KITZINGEN

Rollstuhlfahrerin überlebte Auffahrunfall nicht

Aus dem Gericht: 4800 Euro Geldstrafe für einen Autofahrer. 2016 war er mit voller Wucht auf einen Wohnwagen aufgefahren.
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Tödlicher Unfall: Der Kleinlaster fuhr Anfang 2016 auf einen Wohnwagen auf, in dem eine Frau starb. Vor dem Kitzinger Amtsgericht musste sich jetzt der Fahrer des Kleinlasters verantworten. Archiv-

Es war ein schrecklicher Unfall, der sich in den Abendstunden des 4. Januar 2016 zutrug: Auf der A 7 bei Biebelried krachte ein Sprinter in einen Wohnwagenanhänger. In dem befand sich eine 47-jährige Rollstuhlfahrerin aus dem Landkreis Kitzingen, die keine Chance hatte: Die Frau starb noch an der Unfallstelle.

Wie konnte es zu dem Unfall kommen? Ein Gutachter musste sich für die gerichtliche Aufarbeitung mit dieser alles entscheidenden Frage beschäftigen. Fakt ist: Das Gespann hatte kurz vor dem Zusammenstoß zunächst auf dem Standstreifen gehalten. Der Frau ging es gesundheitlich nicht gut. Die Rollstuhlfahrerin hatte sich – verbotenerweise – in dem Wohnanhänger befunden, der bei dem anschließenden Auffahrunfall „komplett zerstört“ wurde, wie es der Staatsanwalt in der Anklageschrift ausdrückte.

War der Unfall vermeidbar?

Kurz nachdem das Gespann gegen 20.45 Uhr wieder an- und auf die rechte Spur eingefahren war, rauschte auch schon der Sprinter heran. Bei der Kollision krachte der Kleinlaster nicht nur gegen den Wohnanhänger – er überfuhr ihn regelrecht. Das Urteil des Gutachters ist eindeutig: Selbst wann man alles zugunsten des Todesfahrers rechnet, hätte er den Unfall trotzdem vermeiden können.

Klar ist auch: Das Gespann fuhr „ordnungsgemäß“ auf der rechten Spur und schwenkte nicht, wie zwischenzeitlich von der Verteidigung ins Spiel gebracht, gerade erst von der Standspur kommend ein. Während das Gespann mit 65 bis 80 Stundenkilometern unterwegs gewesen sein muss, hatte der Sprinter 120 bis 140 auf dem Tacho.

„Moment der Unaufmerksamkeit“

Die fahrlässige Tötung durch den Frontalaufprall sei auf einen „kurzen Moment der Unaufmerksamkeit“ zurückzuführen, wird später auch das Gericht betonen und zudem von einem „Augenblicksversagen“ sprechen. Weshalb es eigentlich auch nicht viel über das Strafmaß zu diskutieren gibt: In einem Strafbefehl war ein dreimonatiges Fahrverbot sowie eine Geldstrafe von 140 Tagessätzen zu je 40 Euro verhängt worden.

Dagegen hatte der Verteidiger des heute 28-jährigen Fahrers Widerspruch eingelegt. Ziel der daraufhin stattfindenden Verhandlung vor dem Kitzinger Strafgericht: Eine geringere Tagessatzhöhe. Wohl auch mit Blick auf das Führungszeugnis: Über 90 Tagessätze taucht ein entsprechender Vermerk im Register auf.

„Keinen Verhandlungsbedarf“

Daraus wurde allerdings nichts: Der Staatsanwalt sah „keinen Verhandlungsbedarf“. Das Gericht reduzierte auf 120 Tagessätze, weil sich das Leben des Angeklagte seit dem Unfall grundlegend geändert hat: Er verlor seine Arbeit als Kraftfahrer, anschließend konnte er seine Wohnung nicht mehr halten und schließlich kehrte er in sein Heimatland Rumänien zurück.

Um sich dem Prozess zu stellen, kam er zurück nach Deutschland. Hier versucht er aktuell wieder, sich eine Existenz aufzubauen. Aktuell arbeitet er als Lagerist. Der Verteidiger führte zudem aus, dass sein Mandant „bis heute Albträume durchlebt“. Der Unfallfahrer selbst war bei dem Zusammenprall leicht verletzt worden.

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