Kitzingen

„Rettet das Graue Langohr“: Bürgerprojekt mit Modellcharakter

"Jeder kann helfen, das Graue Langohr zu retten", betonte Experte Christian Söder in der Auftaktveranstaltung in Kitzingen und wünschte sich von den Landkreisbewohnern nachhaltige Unterstützung im Rahmen eines Bürgerprojektes. Bis Ende 2020 ist der Landkreis Kitzingen Projektgebiet zur Rettung dieser Fledermäuse-Spezies. Claudia Biebl von der Stadtverwaltung Kitzingen sagte Söder jegliche Unterstützung zu.
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Projektleiter zur Rettung des Grauen Langohrs Christian Söder (links) und Burkard Pfeiffer von der Koordinationsstelle Fledermausschutz Nordbayern mit einer Tüte hilfreicher Schmetterlingsstauden. Foto: Antje Roscoe

"Jeder kann helfen, das Graue Langohr zu retten", betonte Experte Christian Söder in der Auftaktveranstaltung in Kitzingen und wünschte sich von den Landkreisbewohnern nachhaltige Unterstützung im Rahmen eines Bürgerprojektes. Bis Ende 2020 ist der Landkreis Kitzingen Projektgebiet zur Rettung dieser Fledermäuse-Spezies. Claudia Biebl von der Stadtverwaltung Kitzingen sagte Söder jegliche Unterstützung zu.

Diverse Aktionen 

Die Bepflanzung des Kleistplatzes mit Stauden sei ein Anfang, so der Tierschützer. Dass die Stadt Kitzingen an der Panzerstraße bislang nur die Straßenpfosten frei geschnitten habe, damit die restlichen Pflanzen weiter blühen können, wurde auch lobend erwähnt. "Das Buchgeschäft, das das Thema aufgreift und intensiviert, die Samen-Tütchen, die der Stadtmarketing-Verein Kitzingen Kann’s verteilt - es sind Beispiele", so Söder, "die zeigen, was jeder tun kann, um den Lebensraum von Fledermäusen, speziell den des Grauen Langohrs zu schützen".

Die kleinteilige Flur, aber auch bauliche Strukturen müssten als Lebensraum für Fledermäuse bewahrt werden- oft würden Lebensräume aus Unkenntnis versiegelt, verdeutlichte der Biologe Burkard Pfeiffer von der Koordinationsstelle Fledermausschutz Nordbayern. Gleichzeitig beruhigte er: "Es ist durch uns noch keine Sanierung verhindert worden". Ihm gehe es um das Miteinander.

Sesshaftes Langohr 

Das Graue Langohr sei eine sesshafte Art, die Wärme liebt, erklärte Pfeiffer den gut zwei Dutzend Zuhörern. Eine typische Dorffledermaus sei sie, ein Insektenfresser, der auf strukturreiches Gelände mit Gehölzen oder entsprechende Gärten angewiesen ist. 

Detaillierte Daten gibt es seit letztem Jahr zum Hoheimer Grauen Langohr. Mal fliege es zur Sicker,  und jagt im Bereich Kitzingen-Siedlung. Mal ändere es seine Richtung und steuert das Gewerbegebiet Goldberg oder den Magerrasen im Technologiepark conneKT an. Messungen hätten gezeigt, dass im Frühjahr verstärkt Wald angeflogen werde. Die Experten schließen daraus, dass der erhöhte Nahrungsbedarf zur Aufzucht der Jungen im Offenland nicht mehr gedeckt werden kann.

Indikator für Strukturvielfalt

Hoheim ist, so die Experten, bayerische Modellgemeinde für das Graue Langohr. Es unterhält dort im Pfarrhaus eine der seltenen Wochenstuben. Insgesamt sei das Langohr so selten geworden, dass es europaweit im Bestand als "stark gefährdet" eingestuft ist.

Die Fledermaus ist ein Indikator für Arten- und Strukturvielfalt, weshalb sie zur Schirm-Art bestimmt und das Projekt "Rettet das Graue Langohr" Teil der Bayerischen Biodiversitätsstrategie ist. Werden die Lebensgrundlagen des Grauen Langohrs erhalten, bedeutet dies gleichzeitig Hilfe für viele andere Lebensräume und Lebewesen, wie beispielsweise den Ortolan.

Söders sieht seine Aufgabe darin, zu informieren und zu sensibilisieren. Er möchte Einzelprojekte begleiten und auch finanziell unterstützen. Zudem soll in Kitzingen ein Masterplan, das heißt ein Leitfaden für andere Fledermaus-Kolonien in Bayern erarbeitet werden. Das sei spannend und sollte alle anspornen, so Söder. 

Info und Aktuelles gibt es im Internet: www.rettet-das-graue-langohr.de

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