen.“

Das kleine Geocaching-Einmaleins

Was ist Geocaching? Geocaching ist eine moderne Schatzsuche in Städten, Dörfern und auch im Grünen. Man braucht dafür nur ein Smartphone oder ein GPS-Gerät, hilfreich ist ein Notizblock nebst Stift. Am Zielort trägt man sich in ein Logbuch ein. Die benötigte Geocaching-App fürs Handy – zum Beispiel c:geo für Android oder Looking4Cache Lite für iOS – ist kostenlos, ebenso wie die Registrierung als „Schatzsucher“, also „Cacher“, im Internet unter www.geocaching.com.

Verschiedene Caches: Es gibt unterschiedliche Arten der Schatzsuche und unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Die beiden häufigsten sind das „Traditional“ – dabei werden die Koordinaten des Verstecks direkt veröffentlicht, so dass man ohne Umwege zum Cache geführt wird – und der Multi(-stage)-Cache.

Beim „Multi“ muss man sich die Koordinaten des Versteckes (in der Fachsprache „Final“) erst erarbeiten, indem man an verschiedenen Stationen („Stages“) Aufgaben löst – ähnlich wie bei der klassischen Schnitzeljagd, die viele Leute aus ihrer Kindheit kennen.

Geocaching in Kitzingen: Im Landkreis KT gibt es bereits einige hundert Caches. In der Großen Kreisstadt sind 25 Traditionals versteckt und derzeit sechs Multi-Caches. Im Umkreis von 10 Kilometern rund um Kitzingen gibt es 310 Geocaches (Traditionals, Multis, Mysterys und alle anderen Varianten).

Infos: Zu den „Multis“ zählt der „Historische Altstadt-Cache durch Kitzingen“. Man kann damit unbekannte Ecken und kuriose Geschichten rund um die Geschichte der Stadt entdecken. Der Weg ist ungefähr 2,5 Kilometer lang. Man sollte dafür zwei bis drei Stunden Zeit einplanen. Der Geocache Nummer GC6B2DD ist offiziell und detailliert auf dem Geocaching-Portal www.geocaching.com beschrieben.