Iphofen

"Romantiklösung" für den Iphöfer Waldkindergarten

Weitere Wendung bei der geplanten Waldgruppe in Iphofen: Es soll zwei Standorte und Gebäude geben. Im Stadtrat ist man unzufrieden mit dem Stil der politischen Debatte.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Iphöfer Stadtrat macht sich ein Bild vom geplanten Standort des Waldkindergartens im Abteil Schießgrund. Foto: Eike Lenz

Ein schattiges, ruhiges Plätzchen ist die Ecke, an die Iphofens Bürgermeister Josef Mend am Montagabend die Stadträte gelotst hat. Was viele erst jetzt erfahren: Hier, im Waldabteil Schießgrund, soll ein Teil des neuen Waldkindergartens entstehen – und zwar jener, an dem später einmal die ausgelagerte Waldgruppe der Iphöfer Kindergärten das Jahr über verbringen soll. Der zweite Teil bleibt wie vorgesehen knapp oberhalb des Wertholzplatzes. Dort wird die Waldpädagogik angesiedelt, jener Part, der im regelmäßigen Turnus Naturtage für wechselnde Gruppen bietet. Trotz zum Teil erheblicher Bedenken hat der Stadtrat das Projekt mit nur einer Gegenstimme auf den Weg gebracht.

Die Kinder könnten sich gestört fühlen

Mend zitierte aus Gesprächen mit Experten, die es „aus pädagogischen Gründen“ für nicht sinnvoll hielten, beide Gruppen am selben Standort und in unmittelbarer Nähe zueinander unterzubringen. Durch den ständigen Wechsel in einer der beiden Einrichtungen könnten sich die Kinder der Waldgruppe gestört fühlen. Deshalb sollten die beiden Gruppen auf zwei Standorte verteilt werden. Das heißt auch: Die Stadt muss zwei Gebäude errichten. Für die Waldgruppe ist ein schattiges Biotop im Schießgrund vorgesehen, das über einen Wirtschaftsweg vom Baugebiet Ost aus zu erreichen ist. Dort sollen künftig an fünf Tagen in der Woche von 7.30 Uhr bis 12.30 Uhr bis zu 20 Kinder betreut werden.

  • Nimmt das Anspruchsdenken in Iphofen überhand? Lesen Sie dazu den Kommentar des Autors

Für die Waldpädagogik bleibt es beim Standort am Iphöfer Wertholzplatz. Die Stadt wird dazu einen Förderantrag nach dem Leader-Plus-Programm stellen, mit dem die Europäische Union den ländlichen Raum unterstützen will. Mend sagt deshalb, das Projekt lasse sich ohne Mehrkosten zur vorherigen Lösung umsetzen. Manche Räte bezweifeln das. Kritik gab es auch an der pädagogischen Begründung für die Doppellösung. „Es kann mir keiner erzählen, dass zwei Gruppen nicht nebeneinander existieren können“, sagte Jürgen Adler. Norbert Melber sprach von einer „Romantiklösung. Die wollen unter sich sein.“ Als Bürgermeister Mend das „Wohl der Kinder“ betonte, entgegnete Melber: „Das ist ein Totschlagargument. Ich bezweifle, dass aus dem Waldkindergarten bessere Menschen rauskommen.“ Rupert Maier verwies auf das wertvolle Biotop („Es gibt so viele andere Plätze“) und stimmte als einziger gegen das Vorhaben.

Kritik am Stil der politischen Debatte

Udo Schumann kritisierte den politischen Stil der Debatte. „Wir hatten uns schon einmal für den Wertholzplatz als Standort entschieden. Dann macht man im stillen Kämmerlein sein Konzept, stellt es uns nicht vor, will aber, dass wir uns schon einmal entscheiden.“ Er forderte, das Projekt umfassend im Stadtrat vorzustellen und zu erörtern. Daran anknüpfend, sagte Klaus Brehm: „Wir möchten um Verständnis bitten, dass man das Ganze moderater angeht. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, reicht dieser Standort auch wieder nicht. Wer von uns weiß schon, ob das nicht nur eine Modeerscheinung ist.“ Mend wurde nun zunehmend unruhiger. Wenn hier einer den Antrag stellen wolle, das Thema zu vertagen, müsse er die Verzögerung den wartenden Eltern erklären. Brehm konterte auch diesen Vorhalt: „Von uns Stadträten hat den Eltern keiner versprochen, dass im September die Waldgruppe startet.“

Bis die Gebäude im Wald und die Erweiterung des Kindergartens St. Barbara an der Karl-Knauf-Halle fertig sind, sollen die Kinder im benachbarten Jugendhaus und im städtischen Mittelwaldpavillon am Waldrand untergebracht werden. Auf diese Weise könne auf die Anmietung teurer und unbequemer Container verzichtet werden, erklärte Mend.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.