Iphofen
Denkmaltag

Schätze aus Holz

Am Sonntag steht der Rohstoff Holz im Mittelpunkt. Ein besonders schönes Exemplar aufwändiger Holzschnitzkunst steht im historischen Rathaus in Iphofen: Eine aus einem Eichenstamm geschnitzte Treppensäule.
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Ein starker Mann - vielleicht Atlas - stemmt die Treppe im historischen Rathaus in Iphofen - und Susanne Kornacker und Maria Scheller vom Stadtarchiv gleich mit.   Foto: Karina Brock
Ein starker Mann - vielleicht Atlas - stemmt die Treppe im historischen Rathaus in Iphofen - und Susanne Kornacker und Maria Scheller vom Stadtarchiv gleich mit. Foto: Karina Brock
Über sechs Meter ist sie hoch, fast 300 Jahre alt und würde heute - ließe man sie neu anfertigen - um die 50 000 Euro kosten: Die Treppensäule im historischen Rathaus Iphofen. "Am 2. September 1717 wurde sie in Auftrag gegeben", weiß Stadtarchivarin Susanne Kornacker. Neben Ranken und Blättern zeigt sie mehrere starke Männer, die die massive, doppelläufige Treppe stemmen. "Sie könnten Atlas darstellen - aber Aufzeichnungen dazu gibt es nicht", erklärt Kornacker und betrachtet mit leuchtenden Augen die geschnitzten Kunstwerke. Normalerweise sind die stattlichen Herren aus Eichenholz nicht einfach so zu bewundern. Der barocke Bau am Marktplatz, der das Stadtarchiv und die Kulturhistorische Sammlung beherbergt, ist nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Am Tag des offenen Denkmals öffnete er jedoch seine Tore, um seine hölzernen Schätze zu präsentieren. "Holz" ist in diesem Jahr das Thema des Denkmaltages.

18 Reichstaler und ein Eimer Wein


Wenn auch niemand genau weiß, wen der Bildhauer dargestellt hat, der Auftrag ist noch überliefert: "Dem Meister Matthes Sporrer bilthauer ist die stiegen säule mit sauberen figuren und bilthauer arbeit nach gezeigtem model zu verfertigen accordiert worden." So steht es in alten Unterlagen des Iphöfer Archivs. Auch der Arbeitslohn des Sommerachers ist dokumentiert: 18 Reichstaler und ein Eimer Wein - wobei der Eimer für 75 Liter stand.
"Wie wertvoll das Stück heute ist, kann man kaum schätzen - es ist schließlich ein Unikat", erklärt Kornacker.

Laut der Iphöfer Holzbildhauerin Elke Fischer würde so eine Arbeit heute rund 50 000 Euro kosten. "Eichenholz ist wertvoll und die Schnitzereien ja alle Handarbeit - es hat sicher fast ein halbes Jahr gedauert, bis die Säule fertig war." Hinzu komme der historische Wert des Kunstwerks.

Bemerkenswert sind für Susanne Kornacker aber nicht nur die aufwändigen Schnitzereien, sondern vor allem, dass die Säule aus einem Stamm gemacht ist. "Und dass es einen regionalen Künstler gab, der das konnte." Weniger ungewöhnlich ist, dass Säule und Treppe aus Holz hergestellt wurden. Denn damals wie heute ist Holz ein wichtiger Rohstoff für Baumeister, Handwerker, Künstler und Häuslebauer. Im Gegensatz zu Stein oder Ton wächst Holz nach, ist fast immer und überall verfügbar und lässt sich gut bearbeiten. "Es ist ein warmer Stoff, der gut riecht und unglaublich vielfältig ist", ergänzt Elke Fischer. Struktur, Maserung, Farbe - jede Holzart sieht anders aus.

Unterschiedliche Exponate


Darum gibt es am Denkmaltag über den ganzen Landkreis verstreut die unterschiedlichsten Exponate: "Unsere fränkischen Fachwerkhäuser sind ganz offensichtliche Beispiele, während in vielen Denkmälern historische Dachstühle mit ihren Besonderheiten verborgen sind", informiert Doris Lang von der Denkmalschutzbehörde des Landratsamts. Am Sonntag werden ihre Geschichte und Konstruktionsweise öffentlich gemacht.

Ein Allzweckbaustoff


Auch im Innern der Denkmäler ist Holz vielseitig vertreten: Fenster, Treppen, Parkettböden und Holzdecken zeugen davon, dass Holz ein Allzweckbaustoff war. "Zudem waren viele Gebrauchsgegenstände aus Holz", weiß Kornacker. In Iphofen werden daher noch einige Exponate aus der Sammlung in ein neues Licht gerückt, wie ein Butterfass, eine Brotschüssel oder ein Stück Wasserleitung aus dem 16. Jahrhundert. Kurios sind auch zwei Holztüren - eine führte früher zur Stadtkasse, die andere zur Arrestzelle. Was es damit auf sich hat? Am Sonntag kann man es herausfinden.
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