Prichsenstadt

Prichsenstadt: 30 Bauplätze wie aus heiterem Himmel

Ungläubiges Kopfschütteln im Prichsenstädter Stadtrat: Wie aus dem Nichts tauchen in Laub und Stadelschwarzach schon längst genehmigte Bauplätze auf.
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Baugebiet Ertläcker/Dorfäcker II in Laub: Laut Plan hätte das Baugebiet bis zur Straße im Vordergrund reichen sollen. Jetzt wird auch der Rest des Gebietes erschlossen. Foto: Guido Chuleck
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Wie aus heiterem Himmel sind dem Stadtrat Prichsenstadt 30 Bauplätze in den Schoss gefallen: 18 im bewohnten, aber nur halbfertigem Baugebiet Ertläcker/Dorfäcker II in Laub und zwölf im Baugebiet Gehäg in Stadelschwarzach, letztere nur als grobe Planung. Mit jeweils 14:0 Stimmen legte der Stadtrat am Donnerstagabend fest, den Rest von Ertläcker/Dorfäcker II fertig zu erschließen und die Planung für Gehäg wieder aufzunehmen. Die jeweils notwendigen Haushaltsmittel, so Bürgermeister René Schlehr, nimmt Kämmerer Marco Kölln in der Finanzplanung 2019/20 auf.

Wut und Ungläubigkeit im Stadtrat

Was auf den ersten Blick wie ein Wunder wirkt, sorgte im Stadtrat für eine Mischung aus Ungläubigkeit und Wut. Ungläubigkeit darüber, dass eben jene 30 Bauplätze vorhanden sind und sich niemand erklären konnte, warum ein Baugebiet nur zur Hälfte erschlossen und ein anderes nicht fertig geplant wurde. Wut darüber, weil Schlehrs Amtsvorgänger Adolf Falkenstein noch in der jüngsten Bürgerversammlung den amtierenden Rat heftig attackiert hatte wegen "Fehlens von Bauland". "Wie kann ich mich in einer Bürgerversammlung vorne hinstellen und uns angreifen für Dinge, die in meiner Amtszeit geschehen sind und an die ich mich doch eigentlich erinnern müsste?", fasste ein fassungsloser Stefan Deppisch die Stimmung im Rat zusammen.

Fakt ist, dass das Baugebiet in Laub nur zur Hälfte bebaut ist, was Schlehr als "völlig unüblich" bezeichnete. Aktuell liegen auf seinem Schreibtisch acht konkrete Anfragen für Bauplätze in Laub, 18 könnten nun erschlossen werden. "Das ist zwar mehr als wir jetzt brauchen, aber dann ist das Baugebiet fertig erschlossen", sagte Schlehr. Einen schriftlichen Nachweis, warum das Baugebiet nur halb erschlossen wurde, konnte er trotz intensiver Recherche in den Akten nicht finden.

Ebenso wenig fand Schlehr irgendwelche Belege dafür, warum das Baugebiet Gehäg neben dem Fußballplatz der DJK Stadelschwarzach nur geplant ist. "Das einzige, was ich gefunden habe, war eine Notiz über ein Gespräch mit Falkenstein und dem damaligen Vorsitzenden der DJK. Thema war der Lärmschutz, denn das Baugebiet grenzt direkt an den Parkplatz und somit auch das Vereinsheim der DJK. "Dann ist absolut nichts mehr zu finden", sagt Schlehr.

Spur verliert sich

Ein Hinweis findet sich in der Main-Post vom 25. Januar 2008 , als Falkenstein im Stadtrat von 336 000 Euro Erschließungskosten gesprochen hatte. Einen weiteren Hinweis lieferte Stadtrat Helmut Happel: "Wir hatten damals einige Bauplätze, und erst wenn die verkauft waren, sollten neue entstehen." Ansonsten verliert sich die Spur des Baugebietes. Und warum während der Amtszeit Falkensteins ein Baugebiet nur zur Hälfte erschlossen wurde, hätte Ratsmitglied Fabian Uhl schon gern überprüft. "Da muss man den Herrn Falkenstein schon selber fragen", entgegnete Schlehr.

Nichtsdestotrotz krempelt der Stadtrat dank des "warmen Regens an Baugebieten" jetzt die Ärmel hoch. Der Plan Ertläcker/Dorfäcker II ist bereits genehmigt, nun beschloss der Rat, so schnell wie möglich die Erschließung voranzutreiben.

Geld wurde in den Sand gesetzt

In Stadelschwarzach "fangen wir wieder bei null an, denn der damalige Plan lässt sich heutzutage nicht mehr umsetzen", erklärte der Bürgermeister und sprach von gut 30 000 Euro Planungskosten. Dazu hatte Helmut Hümmer einen interessanten Einwand: Auf der gegenüberliegenden Straßenseite sei bereits Bebauung vorhanden, "man könnte doch erstmal entlang der Straße Bauplätze erschließen, zumal Wasser und Kanal ja vorhanden sind". Ein Umstand, den der Bürgermeister auch überprüfen lassen will. Weil das alte Schallschutzgutachten überholt sein dürfte – "Auch Geld, das in den Sand gesetzt wurde", so Bürgermeister René Schlehr – wird es wohl ein neues geben müssen.

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