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Kitzingen

Saatkrähenplage: Stadt Kitzingen fährt neue Strategie

Bisher scheint Kitzingen von der jährlichen Krähenplage verschont geblieben zu sein. Ob das vielleicht an der neuen Strategie im Umgang mit den Rabenvögeln liegt?
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Ein unbeliebter Gast: Über die vergangenen Jahre sorgte die Saatkrähe immer wieder für Ärger in Kitzingen. Foto: Jürgen Pelzing

Prävention statt Repression lautet die neue Bewältigungsstrategie der Stadt Kitzingen im Umgang mit den unbeliebten Saatkrähen. Statt wie die vergangenen Jahre einfach nur die Nester zu entfernen, schneiden die Mitarbeiter des Bauhofs nun auch zusätzlich einige Äste und Astgabeln aus den Baumkronen.

Grund dafür, wie die Pressesprecherin der Stadt, Claudia Biebl, auf Anfrage dieser Redaktion erklärt: Für ein stabiles Nest benötigen die Vögel spezielle Astgabeln. Wenn diese also von vornherein nicht vorhanden sind, beginnen die Tiere gar nicht erst mit dem Nestbau. Die Äste werden nun im Rahmen der Baumpflege bei Bedarf entfernt. So habe die Stadt die Kosten im Vergleich zu den vergangenen Jahren stark reduziert. Ein Blick in den Haushaltsplan der Stadt scheint dies zu bestätigen. Lagen die Gesamtkosten bei der Entfernung der Nester im Stadtgebiet 2017 noch bei circa 11 500 Euro, so sanken sie 2018 circa auf 1200 Euro und 2019 sogar auf null. Dies teilt die Stadtverwaltung mit.

"Momentan ist das Problem im Griff."
Claudia Biebl, Pressesprecherin der Stadt Kitzingen.

"Momentan ist das Problem im Griff", meint Biebl. "Unsere städtischen Mitarbeiter führen auch regelmäßige Sichtkontrollen durch." Die Pressesprecherin weiter: "Dadurch werden einzelne Nester frühzeitig erkannt und können entfernt werden. Bisher waren noch keine an dramatischen Stellen auffindbar. Lediglich in der Kanzler-Stürtzel-Straße wurden welche entdeckt."

Was erst im vergangenen Jahr auch der Stadtrat in Volkach – nicht zum ersten Mal – erfahren musste: Der Naturschutz lässt nur wenig Spielraum im Umgang mit den Vögeln, da sie sich auf der Roten Liste der Vögel Bayerns befinden und rechtlich gleich doppelt abgesichert sind. Das erklärt Klaus Sanzenbacher, Kreisgruppenvorsitzender des Landesbunds für Vogelschutz in Kitzingen. Sie gelten als eine besonders geschützte Art nach EU-Recht und fallen Gleichzeit auch unter das Bundesnaturschutzgesetz, was die Tötung der Tiere verbiete.

Andere Methoden, wie das sogenannte Vergrämen der Vögel durch akustische Signale, erweisen sich  als schwierig. Darauf verweist das Bayerische Landesamt für Umwelt in seinem Konzept zum Umgang mit den Vögeln. Die Krähen seien besonders schlaue Tiere und gewöhnen sich daher schnell an wiederkehrende Laute und den Lärm. Diese Signale nützen meist nur zur kurzfristigen Vertreibung, aber nicht zur Umsiedlung der Tiere. Nur durch Störungen während der Nestbauphase am früheren Standort würden die Krähen dazu veranlasst umzuziehen. Dies muss laut Gesetz noch vor Beginn der Brutzeit Mitte Februar bis Anfang März geschehen, da die Nester nicht mehr angerührt werden dürfen, sobald Eier darin liegen.

"Das alles begünstigt nur die Zersplitterung beziehungsweise die Neuansiedlung der Tiere an anderen Orten."
Klaus Sanzenbacher, Vorsitzender des Landesverbands für Vogelschutz Kitzingen.

Ob diese Maßnahmen langfristig helfen werden, kann niemand genau sagen. Wohin die brütenden Vögel ausweichen werden, ist unklar. Sanzenbacher hat eine klare Meinung zu dem Thema: "Die Maßnahmen begünstigen nur die Zersplitterung beziehungsweise die Neuansiedlung der Tiere an anderen Orten." Auch langfristige Erfahrungen würden zeigen, dass die Kolonien sich dadurch meist in kleinere Gruppen aufteilen und in der näheren Umgebung verteilen, so das Bayrische Landesamt für Umwelt (LfU) in seinem Konzept zum Umgang mit Vögeln. Somit werde das Problem eher verschoben und dadurch noch verschlimmert, da es zu einer Zunahme der Brutpaare käme. 

Das Einfachste wäre es, wenn die Menschen einfach damit beginnen würden, mit den Krähen zu leben, fügt Experte Sanzenbacher hinzu. Das LfU spricht sich nur in bestimmten Zonen für die Entnahme der Nester aus. Und zwar genau dort, wo die Vögel auch wirklich unerwünscht sind, beispielsweise vor ärztlichen Kliniken oder Kindergärten. Ansonsten solle sich der Mensch an die Umstände anpassen. Dieses Konzept der Zonierung könne längerfristig zu einem friedlicheren Nebeneinander von Saatkrähe und Mensch führen.

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