Volkach

Saatgut-Festival: Von der Vielfalt der Sorten begeistert

Etwa 2000 Besucher waren beim Saatgut-Festival in Volkach. Alte Getreidesorten sollen wieder angebaut werden.
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Das Interesse an der Vielfalt der Sorten ist nach wie vor groß. Etwa 2000 Besucher kamen nach einjähriger Pause wieder zum Saatgut-Festival in die Mainschleifenhalle nach Volkach (Landkreis Kitzingen).
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„Eine der schönsten Gaben, dass wir die Kartoffel haben“, schreibt die bald 80-jährige Rosa Störkle in ihrem Buch „Kartoffel-Festival“. Mit Liebe hat sie ihr Buch zusammengestellt und mit genauso viel Liebe betreibt sie noch immer den Erhaltungsbau, um die Sortenvielfalt zu sichern und andere an der Faszination der Knolle teilhaben zu lassen. Die Kartoffel ist ihr Hobby. Rund 300 Sorten aus 50 Ländern der Erde hat sie daheim. Viele brachte sie mit zum Saatgut-Festival nach Volkach, wo sie reißenden Absatz fanden.

2000 Besucher angelockt

Genau darum ging es beim Saatgut-Festival des Vereins „open house“, das am Samstag wieder etwa 2000 Besucher anlockte, diesmal in die Mainschleifenhalle nach Volkach. Die Veranstalter Barbara und Martin Keller möchten die Besucher von der Vielfalt der Sorten begeistern. Samenfest sind sie alle, das heißt, aus ihrem Saatgut wachsen wieder Pflanzen, die dieselben Eigenschaften und Gestalt haben, wie deren Elternpflanzen. Die Sorte kann also wie früher natürlich vermehrt werden.

Im eigenen Garten vermehren

Das ist das große Anliegen der Veranstalter, Sorten im eigenen Garten zu vermehren. Denn nach ihrer festen Überzeugung gehört solches Saatgut den Menschen und nicht irgendwelchen Konzernen.

Tauschtisch wichtig

Da durfte natürlich der Tauschtisch der Saatgutarche nicht fehlen. „Das war früher selbstverständlich“, weiß Meike Hartlieb. Mit Blick auf die vielen Besucher in der Halle und am Tauschtisch ist Christina Strauß überzeugt: „Das Interesse ist da, es muss nur geweckt werden.“

Anbauer für Getreide gesucht

In diesem Jahr war das Festival um die Getreidevielfalt erweitert worden. Klaus Fleißner von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) sucht Landwirte, die alte Getreidesorten wieder anbauen. Grells Unterfränkischer Landweizen ist bei der LfL bereits in der Vermehrung. Fleißner freut sich, wenn daraus bald in Gnodstadt Brot gebacken wird.

Viele unterfränkische Landsorten sind verschwunden. Doch als Samen gibt es zum Beispiel noch die Weizensorte Gelchsheimer Dickkopf oder Opferbaumer Begrannter. Auf etwa 700 Sorten kann Fleißner zurückgreifen, rund 500 davon sind Getreide. Der Rest verteilt sich auf Lein, Raps oder Rüben, zum Beispiel die Remmlinger Runkelrübe.

Wie Kaiser Wilhelm

Gefragter Mann war der Pomologe Frank Schellhorn aus Thüringen, der selbst etwa 65 Apfelsorten dabei hatte. „Geschmacklich wie Kaiser Wilhelm“, meinte er über einen von einem Besucher mitgebrachten Apfel. Auch vom Aussehen käme es hin, doch bei nur einem Apfel wollte er sich nicht hundertprozentig festlegen, könnte es doch auch ein Apfel eines Sämlings sein. Schellhorn möchte seltene Sorten erhalten, das Obst wieder in die Natur bringen und denjenigen helfend zu Seite stehen, die Streuobst pflanzen möchten.

Flüssiges Wildobst

Nicht dem Apfel, dafür dem Speierling, der Elsbeere oder der Kornelkirsche hat sich Wolfgang Graf verschrieben. Etliche Besucher nahmen Jungpflanzen mit, sie hatten aber auch die Möglichkeit, dieses Wildobst in flüssiger Form als Brand zu erwerben. Tochter Julia Graf erläuterte, dass sich die Früchte auch gut in Marmeladen machten, zum Beispiel mit Apfel oder Quitte.

Sortenreine Säfte

Um nachhaltige Streuobst- und Bienenprodukte aus der Region bemühen sich die „Main Schmecker“. Geschäftsführer Krischan Cords hatte sortenreine Apfelsäfte vom Bohnapfel oder „Lohrer Rambur“ oder Mischsäfte mit Speierling dabei, ebenso Brände, die zum Teil aus dem Obst nur weniger Bäume gebrannt wurden.

Großes Angebot

Unzählige Samentütchen wechselten den Besitzer. Wie viele solcher Tütchen im Angebot waren, keiner weiß es. Veit Plietz aus Schwarzach hatte viel Saatgut dabei, Federmais, Prunkbohnen, Zuckererbsen und vieles mehr war bei Roland Wüst aus Haßloch/Pfalz im Angebot, 80 verschiedene Tomaten- und zwölf Kartoffelsorten gab es bei Wolfgang Holzheimer aus Würzburg, aus über 400 verschiedenen Sorten Gemüse und Kräutern konnten die Besucher bei Klaus Lang aus Wolfegg wählen, darunter die „Braune Wolfegger Bohne“, die von seiner Oma stammt.

839 Tomatensorten

Andrea und Werner Illini aus Wassermungenau lieben und leben die Vielfalt. „Leider nur 390 dabei“, sagt Andrea Illini und lacht, verfügt sie dich insgesamt verfügt sie doch über 839 Tomaten- und 70-Paprikasorten. Und ihre dickfleischige, saftige Chili oder die Naschpaprika fanden auch neue Freunde. Wer Samen kaufte, bekam von allen Anbietern die richtigen Tipps zur Saat und zur Pflege.

Vertreten waren auch der Würzburger Campusgarten, ein Urban-Gardening-Projekt auf dem Universitätsgelände, oder der Interkulturelle Generationengarten aus Mainstockheim. Abgerundet wurde das breite Angebot durch Fachliteratur und fränkische Gartenwerkzeuge aus Holz.



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