Ein schlimmer Sturz im Treppenhaus, ein Herzinfarkt oder ein Autounfall mit Verletzten - rund 600 Mal am Tag kommen Meldungen dieser Art bei der Integrierten Leitstelle in Würzburg an. 26 Disponenten koordinierten im vergangenen Jahr etwa 60 000 Notfalleinsätze für den Rettungsdienst in Stadt und Landkreis Würzburg, in Main-Spessart und Kitzingen. „Die Zahlen gehen jedes Jahr leicht nach oben“, sagt Harald Rehmann, Chef der Würzburger Berufsfeuerwehr, wo die Leitstelle untergebracht ist.

Zwar gibt es tendenziell weniger Unfälle auf der Autobahn. Doch die mehr als 500 000 Menschen, die im Einsatzgebiet der Leitstelle leben, werden immer älter. Das lässt sowohl die Zahl der Rettungseinsätze als auch die der Krankentransporte steigen. Hinzu kommt die Ausdünnung der ärztlichen Infrastruktur auf dem Land.

Holte man früher bei einer akut lebensbedrohlichen Erkrankung den Arzt vor Ort, muss heute oft der Rettungsdienst kommen, weil es in direkter Nähe keinen Arzt mehr gibt. Dass das Angebot der Kliniken im ländlichen Raum schmilzt, sorgt ebenfalls für häufigere Rettungsdiensteinsätze. So wurden in jüngerer Zeit zum Beispiel mehrere Geburtshilfeabteilungen von Krankenhäusern im Einsatzgebiet geschlossen.

„Manche Anrufer sind konfus. Erzählen etwas, was gar nichts mit dem Notfall zu tun hat.“
Petra Rüb Disponentin

Bereits während des Anrufs lokalisieren die Disponenten die genaue Lage der Unglücksstelle und die Zufahrt. Dafür stehen ihnen detaillierte Karten und Satellitenaufnahmen zur Verfügung. Am Platz von Disponentin Petra Rüb erscheint soeben die Stadt Arnstein auf dem Bildschirm: Ein Notruf von hier ging ein, den sie über ein Headset entgegennimmt.

Der Anrufer gehört zu jenen nüchternen Menschen, mit denen es die Disponentin leicht hat: Er gibt präzise Auskunft darüber, was passiert ist. Rüb: „Manche Anrufer sind konfus. Erzählen etwas, was gar nichts mit dem Notfall zu tun hat.“ Dies täten sie aus dem Schock heraus.

Ein Disponent muss mit einer schweren Karambolage mit mehreren Unfallbeteiligten ebenso gut umgehen können wie mit einem Anrufer, der Symptome schildert, die auf einen Schlaganfall hinweisen. Er hat gelernt, Schlaganfallpatienten früh zu identifizieren, um rasch Hilfe holen zu können. Neu ist seit dem vergangenen Jahr, dass Würzburgs Disponenten Angehörige telefonisch anleiten, bewusstlose Herzinfarktpatienten zu reanimieren. Der Grund: Die meisten Menschen sind nicht mehr in der Lage, Kranken mit Kreislaufstillstand Erste Hilfe zu leisten– dies haben verschiedenen Untersuchungen ergeben

Disponenten wie Petra Rüb haben oft einen aufreibenden Dienst. Permanent müssen sie in kritischen und komplexen Situationen Entscheidungen treffen. Ständig kommen neue Anforderungen auf sie zu. So wird in jüngster Zeit streng darauf geachtet, dass bei lebensbedrohlichen Verletzungen und bestimmten Krankheiten mit Hilfe des Rettungshubschraubers die „Goldene Stunde“ eingehalten wird.

Jeder Rettungszweckverband in Bayern musste 2013 in seinem Dienstbereich ein Gebiet definieren, in dem bei vitaler Bedrohung eines Patienten zwingend der Rettungshubschrauber, parallel zum bodengebundenen Notarzt, alarmiert werden muss. Dazu gehören zum Beispiel Bereiche von Main-Spessart nordwestlich von Gemünden und Marktheidenfeld. Insgesamt 2064 Mal hob der Rettungshubschrauber „Christoph 18“ im vergangen Jahr ab, um einem Menschen in Not im Einsatzgebiet der Leitstelle zu helfen.

Disponenten müssen zu sehr früher Morgenstunde genauso fit sein wie mitten in der Nacht, denn das Telefon klingelt ständig. Insgesamt gingen 2013 fast 240 000 Anrufe mit Notrufcharakter bei der Integrierten Rettungsleitstelle in Würzburg ein. Die einen betrafen gesundheitliche Krisen, andere Unfälle oder Brände.

Wer Disponent werden möchte, muss die Ausbildung zum Rettungsassistenten oder Hauptbrandmeister abgeschlossen haben. Zum eigentlichen Disponenten werden die Fachkräfte bayernweit an der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried bei Bad Tölz geschult. Hier existiert eine Integrierte Lehrleitstelle (ILLS), in der über sieben Wochen rechtliche, organisatorische und taktische Grundlagen vermittelt werden.