Kitzingen

Saatkrähen unter Beobachtung

Die Saatkrähen sind seit Jahren Problemvögel in Kitzingen. Vor allem weil sie als Dreckspatzen auffallen. Jetzt sind sie wieder da – die Brutsaison steht bevor.
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Vor einem Jahr: Saatkrähen habe es sich auf den Bäumen im Rosengarten gemütlich gemacht. Nicht immer zur Freude der Anlieger. In diesem Jahr treten sie noch nicht ganz so massiv auf. Das kann aber noch kommen.
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Seit einigen Jahren fallen die schwarzen, lautstarken und ebenso intelligenten wie streng geschützten Rabenvögel im Spätherbst in der Stadt ein. Sie suchen Nistmöglichkeiten in den höchsten Bäumen und haben ihre bevorzugten Plätze. Derzeit sind die Vögel noch auf der Suche, haben sich noch festgelegt.

Unter Beobachtung

Sie stehen dabei unter Beobachtung. Wie Frank Winterstein vom Ordnungsamt im Rathaus erklärte, kann man zur Zeit noch nicht sagen, wie viele und vor allem wo sich die Vögel niederlassen werden. Genau davon hängt es aber ab, ob die Stadt wie in den vergangenen Jahren Aktionen gegen die Vögel einleiten wird. Vergrämen nennen das die Fachleute. Dafür gibt es hohe Hürden: Die Versuche, die durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützten Vögel am Nisten zu hindern, sind nur möglich, wenn die obere Naturschutzbehörde bei der Regierung von Unterfranken zustimmt.

Nur unter Voraussetzung

Unter bestimmten Voraussetzungen macht die das auch. Im vergangenen Jahr zum Beispiel, als sich die Vögel ausgerechnet die Bäume in der Kanzler-Stützel-Straße aussuchten. Weil die direkt im Eingangsbereich einer Kinderarztpraxis stehen und es durch den Vogelkot zu Hygieneproblemen kommen kann, wurden die Vergrämungsversuche an der Stelle genehmigt.

Vier Mann und eine Stange

In der Folge war der Kitzinger Bauhof gefragt: Vier Mann, einer mit einer langen Stange zum Entfernen der Nestrohbauten, waren seit Mitte Januar vier Stunden am Tag, vier Wochen lang vor Ort. Dazu eine Feuerwehrdrehleiter – so sah der Einsatz aus, um die Saatkrähen am Nestbau zu hindern.

Hohe Kosten

Rund 11 000 Euro hat der Einsatz des städtischen Bauhofs am Ende gekostet. Der war am 31. März vorbei. Bis zu dem Tag – oder zu dem Zeitpunkt, an dem das erste Ei im Nest liegt – hatte die Regierung die Versuche genehmigt, den Nestbau zu hindern.

Die Aktion war nicht nur zeitlich begrenzt. Sie war auf die Kanzler-Stürtzel-Straße und Teile des Gartenschaugeländes beschränkt. Die beliebten Bäume im Rosengarten mit Blick auf den Falterturm waren ebenso tabu wie die Platanen an der Bundesstraße 8, die bei den Vögel besonders beliebt sind.

Ein kleiner Erfolg

Am Ende fasste Bauamtsleiter Georg Günther das Ergebnis so zusammen: „Wir haben immerhin einen kleinen Erfolg erreicht.“ In der Kanzler-Stürtzel-Straße am Schulzentrum haben die Rabenvögel nach mehrfachem Räumen der Nester und gezielten Rückschnitten von Ästen auf die beiden Bäume direkt am Zugang zu einer Kinderarztpraxis als Nistbäume verzichtet.

Dort hatte die Regierung der Aktion aus Hygienegründen zugestimmt. Das gilt auch für das ehemalige Gartenschaugelände. Am Bleichwasen wurde so verhindert, dass erneut Freizeiteinrichtungen dem Vogelkot geopfert werden müssen.

Spielplatz abgebaut

Richtig zugeschlagen hatten die Vögel vor drei Jahren. Da hatten sie die Platanen im Rosengarten bezogen, direkt über einem Kinderspielplatz. Der war während der Brutzeit so verschmutzt worden, dass nur der Abbau blieb.

Schlechte Stimmung

Als im Stadtrat im Herbst 2016 die Saatkrähen zum Thema wurden, war die Stimmung klar: Das Verständnis für die Vögel hielt sich in Grenzen. In den Augen der meisten Räte sind die Tiere mit ihren inzwischen weit über 100 Nestern in der Innenstadt zu einer Plage geworden. Sie haben die Platanen an der B 8 ebenso besetzt wie den Rosengarten, das evangelische Dekanat und Teile des Pausenhofs der D.-Paul-Eber-Schule.

Unzumutbar und frustrierend

Oberbürgermeister Siegfried Müller bezeichnete die teuren und oft hilflos wirkenden Aktionen schlicht als „frustrierend“. Am Ende war klar: „Das Problem ist in Kitzingen nicht zu lösen." Der Stadt bleiben der Frust und die Kosten. Ob die in dieser Brutsaison wieder anfallen, ist derzeit noch offen. Wie Frank Winterstein vom Ordnungsamt sagte heißt es erst einmal: Abwarten und beobachten.



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