Dettelbach

Regisseur: "Ich bin auf Grenzerfahrungen aus"

Tobias Köhn leidet unter einer Angststörung. Dieser stellt er sich auf einer Reise im Jeep durch Afrika. Der Film, den er gedreht hat, ist eine außergewöhnliche Doku.
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Tobias Köhns Film "Ein Viertel der Welt - Vom Träumer zum Macher" läuft am 25. August um 11 Uhr im Cineworld-Kino in Dettelbach. Das Foto zeigt eine Szene aus dem Doku-Film. Foto: Tobias Köhn
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Ein halbes Jahr, von Mai bis November 2016, ist Tobias Köhn mit seinem kleinen, selbst ausgebauten Suzuki-Geländewagen durch das südliche Afrika gefahren. Der Film, den er darüber gedreht hat, " Ein Viertel der Welt – Vom Träumer zum Macher", ist mehr, als eine gewöhnliche Reisedokumentation. Der Regisseur und Abenteurer thematisiert darin eine Angststörung, unter der er leidet. Das Cineworld-Kino in Dettelbach zeigt den Film am Wochenende. Vorab erzählt der 27-Jährige aus Krefeld, wo er sich auf seiner Reise selbst überrascht hat und was er als Nächstes vorhat.

Frage: Warum haben Sie sich ausgerechnet Afrika als Reiseziel ausgesucht?

Tobias Köhn: Richtung Osten war ich schon auf einer Rallye unterwegs. In Südamerika waren auch schon einige. Ich wollte ganz individuell unterwegs sein. Dann war ich in Afrika – und habe festgestellt, dass dort auch ganz viele unterwegs sind. Aber das ließ sich dann nicht mehr ändern.

Hatten Sie vorher eine fixe Route im Kopf?

Köhn: Ich hatte tatsächlich einen Plan und wollte von Kapstadt bis Dubai durch Afrika fahren. Das hat sich schnell zerschlagen, weil ich dort auf einmal keine Tagesstrukturen mehr hatte. Ich traf einen anderen Reisenden, der schon sieben Jahre unterwegs war, einen Profi, der mir gezeigt hat, wie man es genießt, nicht so viel am Tag zu erledigen und das Leben auszukosten. Das habe ich dann auch gemacht. So war ich am Anfang zweieinhalb Monate allein in Südafrika, statt geplante sechs Wochen.

Was war denn ihr wichtigster Anlass für diese Reise?

Köhn: Das war diese Selbstfindungsgeschichte: herauszufinden, wer ich bin, wer ich sein und wie weit ich gehen kann, wenn mich keiner kontrolliert, wenn ich alles alleine mache und keinen Kritiker um mich herum habe, der alles schlecht redet. Das war, glaube ich, das Allerwichtigste. Das zeige ich im Film ganz gut auf.

An welchem Punkt haben Sie sich während Ihrer Reise am weitesten von ihrem früheren Leben entfernt?

Köhn: Es gab ein paar prekäre Momente. Einmal ist mir fast die Karre umgefallen. Ein andermal ist mir das Verteilergetriebe auseinander gefallen, in einer Umgebung, wo wir nicht genügend Wasser dabei hatten. Und da habe ich festgestellt, dass ich mich immer gefreut habe, wenn etwas Außergewöhnliches passiert ist und ich mich einer Herausforderung stellen konnte. Das ist etwas, was ich früher nie von mir gedacht hätte, dass ich auf Grenzerfahrungen aus bin.

Hat Sie diese Erkenntnis wirklich überrascht?

Köhn: Auf jeden Fall. Diese Stressbefreitheit, diese Ansicht von mir, dass es, egal wie aussichtslos es aussieht, immer irgendwie weitergeht ... diese Seite an mir habe ich vorher nicht gekannt.

Aus technischer Neugierde: Sie waren in Afrika allein, als Fahrer und Kameramann, im Auto unterwegs. Wie entstanden die Außenaufnahmen?

Köhn: Ich habe ganz oft das Stativ aufgestellt und bin vor und zurück gefahren. Einmal hatte ich einen Mitfahrer, der die Kamera gehalten hat. Und man trifft unterwegs immer Leute, die auch mal gefilmt haben.

Welches ist für Sie die bedeutendste Szene des Films?

Köhn: Das ist ja nicht nur ein Afrika-Film. Ich spreche je eine Viertelstunde vor und nach Afrika über meine persönlichen Gedanken, weshalb es mir wichtig war, diese Reise zu machen. Ich habe nämlich festgestellt, dass ich mehr persönliche Probleme hatte, als ich mir das vorher eingestanden hätte. Der Knackpunkt ist, dass ich eine Angststörung habe. Und wir haben es mit dem Film geschafft, jemandem, der noch nie etwas damit oder mit einer Depression zu tun hatte, verständlich zu machen, was das heißt. Die wichtigsten Szenen sind die, in denen ich das auflöse. Das ist sehr emotional. Da tritt der Afrika-Teil etwas in den Hintergrund.

Welche Pläne für weitere Reisen und Filme haben Sie?

Köhn: Ich möchte mit einem Buschflugzeug, einer Cessna 185, um die Welt fliegen. Dazu möchte ich den Pilotenschein machen. Und dann eine Serie produzieren – ein etwas ambitionierteres Projekt. Ich weiß, dass das utopisch und bekloppt klingt. Aber ich weiß auch, dass ich dafür eine Lösung finden werde.

Ihnen geht es dabei aber doch nicht nur ums Um-die Welt-Reisen, oder?

Köhn: Mit der Serie möchte ich Menschen, Konzepte und Ideen begleiten. Ich möchte herausfinden, wo wir als Menschheit stehen und wo wir hingehen können. Fortschrittliche Projekte zu besuchen, das wird das Ziel dieser Reise sein.

Der Doku-Film "Ein Viertel der Welt – Vom Träumer zum Macher" (116 Min., FSK 6) läuft im Cineworld Dettelbach am Sonntag, 25. August, um 11 Uhr. Im Anschluss ist Filmmacher Tobias Köhn offen für Gespräche mit dem Publikum.

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