PRICHSENSTADT

Prichsenstadt Classics: Das Schaulaufen der alterndenden Schönheiten

Von Oldtimern regelrecht überrollt und von Besuchern überrannt wurde am Sonntag Prichsenstadt.
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Schaulaufen der alternden Schönheiten: Regelrecht überrollt von Oldtimern wurde Prichsenstadt beim Oldtimertreffen statt. Foto: Foto: RALF WEISKOPF

Von Oldtimern regelrecht überrollt und von Besuchern überrannt wurde am Sonntag Prichsenstadt.

Dort fand zum sechsten Mal das Oldtimertreffen „Prichsenstadt Classics“ statt. Bereits am Samstag waren laut Organisator Hermann Beetz die ersten Teilnehmer mit ihren mobilen Schätzen angereist und am Sonntag bildete sich vor dem Tor zur Altstadt sogar zeitweise Staus.

Die besten Plätze innerhalb der historischen Stadtmauern waren schnell belegt und in den Gassen reihte sich Oldtimer an Oldtimer und Youngtimer an Youngtimer, wie die Fahrzeuge aus der Zeit des deutschen Wirtschaftswunders genannt werden. Autos und Fahrer waren aus dem ganzen Bundesgebiet gekommen.

Bereits gegen Mittag mussten auf einer Wiese zusätzlich Stellplätze geschaffen werden um dem Ansturm gerecht zu werden. Knapp 200 Teilnehmer hatten sich bis dahin ordnungsgemäß angemeldet, fast genau soviele dürften es gewesen sein, die auf eine Einschreibung verzichteten und sich, einfach so, mit ihren Fahrzeugen auf einen der freien Plätze stellten.

Die „Classics“ wurden zu einem beeindruckenden Schaulaufen alternder Schönheiten. Zu sehen war so ziemlich alles, was auf dem Weltmarkt der Automobile Rang und Namen hat oder einmal hatte. Bullige Ami-Schlitten der Marken Buick, Oldsmobile oder Chevrolet, handgefertigte Edelkarossen der Marke Rolls-Royce, elegante Italiener aus den Häusern, Ferrari, Lancia und Fiat, Raritäten wie ein mit V8 Motor auf 400 PS aufgemotzter Lloyd Alexander, Sportwagen wie der legendäre Opel GT, Mercedes SL, Jaguar E-Types oder ein Skoda Cabrio.

Mit dabei war das erste Massenauto, der amerikanische Ford T 4, aber auch zahlreiche Autos aus deutscher Fließbandfertigung, wie Opel Rekord, Kadett, Diplomat, Admiral oder Kapitän, der „Badewannen“ Ford, VW-Käfer, längst untergegangene Marken wie Borgward, DKW oder NSU dazu verschiedene Mercedeslimousinen, aber auch Goggos, Topolinos oder ein Gutbrod Tranporter waren darunter.

Kaum einer der ehemaligen Besitzer hätte sich je träumen lassen, dass diese Autos, von denen die Meisten irgendwan in der Schrottpresse landeten, einmal einen Marktwert bekommen würden, der weit über dem damaligen Kaufpreis liegt, geschweige denn, dass eine ehemals „alte Karre“ heute Kultstatus genießt. Kultstatus deswegen, weil Oldtimer sammeln inzwischen zu einem Phänomen geworden ist, immer mehr Menschen sich von den lack- und chromglänzenden Fahrzeugen angezogen fühlen und sich dafür begeistern.

Für die Einen sind die alten Autos, in einer Zeit in der Banken nur noch mickerige Zinsen zahlen und der Euro unsicheren Zeiten entgegen sieht, eine Geldanlage, für die Anderen ein Stück Erinnerung an eine Zeit als „alles besser war“ und für Wirtschaft und Arbeitsmarkt die Signale scheinbar auf Dauerwachstum standen. Viele verbinden, vor allem mit den Youngtimern, persönliche Erinnerungen an ihr erstes Auto, oder die erste Urlaubsreise nach Italien an den Teutonengrill bei Bibione oder Jesolo. Es sind Erinnerungen, mit denen Museen, die Altertümer aus grauer Vorzeit präsentieren, niemals werden konkurrieren können.

In Prichsenstadt kommt dazu, dass die mobilen Schätze eine ideale Symbiose mit der mittelalterlichen Kulisse eingehen und die Gastronomie, nicht nur gut gerüstet, sondern auch hautnah am Ort des Geschehens präsent ist.

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