IPHOFEN

Quittenbrot statt Gummibärchen

Mit Schokolade oder Gummibären konnte Krischan Cords nun gerade nicht dienen. Dafür hatte der Gartenbauingenieur vom Biolandhof Wittur in Untereisenheim etwas anderes im Angebot: Quittenbrot. Eine Süßigkeit aus Uromas Zeiten und inzwischen neu entdeckt wie die Quitte selbst. Produkte wie dieses waren die Attraktionen auf dem Bayern-Markt Natur in Iphofen, dem ersten seiner Art in Unterfranken.
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Tischlein deck dich: Die Flaschen mit Quittenwein und Quittensecco glänzen fast golden auf dem ersten unterfränkischen Bayern-Markt Natur in Iphofen. Foto: Foto: Eike Lenz

Mit Schokolade oder Gummibären konnte Krischan Cords nun gerade nicht dienen. Dafür hatte der Gartenbauingenieur vom Biolandhof Wittur in Untereisenheim etwas anderes im Angebot: Quittenbrot. Eine Süßigkeit aus Uromas Zeiten und inzwischen neu entdeckt wie die Quitte selbst. Produkte wie dieses waren die Attraktionen auf dem Bayern-Markt Natur in Iphofen, dem ersten seiner Art in Unterfranken.

14 Aussteller aus der Region boten am Samstag Erzeugnisse an, die eins gemeinsam hatten: ihre Herkunft. Wildpastete, Quittenwein, Schafsmilchseife: Sie alle stammen aus ausgewählten Naturschutzprojekten.

Mehr als 80 Quittensorten existieren in Franken, die meisten sind alte Sorten, sagt Experte Krischan Cords. Sein Chef Marius Wittur betreibt seit 2003 den zertifizierten Biolandhof in Untereisenheim. Auf sechs Hektar an der Mainschleife wachsen die gelben Früchtchen, nicht in Monokulturen, wie Cords sagt, sondern auf kleinen Parzellen an knorrigen Bäumen und Sträuchern.

Die Kulturen gehören zu den ältesten in Deutschland und stehen daher unter besonderem Schutz. Bis zu hundert Jahre alt sind die Bäume, die in den vier Kilometer langen Astheimer Quittenlehrpfad integriert sind. Die mineralstoffreichen Böden geben den Quitten ihr ganz besonderes Aroma.

„Der Anreiz ist, die alten und vom Aussterben bedrohten Quitten-Landsorten in der Landschaft zu erhalten und zu kultivieren“, sagt Gartenbauingenieur Cords. Die Früchte werden im Herbst von Hand geerntet und zu Wein, Secco oder Brand verarbeitet. Neu im Angebot ist der Quitten-Sherry, der fünf Jahre im Eichenfass reift. Von Winzern oder Privatleuten kauft der Biolandhof Quitten hinzu – und bezahlt dafür je nach Seltenheitswert bis zu 70 Euro für den Doppelzentner (100 Kilo). Die Regel sind um die fünf Euro.

Traditionelle Kulturgüter zu schützen und dabei die biologische Vielfalt zu bewahren – dieses Ziel haben sich auch die Europäische Union und die Regierung von Unterfranken auf ihre Fahnen geschrieben. Viele Millionen Euro investiert die EU jährlich unter der Chiffre „Life plus“ in ausgesuchte Naturschutzprojekte wie am Steigerwaldrand bei Iphofen. Dort ist nach knapp vier Jahren und mehr als einer Million Euro Fördermittel das Projekt nahezu abgeschlossen. Kernelement dort ist der 365 Hektar große Mittelwald, der Heimat seltener Tiere und Pflanzen ist.

Die Produkte aus den Naturschutzgebieten sichern Regional-Erzeugern wie Quittenbauer Marius Wittur oder dem Bio-Landwirt Gerhard Heubach aus Mönchsondheim nicht nur eine solide Existenzgrundlage, sondern sie helfen nach Ansicht des bayerischen Umweltministeriums auch dabei, die heimische Tier- und Pflanzenwelt zu erhalten. „In Unterfranken engagieren sich zahllose Akteure in kleinen und großen Naturschutzprojekten“, heißt es in einer Infobroschüre zum Bayern-Markt. „Sie leisten bedeutende Beiträge zum Erhalt der biologischen Vielfalt.“ Der große Ansturm auf Eier, Nudeln, Käse, Honig oder Wurst vom Eichelschwein blieb am Samstag zwar aus, doch das Konzept muss sich wohl erst herumsprechen.

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