Mit würdevoll erhobener Hand grüßte das "Fürstenpaar" beim Kirchweihumzug in Rüdenhausen am Sonntag von der Kutsche. Kunstvolle Perücken auf dem Kopf und in Samt gewandet waren sie ein wahrer Blickfang. "Das war schon etwas besonderes", erklärte das Paar, als es zur Kirchweihpredigt im Schlosspark von der Kutsche stieg. Jessica Ackermann und Marco Sinn hatten Gräfin Catharina Hedwig und Graf Johann Friedrich zu Castell-Rüdenhausen verkörpert. Diese hatten den Kirchenbau vor 300 Jahren maßgeblich gefördert.

Keine Frage, dass das Paar beim Umzug zur 300-jährigen Jubiläumskirchweih nicht fehlen durfte. "Es war sehr ungewohnt, aber auch schön, in diese Rolle zu schlüpfen", verriet Jessica Ackermann. Beide Darsteller gehören zur Burschenschaft Rüdenhausen und haben sich diese Rolle ausgesucht. "Die Rollen bei den historischen Gruppen waren früher weg als auf den anderen Wagen", erklärte Tobias Maier, Vorsitzender der Burschenschaft.
Zum Jubiläum gab es nicht nur die Wagen, die lustige Begebenheiten aus dem Ortsgeschehen darstellten. In Zusammenarbeit mit dem Heimatverein gab es Fußgruppen und Wagen mit historischen Kostümen und Werkzeugen, die darstellten, wie es vor 300 Jahren auf der Baustelle zum Kirchenbau ausgesehen haben könnte. So war der Festzug fast doppelt so lang als in anderen Jahren.

Die Zusammenarbeit stimmte


Auch die Burschenschaften aus Castell und Wiesenbronn waren zum Jubiläumsumzug eingeladen worden. "Bis auf das Wetter war es ein fantastischer und gelungener Umzug und die Zusammenarbeit stimmte", zog Hans-Joachim Schierer, Vorsitzender des Heimatvereins, sein Fazit. Er hat, zusammen mit dem zweiten Vorsitzenden Joachim Sinn, die historischen Darsteller zusammengestellt. "Wir haben ermittelt, was zum Kirchenbau in dieser Zeit notwendig war", erklärt er die Vorgehensweise. So war nicht nur das fürstliche Paar im Umzug vertreten, sondern auch Zimmerer, Steinmetze, ein Wundarzt, ein Perückenmacher und Frauen, die die Handwerker auf der Baustelle mit Verpflegung versorgten. Und natürlich durfte der geistliche Beistand nicht fehlen.

In schwarzer Robe mit ausladendem weißen Kragen verkörperte Schierer selbst den damaligen Hofprediger Johann Abraham Markert. "Mir ist eigentlich ganz kurzfristig eingefallen, dass ich die Rolle nicht verteilt hatte", erklärte er. So schlüpfte er kurzfristig selbst in den historischen Aufzug.

Kostüme wurden ausgeliehen


Die Kostüme liehen sich die Organisatoren vom Kostümverleih der KOKAGE Wiesentheid, die historischen Werkzeuge wurden in Rüdenhausen zusammengesucht.
Doch natürlich gab es auch an dieser Kirchweih die üblichen Themenwagen. Da wurde beispielsweise gezeigt, wie eine alte Dame sich selbst aussperrte und kurzerhand zur Axt griff, um wieder ins Haus zu kommen. Amüsant auch das Missgeschick der Burschenschaft mit dem Maibaum. Der wurde im Wald von Ebersbrunn geholt. Während der Brotzeit blieb er aber unbewacht, so dass die Burschenschaft von Ebersbrunn die Spitze absägen konnte. "Und mir, mir sin echt riesen Affen, lassen drin die Bierli laffen. Als wir's gemerkt ham, ach du Schreck, warn die annern scho lang weg", erzählte Kirchweihprediger Sebastian Paul.
Mit einem Hoch auf die "Kerm" schloss er die Predigt: "Die Kerm ist einfach wunderbar und das genau 300 Jahr."