Volkach

Race-Drones in Volkach: Formel 1 der Drohnen

Rennatmosphäre auf dem beschaulichen Modellflugplatz in den Weinbergen von Volkach (Lkr. Kitzingen). Denn Modellflieger Andreas Gaida lässt seine Drohne durch die Luft rasen und wirbeln.
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Andreas Gaida mit einer Renndrohne: Der Nordheimer gehört zu den Besten seines Sports. Foto: Thomas Obermeier
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Wo normalerweise Segelflugzeugmodelle langsam ihre Runden drehen, um Höhe zu gewinnen oder motorisierte Modelle Start- und Landeübungen machen, sind seit einiger Zeit noch ganz andere Fluggeräte in der Luft. Andreas Gaida, der Vorsitzende des Vereins "Modellbaufreunde Volkach"  hat den Rennsport mit Drohnen entdeckt. Mit Drohnen, die nicht mehr viel mit den bekannten unbemannten Multicoptern zu tun haben. Es sind "Race-Drones", die Formel Eins im Modellbausektor Drohne.

Über 150 km/h schnell, gut handtellergroß und etwa 500 Gramm schwer rasen sie kreuz und quer über den Modellflugplatz. Mit den Augen lassen sie sich kaum mehr verfolgen, blitzschnell tauchen sie auf und verschwinden schon wieder in die Höhe oder auf die Seite. Das einzige, was man wahrnimmt, ist ein lautes Sirren oder Kreischen - von den Elektromotoren.

Andreas Gaida, 35-jähriger Elektriker aus Nordheimer im Landkreis Kitzingen, zählt zu den besten 20 Piloten in Deutschland. Fast regungslos steht er am Platz und lässt das Fluggerät herumwirbeln. Über die Augen  hat er eine überdimensionale Videobrille geschallt, an seinem Bauch hängt die Steuerungseinheit, im Fliegerjargon "die Funke" genannt. Wie auf einem Musikinstrument springen die Finger hin und her, Gaidas Daumen drehen an den Steuerstiften. "Wir fliegen im sogenannten First Person View-Modus", erklärt der Pilot. Das bedeutet: Was eine hochleisutungsfähige winzige Kamera in der Drohne im 160 Grad-Winkel aufnimmt, wird sofort in die Videobrille übertragen. Ein Lifebild, eins zu eins. Damit hat der Pilot das Gefühl, selbst im Cockpit zu sitzen. Er spürt jede Bewegung seiner Maschine und muss in einer Hundertstel Sekunde darauf reagieren.

Andreas Gaida zeigt auf Youtube einen kompletten Wertungsdurchgang, der aus einer Drohne aufgenommen wurde. Hier kann man mitfliegen:

 

"Das ist das Wichtigste und Anspruchsvollste in diesem Sport", sagt Gaida. "Es geht alles brutal schnell. Der Kopf muss das verarbeiten und die Reaktionen an die Finger weitergeben." Rumms ! Plötzlich reist das sirrende Geräusch ab. Nach einem Looping kam die Drohne dem Boden zu nahe. Der Crash sieht schlimm aus, das Sportgerät landet auf dem Rücken. Der Pilot bleibt gelassen: "Durch ein besonderes Baumaterial, das Hartplastik ähnlich ist, bricht selten etwas ab."

"Jeder Gast, der da mitmacht, muss sich setzen."
Andreas Gaida über den Blick durch die Videobrille

Zum Beweis schaltet er auf den "Turtle-Modus", den Schildkröten-Gang: Zwei Motoren drehen sich ganz schnell und - schwupps - schleudert die Drohne vom Rücken auf den Bauch und kann wieder ganz normal starten. Zuschauer können übrigens durch eine zweite Videobrille das Geschehen - genau wie der Pilot - mitverfolgen. Ein Erlebnis: "Jeder Gast, der das mitmacht, muss sich setzen", sagt Gaida. "Es gibt etliche, denen es durch die gefilmten Flugmanöver schlecht oder schwindlig wird."

Wer die Rennrunden übersteht, wird  mit einem atemberaubenden Ausblick über die Volkacher Mainschleife belohnt, wenn der Pilot seine Maschine langsam hochsteigen lässt und über dem Main stehen bleibt. Mittlerweile ist ein weiterer Kollege auf dem Platz: Christian Schumpa aus Großlangheim hat einen Rennparcours, einen "Track", aufgebaut. Das sind quadratmetergroße Tore und hohe Fahnen, die um- oder durchflogen werden müssen. Ein schwieriges Element ist die "Holländische Acht": zwei nebeneinanderliegende Tore mit zwei Fahnenstangen. In Form einer Acht muss der Pilot diese Hindernisse mit der Drohne in zwei Ebenen umfliegen. Zuerst in Bodennähe, dann in etwa zwei Metern Höhe. Anschließend müssen die Tore durchflogen werden.

"Wer hier in der obersten Liga mitfliegen will, muss ständig trainieren", sagt Gaida, in Fliegerkreisen nur "Gaizi" genannt. Den Namen kennt jeder, der in der "Drone-Championship", dem höchsten deutschlandweiten Rennwettbewerb, mitfliegen will. Der Nordheimer trainiert fast jeden Tag. "Für mich ist das wie ein Rausch, es macht so endlos Spaß!" Sein Vater, früher auch Vorsitzender der Modelbaufreunde Volkach, hatte ihn schon als kleines Kind immer zum Club mitgenommen. "Hier habe ich alles gelernt. Vom Modellautofahren bis hin zum Fliegen mit Flächenflugzeugen und Hubschraubern."

Vor vier Jahren waren dann Gäste am Flugplatz, die Renndrohnen dabei hatten. Die erste Race-Copter-Szene hatte sich gebildet. "Mit der von heute nicht mehr vergleichbar", sagt Gaida. Doch das  Treffen hatte die Sehnsucht geweckt: Er wollte dabei sein, koste es, was es wolle! Das "normale" Fliegen habe ihn nicht mehr interessiert. Begierig Gaida alles auf, was mit dem "Drone Racing" zu tun hatte. Bis zur Anschaffung einer kompletten Drone–Rennausrüstung war es nicht mehr weit.

Seit zwei Jahren ist Gaida nun Mitglied im "Drone Racing Club KA-Nickel", der seinen Sitz in Karlsruhe hat. Der Rennpilot bewegt sich heute fast im professionellen Bereich, kann einen Teil seiner Kosten durch Sponsoring decken. Sein nächstes Ziel hat er fest vor  Augen: Der Name "Gaizi" soll in der Liste der Top Ten erscheinen.

Renndrohnen
Angetrieben wir die Drohne, die eine Größe von etwa 25 x 25 Zentimeter hat, von vier kleinen Elektromotoren mit Leistung von 2,5 kw. Von Null auf Hundert km/h ist damit das Fluggerät in einer Sekunde. Maximale Geschwindigkeit: 150 km/h.
Der Rahmen besteht aus Kohlefaser (CFK) und ist dadurch ziemlich bruchsicher. Im Wettkampfmodus reicht der Akku für gut zwei Minuten aus. Daher ist ein Renndurchgang auch nur auf zwei Minuten beschränkt. Eine Grundausrüstung (Fluggerät, Steuergerät, Akkus ) kostet circa 2000 Euro, ohne Grenzen nach oben.
Termintipp:  Am Wochenende 14./15. September findet in Stettfeld (Lkr. Haßberge) der nächste Wertungsdurchgang für die Drone-Championship statt, die von dem dortigen Club "Aircrusher" veranstaltet wird. 
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