„Das war ein tolles Erlebnis.“ Noch immer kommt Oliver Schlereth ins Schwärmen, wenn er vom 14. und 15. September erzählt, als er am Schliersee beim 2. Bayerischen Schmiedetreffen dabei sein durfte. Seine Begeisterung kommt nicht daher, dass er dazu eine Einladung aus Oberbayern bekam, sondern von keinem geringeren als dem alpinen Doppelolympiasieger und Weltmeister Markus Wasmeier.

Der 50-Jährige betreibt seit 2007 auf der Fläche von sechs Hektar ein Freilichtmuseum am Schliersee und lebt und wirkt als Liebhaber seiner Heimat. Der gelernte Maler Markus Wasmeier und sein Vater Günther Wasmeier, der Lüftlmaler (oberbayerische Variante der Fassadenmalerei) und Restaurator ist, bringen das Handwerkszeug und vor allem die Liebe zu Kultur und Tradition mit, um die Gäste in die Vergangenheit entführen zu können.

„Ich hätte nie gedacht, ausgewählt zu werden.“
Oliver Schlereth über seinen Auftritt in Wasmeiers Museum

„Ich möchte mit unserem Museum das kulturelle Erbe pflegen und für kommende Generationen wahren“, sagt Markus Wasmeier, der seine Popularität dafür nutzt, um Förderer für sein Lebenswerk zu gewinnen und die Werbetrommel zu rühren. Wasmeier ist Initiator des Museums, das im Besitz eines Fördervereins ist und dessen Vorsitzender er ist.

Oliver Schlereth ist Landwirt und Kraftfahrer. Seit Jahren frönt er seinem Hobby als Kunstschmied. Er bestritt schon Kunstausstellungen, fertigte auch Werkstücke für die kleine Landesgartenschau in Kitzingen und ist seit langen Jahren auf Märkten in der Umgebung anzutreffen. Dabei lernte er den gebürtigen Fröhstockheimer Wolfgang Luntz kennen, der als Bäcker Spezialitäten wie Krapfen und andere Leckereien unter die Leute brachte – zuletzt in seiner Konditorei und im Café in Wiesentheid. Sie funkten bald auf einer Wellenlänge und ihrer Freundschaft tat es auch keinen Abbruch als Wolfgang Luntz mit seiner Frau Sigrid Mägerlein-Luntz im August 2011 in Wasmeiers Museum wechselte. Damals schlossen sie die Türen ihrer Wiesentheider Bäckerei, was Wolfgang Luntz bis heute nicht bereut hat. „Das Publikum hier ist dankbar und neugierig“, sagt der 51-jährige Bäcker- und Konditormeister über seine Erfahrungen als Museumsbäcker. An fünf Tagen pro Woche bäckt er Spezialitäten wie das Sauerteigbrot aus dem Traditions-Holzofen. Das Ehepaar Luntz-Mägerlein hat am Schliersee eine zweite Heimat gefunden, sie sind in Vollzeit angestellt und übernehmen Aufgaben über die Bäckerei und die Gastwirtschaft hinaus.

Im Jahr 2011 folgte Oliver Schlereth dem Rat von Wolfgang Luntz und beäugte erstmals das Schmiedetreffen und die Museumsschmiede des verantwortlichen Museumsschmieds Andreas Bauer. Ein Jahr später lernte er dann auch Markus Wasmeier persönlich kennen. Die Chemie zwischen dem heutigen Fernsehexperten bei Übertragungen von Skirennen und dem Biebelrieder passte und vergangenes Jahr flatterte dann die Einladung samt seiner Frau Sandra und Tochter Mina zur Großveranstaltung in Schlereths Haus. „Ich hätte nie damit gerechnet, ausgewählt zu werden“, gab sich der 47-jährige Landwirt überrascht. Er packte seine Esse und Handwerkszeug ein und erlebte dort unvergessliche Tage. „Da waren Profis und sogar ein Weltmeister aus der Schweiz dabei“, erzählt Oliver Schlereth über das elitäre Feld an Schmieden.

Die 40 Schmiede begeisterten die mehreren Tausend Besucher mit technischen Feinheiten und Demonstrationen der historischen Handwerkskunst und Oliver Schlereth war sprichwörtlich „mittendrin, statt nur dabei“. „Das waren schon beeindruckende Typen“, schilderte der Hobby-Kunstschmied aus Biebelried über die Tage mit renommierten Kollegen am Schliersee. „Ich würde sofort wieder hinfahren“, erwidert Oliver Schlereth im Hinblick auf das nächste Schmiedetreffen im Jahr 2015.

Denn er schätzt nicht nur die Möglichkeit, von professionellen Kollegen noch etwas abschauen zu können, sondern auch den bodenständigen Menschen Markus Wasmeier. „Ich bin der Markus, hat er geantwortet, nachdem ich ihn mit Herrn Wasmeier angesprochen hatte“, verrät Oliver Schlereth. Er beschreibt den Doppel-Olympiasieger als lockeren Typ, der den Spaß versprühe, mit dem er sein Freiluftmuseum stetig ausbaut und dauerhaft historische Handwerkskunst und bäuerliche Landwirtschaft an heutige Generationen weiterträgt.