Feuerbach
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Wie Harry Potter: In Feuerbach wird Quidditch gespielt

Quidditch ist eigentlich eine fiktive Sportart aus den Harry-Potter-Büchern. Im unterfränkischen Feuerbach wird Quidditch tatsächlich gespielt.
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Mit dem Besen zwischen den Beinen sind die "Broom Breakers" aus Feuerbach auf der Jagd nach dem goldenen Schnatz. Fotos: Ronald Rinklef
Mit dem Besen zwischen den Beinen sind die "Broom Breakers" aus Feuerbach auf der Jagd nach dem goldenen Schnatz. Fotos: Ronald Rinklef
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"Brooms up!", ertönt es über die Koppel des Reiterhofs Bartel in Feuerbach. Links und rechts schwingen sich Leute auf einen Besen und rennen aufeinander zu. Das Ziel: vier Bälle in der Mitte des Spielfeldes. Im ersten Moment traut man seinen Augen kaum. Da stehen Menschen in Trikots auf einem Spielfeld und haben einen Besen zwischen ihren Beinen. Ja richtig gehört, einen Besen. Eigentlich kennt man diese Szenerie nur aus den Harry-Potter-Filmen. Sollte man zumindest meinen. Doch der Fantasie-Sport ist schon lange in der Realität angekommen.





Ohne die genauen Regeln zu kennen, wirkt das Ganze anfangs ziemlich chaotisch. Von jeder Mannschaft stehen sechs Spieler auf dem Feld, alle mit verschiedenfarbigen Stirnbändern ausgerüstet. Während sich die Jäger mit den weißen Stirnbändern einen Volleyball, den sogenannten Quaffel, zuwerfen und versuchen, die gegnerischen Tor-Ringe zu treffen, werfen die Treiber mit den schwarzen Bändern mit sogenannten Dodgebällen die Spieler aus der anderen Mannschaft ab. Und dann gibt es noch zwei Hüter mit grünen Bändern: Diese Spieler stehen vor den eigenen Tor-Ringen und versuchen Tore zu verhindern. Denn jedes Tor bringt zehn Punkte.

Nach 17 Minuten kommt dann ein neutraler Spieler mit gelber Hose ins Spiel. Am Hosenbund ist ein Tennisball in einer Socke befestigt - der sogenannte Schnatz. Er ist das Objekt der Begierde der beiden Sucher, die gelbe Stirnbänder tragen. Der Schnatz ist 30 Punkte wert und beendet das Spiel. Die Mannschaft mit den meisten Punkten gewinnt. Doch im Gegensatz zu den Regeln in den Harry-Potter-Büchern, gewinnt nicht automatisch die Mannschaft, die den Schnatz fängt. Auch die davor geworfenen Tore können ausschlaggebend sein.

Ungefährlich sieht das Ganze nicht aus. Und ist es auch nicht. Schon nach dem ersten Match muss ein Spieler wegen einer Verletzung kurz aussetzen. "Quidditch ist ein Vollkontaktsport. Eine Mischung aus Handball, Rugby und Dodgeball", erklärt Christian Riel, Kapitän und Gründer der "Broom Breakers" - zu deutsch Besenbrecher. Die einzige unterfränkische Quidditch-Mannschaft. Angst vor Körperkontakt darf man bei diesem Spiel definitiv nicht haben. Es wird "getackelt" bis der Gegenspieler am Boden liegt.


Vom Buch in die Realität

Doch wie kommt man auf die Idee eine Sportart aus einem Fantasy-Buch in die Realität zu holen? "Als ich letzten Sommer in den USA war, habe ich mitbekommen, dass sie es an vielen Colleges spielen und auch an Highschools. Und da dachte ich mir, dass muss es ja in Deutschland auch geben", meint Christian Riel. Bei seiner Suche im Internet ist er dann auf den Deutschen Quidditchbund gestoßen, der ihn ermutigte eine eigene Mannschaft zu gründen. Und das hat der Lehramtsstudent Anfang diesen Jahres dann auch gemacht. "Am Anfang habe ich meine Freunde gezwungen mitzumachen", sagt Riel und lacht. Ein paar seien dabei geblieben, andere seien wieder gegangen. Nach und nach kamen immer mehr dazu. Mittlerweile bestehen die "Broom Breakers" aus 23 Mitgliedern - Männer und Frauen gemischt. Eine Besonderheit bei den Vollkontaktsportarten.

Doch was die Anzahl der Quidditch-Mannschaften angeht, liegt Deutschland im weltweiten Vergleich relativ weit hinten. Die nächsten Gegner der "Broom Breakers" sind in Frankfurt, Darmstadt und Passau. Noch gibt es nicht allzu viele Mannschaften. Ganz anders sieht das jedoch in den USA und Australien aus. Dort boomt der Sport. Christian Riel weiß auch warum: "Dort wird Quidditch an den Unis gefördert. Dafür kann man sogar ein Stipendium bekommen." Die "Broom Breakers" sind wahre Babys im Quidditch-Sport - wie Christian Riel es so schön nennt. Erst im Januar hat er die Mannschaft gegründet, doch immer öfters werden sie zu Wettkämpfen, sogenannten Cups, eingeladen. Egal ob Schwarzwald, Wien oder Paris - alle sind im Quidditch-Fieber. Bei den Cups messen sich die Mannschaften und schauen, wo sie im internationalen Vergleich stehen.

Im Januar startet dann auch die Quidditch-Bundesliga wieder. Die Lizenz haben sich die "Broom Breakers" bereits im April erworben. Dann mischen sie im Kampf mit sechs weiteren Mannschaften, um den deutschen Meistertitel, mit. Und welches Ziel haben sich die Kitzinger gesetzt? "Wir wollen einfach nicht vernichtet werden", meint Riel. Chancen auf den Sieg sieht er noch nicht. Etwas mithalten würde er schon gerne. "Dafür müssen wir noch aggressiver spielen wie die anderen Mannschaften", meint Riel. Bis dahin heißt es im Training wohl noch so einige Male "Brooms up", damit die Mannschaft auch wirklich gut vorbereitet ist.
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