KITZINGEN

Ruth Bauer: 85 Jahre mit Gott und der Politik

Dafür, dass sie eigentlich „nichts werden wollte“, hat Ruth Bauer eine erstaunliche politische Laufbahn hingelegt. Am 21. Januar wird sie 85 Jahre alt.
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Am 21. Januar feiert Ruth Bauer (rechts) den 85. Geburtstag. Beim Blättern im Fotoalbum mit Tochter Ortrun kommen Erinnerungen hoch. Foto: Foto: Julia Lucia

Dafür, dass sie eigentlich „nichts werden wollte“, hat Ruth Bauer eine erstaunliche politische Laufbahn hingelegt. Wohl kein anderer Namen im Landkreis ist so mit der CSU verbunden. Am 21. Januar wird sie 85 Jahre alt.

Flucht und Vertreibung

Geboren wurde sie 1933 in Angerburg in Ostpreußen, aufgewachsen ist sie Elbing, bevor sie 1945 nach Schleswig-Holstein fliehen musste. Diese Erfahrung war einer der drei großen Einschnitte in ihrem Leben, erzählt sie. „Das hat mich gelehrt, dass Äußerlichkeiten nicht wichtig sind.“ Ein Jahr später zog die Familie nach Hof, weil der Vater dort eine Stelle bekommen hatte. Nur ein Jahr später wieder ein einschneidendes Ereignis. Ihr Vater starb bei einem Unfall.

Traum zerstört

Da das Geld nicht reichte, musste sie ein Jahr vor dem Abitur das Gymnasium verlassen. Ihren Traum, Lehrerin zu werden, konnte sie so nicht verwirklichen. Trotzdem blieb ihr das letzte Schuljahr in besonderer Erinnerung, weil sie viel über Demokratie und Politik erfahren hatte. „Ich war fasziniert davon und ich entschloss mich, mich um Politik zu kümmern“, sagt sie. Den Anfang machte sie mit dem Amt als Schulsprecherin.

Fünf Kinder

Von 1951 bis 1957 arbeitete sie als Postangestellte, 1956 heiratete sie Rolf Bauer, der später Landrat von Kitzingen wurde. Fünf Kinder brachte sie auf die Welt und Ruth Bauer erfüllte sich damit einen Wunsch: „Ich wollte eine große Familie haben und diese wollte ich in vielen Gremien vertreten“, erinnert sie sich. Mittlerweile ist die Familie auf 22 Enkel und drei Urenkel – der vierte ist unterwegs – ist angewachsen.

Eintritt in die CSU

Doch zunächst machte ein anderer Karriere. 1967 kam Ruth Bauer mit ihrer Familie nach Kitzingen. Ehemann Rolf kandierte für das Amt als Landrat und seine Frau unterstützte ihn wo sie nur konnte. „Ohne mich wäre er nicht Landrat geworden“, sagt sie rückblickend. 1966 trat sie in die CSU ein.

Christlich ist wichtig

SPD und FDP waren für sie nie eine Option. „Mir war das C für christlich wichtig“, sagt sie. Wobei ihr klar ist, dass es keine christliche Politik gibt. „Es gibt nur Christen in der Politik. Aber die müssen für ihre Überzeugen stehen.“ 1979 der nächste entscheidende Einschnitt. Ihre Ehe wird geschieden. „Ich bin in ein Loch gefallen“, erinnert sie sich.

„Meine Ämter haben mich aufgefangen.“ Ämter hatte sie in dieser Zeit schon einige. Seit 1968 war sie Kreisvorsitzende der Frauen-Union (bis 1993), dazu seit 1973 stellvertretende Landesvorsitzende der Frauen Union (bis 1995).

In Gott geborgen

Außerdem war sie seit 1970 Mitglied im Kirchenvorstand der Stadtkirche Kitzingen und Dekanatsausschuss der evangelischen-lutherischen Dekanats Kitzingen. Denn neben der Politik spielt Gott eine wichtige Rolle in ihrem Leben. „Ich weiß, dass ich in Gott geborgen bin und ich mir keine Sorgen machen brauche.“

Unabhänigkeit gewonnen

Im Nachhinein sagt Ruth Bauer, habe sie die Scheidung unabhängiger gemacht. 1978 wurde sie den Bezirkstag gewählt (bis 2003), von 1984 bis 2008 war sie Mitglied im Kreistag. Bei der Bezirkstagswahl habe sie erstmals Wahlkampf für sich gemacht. Und als die 1994 ins Präsidium des Bayerischen Landkreistags kam, war sie die erste Frau in diesem Gremium. „Da habe ich mich sehr gefreut.“

Anderen helfen bleibt

Mit der Zeit sind die Aufgaben weniger geworden, seit 2003 ist die Rentnerin Kreisvorsitzende der Senioren-Union. Gerne ist sie bei den Treffen und kümmert sich um die, die Unterstützung brauchen. Denn das war und wird immer eine Aufgabe in ihrem Leben sein: anderen helfen.

Ruth Bauer lädt am Sonntag, 21. Januar, um 11 Uhr zu einem Empfang ins Paul-Eber-Haus ein. Wer gratulieren will, ist willkommen.

Ruth Bauers Auszeichnungen

• Bundesverdienstkreuz am Bande (1993)
• Kommunale Verdienstmedaille (1996)
• Ehrenring des Landkreises Kitzingen (2002)
• Verdienstkreuz der 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (2003)
• Bayerische Verfassungsmedaille in Silber (2006).

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