Eichfeld

Restaurierte Gerichtsordnung erzählt von der Eichfelder Geschichte im 17. und 18. Jahrhundert

Bei dem Ziel, die eigene Ortsgeschichte für die nachkommenden Generationen aufzubereiten und zu bewahren, ist der Volkacher Stadtteil Eichfeld einen Schritt weiter gekommen.
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Eine Seite aus der Eichfelder Gerichtsordnung von 1651. Foto: Peter Pfannes
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Bei dem Ziel, die eigene Ortsgeschichte für die nachkommenden Generationen aufzubereiten und zu bewahren, ist der Volkacher Stadtteil Eichfeld einen Schritt weiter gekommen. Am Dienstag wurde die restaurierte Eichfelder Gerichtsordnung von 1651 im Sportheim der Bevölkerung präsentiert. Nach dem 2014 erneuerten Lehenbuch, dem ein Jahr später restaurierten Gemeindegerichtsbuch (zwei Bände) ist die Gerichtsordnung nun das vierte von insgesamt acht Bänden der örtlich niedergeschriebenen Historie.

Das Relikt vergangener Tage, das über Jahrzehnte hinweg im alten Rathaus und in der alten Schule schlummerte, findet nun im städtischen Archiv in Astheim einen festen Platz. Helmar Hartner, der sich zusammen mit "Dorfarchivar" Eckart Reppert für den Erhalt der Bücher einsetzte, berichtete vor etwa 30 Zuhörern vom einst schlechten Zustand der Gerichtsordnung. Ohne die genauen Zahlen der Kosten zu nennen "Der Wert der Restaurierung sind mehrere tausend Euro") sprach Hartner von einem "großen Aufwand". Er dankte der Stadt Volkach, die 50 Prozent der Kosten übernahm. Die Restsumme werde finanziert durch einen Zuschuss der Raiffeisenbank Volkach-Wiesentheid und durch die Einnahmen aus einer örtlichen Spendenaktion.

Der "tolle Anblick" des nun restaurierten Buches sei ein Verdienst von Buchbindermeister Norbert Menninger, der das Buch in Einzelteile zerlegte, um es auszubessern und neu zu binden. Dorfarchivar Eckart Reppert nahm zusammen mit Franz Josef Ziegler die Digitalisierung der Gerichtsordnung vor und fertigte von dem Ergebnis CDs. Stadtarchivarin Ute Feuerbach, die wegen einer Erkrankung nicht teilnehmen konnte, ließ die Anwesenden schriftlich wissen, dass der Erhalt der Geschichtsbücher eine große Freude sei und der Eichfelder Personenforschung nütze. Gerichts- und Polizeiordnungen für ein Dorf einer mindermächtigen Herrschaft seien wichtige Quellen für die Erforschung des Staatsbildungsprozesses.

So habe die Restaurierung des B4 (Buch 4, Alter Ledereinband, etwa 200 beschriebene Seiten) nicht nur Sinn für die Eichfelder Geschichtsforschung, sondern für die gesamte Geschichtsforschung der frühen Neuzeit. Ein Beispiel der Archivarin war die Polizeiordnung von Graf Johann Friedrich von Castell aus dem Jahre 1697. Dort wird von der Herrschaft festgelegt, was an der Kirchweih und zur Fastnacht in Eichfeld geschehen dürfe, aber auch wie Hochzeiten, Kindstaufen und Leichenbegräbnisse gefeiert werden dürfen. Bürgermeister Peter Kornell lobte die ehrenamtlich tätigen Initiatoren und ihre aufwändige Arbeit. So sei ein wertvolles Werk für die Heimatforschung erhalten geblieben.

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