Bei 1,6 Promille kann man schon mal einige seiner Erinnerungen verlieren. In diesem Fall sollte man beim Rekapitulieren der Ereignisse allerdings vorsichtig sein. Vor allem vor Gericht.
Ein 19-Jähriger wurde brutal zusammengeschlagen - Schädelprellung, Hämatome im Gesicht und eine Delle im Jochbein waren die Folgen. Kein Wunder, dass er dafür jemanden zur Rechenschaft ziehen will. Aus der Anzeige gegen unbekannt wurde später eine Anzeige gegen drei Verdächtige.
Der Polizist, der die Ermittlungen führte, ließ Tafeln mit Lichtbildern erstellen. Der Geschädigte hat darauf zwei angebliche Täter wiedererkannt. Später ist ein weiterer Name aufgetaucht und somit saßen in diesem Verfahren drei Menschen auf der Anklagebank - Rechtsanwälte ausgeschlossen.
Am 27. August 2011 war der 19-Jährige mit einem Freund in einer Disco feiern und hat es mit Alkohol wohl etwas übertrieben. Ein Zeuge berichtet, er hätte alle möglichen Leute in seiner Nähe "angepöbelt", auch einen der Angeklagten. Der Geschädigte weiß davon nichts mehr.
Er erinnert sich an eine Situation, in der seinem Freund von einem flüchtigen Bekannten der beiden die Brille weggenommen wurde. "Mach keinen Scheiß und gib die Brille zurück", verteidigte er seinen Freund. Erst lautete die Antwort nein, doch nach erneuter Aufforderung gab der Bekannte die Brille zurück. Plötzlich hätte den 19-Jährigen einer der Angeklagten am Hals gepackt, an die Wand gedrückt und gefragt, was er denn für ein Problem habe. Er habe von alleine wieder los gelassen. Der 19-Jährige sei zu einem Barkeeper gegangen, der dann die Security rief. Anschließend sollen ihn zwei Security Leute zusammen mit dem Angeklagten rausgeworfen haben.
Der Angeklagte streitet alles ab, er hätte von all dem nichts mitbekommen. Vor Gericht ist einer der Securitys Zeuge und bestätigt den Angeklagten: "Ich habe den Geschädigten alleine rausgeworfen und zwar nur den Geschädigten."

Verwirrung vor Gericht


Das ist nicht der einzige Punkt, der das Gericht verwirrte. Der 19-Jährige sagte außerdem aus, die Angeklagten hätten ihn draußen in einer Menschentraube vor der Disco geschubst und auf ihn eingeschlagen. Einer der Angeklagten hätte ein schwarzes Tanktop getragen, auf ihm gesessen und in seine linke Gesichtshälfte geschlagen. Er hat den Täter erkannt - doch dieser streitet vor Gericht alles ab.
"Ich habe an dem Abend ein schwarzes T-Shirt mit weißem Aufdruck getragen, davon gibt es Bilder im Internet." Außerdem erklärt er, er sei Linkshänder und hätte sich den Arm verrenken müssen, um den 19-Jährigen links ins Gesicht zu schlagen. Außerdem ist dieser Angeklagte ein Bekannter der beiden anderen Angeklagten und weiterer Zeugen. An diesem Abend wäre er weder drinnen noch draußen von jemandem gesehen worden.
Der Geschädigte ist sich bei einem der weiteren Angeklagten absolut sicher, den richtigen erkannt zu haben. "Das war der, der mich drinnen am Hals gepackt hat und draußen kam der erste Schlag von ihm", erzählt er. In Erinnerung behalten hätte er die Glatze, ungefähre Größe und das helle Hemd des Angeklagten. Zeugen, die mit diesem Angeklagten unterwegs waren, können auch diesem Vorwurf nicht zustimmen: "Er stand ein paar Meter weiter weg und hat zugeschaut. Als wir gegangen sind, war keiner in der Nähe verletzt oder voller Blut."
Bleibt noch der dritte Angeklagte. Der 19-Jährige erinnerte sich nicht, ob er ihm etwas angetan hat, behauptete aber vor Gericht: "Er war sicher dabei und hat mitgemischt. Ob er getreten oder geschlagen hat, weiß ich nicht mehr." Doch auch dieser Angeklagte hatte nach Aussage von Zeugen kaum etwas mit der Schlägerei zu tun gehabt: "Wir wollten an der Menschentraube vorbeilaufen, dann kam auf einmal der Geschädigte auf ihn zu und die beiden sind zusammen hingefallen", erklärt die Freundin des Angeklagten. Sie hatte den Eindruck, der 19-Jährige wollte ihren Freund schlagen und hat dabei das Gleichgewicht verloren. Danach wären beide recht schnell wieder aufgestanden und der Angeklagte wäre sofort in Richtung Burger King weggegangen.
"Dass sie verprügelt wurden ist nicht lustig, aber es ist auch nicht lustig, wenn jemand dafür bestraft wird, der es nicht war," wiederholte Rechtsanwalt Gerhard Beck mehrmals. Er habe Verständnis dafür, dass jemand dafür zur Rechenschaft gezogen werden soll. Dennoch müsse die Frage erlaubt sein, ob er die richtigen als Täter beschuldigt. "Ja ich bin mir absolut sicher," antwortete der 19-Jährige.
Die Frage, wer den Geschädigten so brutal verprügelt hat, bleibt ungeklärt. Ein Kumpel des 19-Jährigen hätte alles gesehen, doch der war bei der Verhandlung nicht anwesend. Die Staatsanwaltschaft will ohne diesen Zeugen kein Urteil zulassen. Also beschloss Richter Marc Betz, die Verhandlung auf den
8. Mai zu verschieben.