Veitshöchheim

Rübenbauern sind besorgt über die Zukunft

Die angespannte Wirtschaftslage beim Rübenanbau und in der Zuckerindustrie waren Anlass für intensive Diskussionen bei den Zuckerrübenbauer (VFZ) in Veitshöchheim.
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Die Generalversammlung des VFZ bot den Rahmen für Würdigungen und Auszeichnungen. Im Bild (von links) VFZ-Vorsitzender Stefan Streng, Maria Heimbach, die nach 25 Jahren Tätigkeit in der VFZ-Geschäftsstelle im April in den Ruhestand ging, Südzucker-Vorstandsmitglied Thomas Kirchberg, Manfred Anselstetter (nach 42 Jahren beim VFZ seit Juni im Ruhestand), Professor Peter Schulze Lammers vom Institut für Landtechnik in Bonn, ausgezeichnet mit der „Goldenen Zuckerrübe“ und Verbandsgeschäftsführer Klaus Ziegler.

Die angespannte Wirtschaftslage beim Rübenanbau und in der Zuckerindustrie waren Anlass für intensive Diskussionen bei der jüngsten Generalversammlung des Verbands Fränkischer Zuckerrübenbauer (VFZ) in Veitshöchheim. Kurz zuvor hatten die Rübenbauern die Abrechnung für das Erntejahr 2017 erhalten. Der VFZ ruft dazu auf, Einsparpotenziale bei Anbau und Verarbeitung weiter zu nutzen, ohne dabei die Effizienz des fränkischen Rübenanbaus zu gefährden, so eine Pressemitteilung.

Gewaltige Überschüsse

Der absolute Ernterekord in Franken und der gesamten EU führte zu einem gewaltigen Zuckerüberschuss, ohne das der Weltmarkt für Entlastung sorgte, und Druck auf die Preise. Entsprechend mehrten sich die Sorgenfalten sowohl bei der Südzucker AG als auch den Landwirten, einen auskömmlichen Rübenpreis zu finden, der zugleich für die bevorstehende Kontrahierung für das Anbaujahr 2019 motiviert.

Zusätzlich gerate der Rübenanbau durch zunehmende Einschränkungen beim Pflanzenschutz unter Druck sowie durch veränderte Ernährungsgewohnheiten und die Ansprüche der Gesellschaft, so der VFZ weiter. Zumindest gelte dies für den konventionellen Rübenanbau. Im Gegensatz dazu boome der Biozucker-Bereich und mache sich langsam heraus aus der Rolle als Nischenproduktion.

Um den wirtschaftlichen Anforderungen gewachsen zu sein, sei die Nutzung des Fortschritts bei Züchtung, Düngung und Pflanzenschutz unerlässlich, so wie der Einsatz neuer Technologien wie der Digitalisierung.

Die Versuchs- und Beratungsarbeit im Verbund mit dem Kuratorium und Institut für Rübenforschung biete dafür beste Voraussetzungen. Aufgrund der hohen Erntemenge habe die Wertschöpfung je Hektar im Anbaujahr 2017 für die Rübenbauern gepasst. Im Vergleich zu Vorjahren mit geregelter Quote und Rübenmindestpreisen tue sich hingegen eine große Lücke auf.

Vertrauen auf die Probe gestellt

Nach Ansicht von VFZ-Geschäftsführer Klaus Ziegler müsse sich die fränkische Zuckerwirtschaft in den kommenden Jahr auf einen „Ritt auf der Rasierklinge“ einstellen, sowohl in finanzieller wie in emotionaler Hinsicht. Das gegenseitige Vertrauen zwischen Rübenbauern und Südzucker AG werde dabei zwangsläufig auf die Probe gestellt.

Die Sorge geht um, dass Landwirte aufgrund des volatilen Marktumfelds kurzfristig aus der Rübenproduktion aussteigen und damit die Rohstoffversorgung der Zuckerfabrik in Gefahr bringen. Der Verbandsvorsitzende Stefan Streng rief die Mitglieder deshalb zur Besonnenheit auf und mahnte vor kurzsichtigen Reaktionen.

Als Gastreferent zeigte der Vorstandsvorsitzende der Südzucker AG, Wolfgang Heer, die aktuellen Herausforderungen des Unternehmens auf nationaler und globaler Ebene auf. Als riesige Aufgabe bezeichnete er es, dem Anprangern des Zuckers als Dickmacher mit seriösen und wissensbasierten Fakten zu begegnen. Problem der Gesellschaft sei nicht der Zuckerkonsum, sondern der verbreitete Bewegungsmangel.

Die Perspektiven der mechanischen Unkrautbekämpfung waren das Thema von Professor Peter Schulze-Lammers von der Universität Köln. Bei immer weniger zugelassenen chemischen Pflanzenschutzmitteln komme der mechanischen Unkrautbekämpfung wieder mehr Bedeutung zu.

„Goldene Zuckerrübe“ verliehen

Wichtige Dienste leisteten dabei die regelmäßigen Maschinentest auf den Flächen des Juliusspital-Guts Seligenstadt, die von Schulze-Lammers wissenschaftlich begleitet werden. Für die beispielhafte, langjährig hervorragende und fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Institut für Landtechnik unter seiner Leitung verlieh ihm der Verband seine höchste Auszeichnung, die „Goldene Zuckerrübe“.



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