Am Freitag jährte er sich zum 125 Mal, der Tag, an dem Arbeitnehmer begannen, für ihre Rechte einzutreten und für kürzere Arbeitszeiten und unzumutbare Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Damals ging es in den USA und in vielen Städten Europas um die Sechtstage-Woche und den Achtstunden-Tag. Es war das Geburtsjahr des Tages der Arbeit, der bis heute weltweit von Gewerkschaftern begangen wird.

„Der Tag der Arbeit gehört nicht in ein Industriemuseum, sondern ist so wichtig wie eh und je.“
Hans Beer IG Bau, Agrar, Umwelt

In Kitzingen versammelten sich am Freitag rund 80 Gewerkschafter zur Maifeier im Bayernheim. Mit dabei Oberbürgermeister Siegfried Müller, Bürgermeister Klaus Heisel Stadträtin Elvira Kahnt und der stellvertretende Landrat Robert Finster. Rund die Hälfte der Teilnehmer, meist Mitglieder der Betriebsräte der großen Kitzinger Industriebetriebe, war vom Marktplatz zum Veranstaltungsort gezogen. Dort wurden sie traditionell von den Klängen der Knauf-Bergmannskapelle begrüßt.

DGB-Kreisvorsitzender Sebastian Braun nannte den seit Januar geltenden Mindestlohn einen Segen für viele Arbeitnehmer. Die von Arbeitgebern und Politikern geübte Kritik am bürokratischen Aufwand wies Braun zurück. Das Motto des Tages der Arbeit lautete heuer, „Die Arbeit der Zukunft gestalten“. Festredner war der Regionalvorsitzende Franken der IG Bauen, Agrar, Umwelt, Hans Beer. Der Oberpfälzer beschränkte sich allerdings nicht auf die Arbeit der Zukunft, sondern beackerte ein breites Feld, beginnend beim Mindestlohn über die Rente nach 45 Beitragsjahren, die Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze, bis hin zu den Tarifverhandlungen für die Erzieherinnen oder Gebäudereiniger. Beer kritisierte die geheimen Verhandlungen über das Freihandelsabkommen TTIP. Er forderte einen fairen und anständigen Umgang mit Flüchtlingen.

Der Mindestlohn sei eine gute Sache, die weiterentwickelt werden müsse, so Beer. Kritikern an dem angeblichen Bürokratiemonster schrieb Beer ins Stammbuch, dass es seit 1946 Stempelkarten und Lohnaufzeichnungen gebe. Die Aufzeichnungspflicht bestehe seit 50 Jahren, nur habe sie bisher keinen interessiert. Beers Fazit: „Der Tag der Arbeit gehört nicht in ein Industriemuseum, sondern ist so wichtig wie eh und je.“

OB Müller erinnerte an den Tag der Arbeit vor einem Jahr. Damals sei man nicht so entspannt hier gesessen, da das Thema Fehrer ganz oben auf der Tagesordnung stand. Müller erinnerte an die Demonstrationen und zahlreichen Gespräche. Fehrer stehe heute wieder gut da und er wolle allen danken, die dazu ihren Beitrag geleistet haben. Die Situation im Landkreis sei gut. Es habe gute Tarifabschlüsse gegeben und dank Mindestlohn stünden viele Menschen besser da, die meisten Schulabgänger fänden einen Arbeitsplatz, so der OB. Dennoch bestehe Handlungsbedarf, denn nicht jedem reiche ein Lohn zum Leben. „Politik muss den Menschen dienen“, so Robert Finster. Er warnte davor, Themen wie Globalisierung, Digitalisierung, Industrie 4.0, die demographische Entwicklung, ständige Erreichbarkeit und die nahezu perfekte Überwachung von Produktionsprozessen einfach hinzunehmen. „Der Mensch wird dabei behandelt, wie der Ressourcen- und Energieverbrauch“, so Finster. Menschlichkeit drohe auf der Strecke zu bleiben.