Kitzingen

Polen-Grab auf dem Neuen Friedhof wurde restauriert

Ein auf dem Neuen Friedhof gelegenes Sammelgrab mit polnischen Staatsbürgern ist ebenso weitgehend unbekannt wie seine Geschichte. Es wurde nun instand gesetzt und einer Delegation aus der Partnerstadt vorgestellt.
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Am restaurierten Polen-Grab im Neuen Friedhof gedachten (von links) Alt-OB Bernd Moser (Freundeskreis), Dekan Hanspeter Kern, Claus Lux (Freundeskreis), Bürgermeister Marek Dlugozima (Trebnitz), Übersetzer Daniel Buczak, OB Siegfried Müller und Gerhard Bauer (Reservisten) der Toten. Foto: RK Kitzingen

Ein auf dem Neuen Friedhof gelegenes Sammelgrab mit polnischen Staatsbürgern ist ebenso weitgehend unbekannt wie seine Geschichte. Es wurde nun instand gesetzt und einer Delegation aus der Partnerstadt vorgestellt.

Die Stadt nahm den Besuch aus Trebnitz zum Anlass, das kürzlich renovierte Grab vorzustellen, dessen Geschichte Gerhard Bauer von der Reservistenkameradschaft Kitzingen erklärte. Das Grab entstand zwischen dem 5. August 1945 und dem 2. Januar 1947, als fünf junge Männer aus Polen in Kitzingen auf tragische Weise ums Leben kamen. Einer von ihnen wurde in Frankfurt/Main bestattet, wie auf dem Grabstein vermerkt ist. Die Oberbürgermeister der Stadt sorgten bisher für das dauernde Ruherecht, wie es bei Kriegstoten international üblich ist.

Die Grabstelle wenige Meter neben dem Totenhain mit den Toten vom 23. Februar 1945 wurde 1946 von der 4000 MCW Guard Company unter Captain Wlazlaw Jurowski gekauft und angelegt. Die Einheit bestand überwiegend aus ehemaligen polnischen Soldaten in amerikanischen Diensten, die zum Kriegsende entlassen worden waren. Ihre Aufgabe war, das große Militärmateriallager zwischen der ehemaligen Flakkaserne und Kaltensondheim/Erlach zu bewachen.

Nach dem Krieg brachte die US-Army Kriegsmaterial aller Art aus dem gesamten süddeutschen Raum auf dem Schienenweg nach Kitzingen, um es auf dem Main nach Rotterdam und weiter in die USA zu verschiffen. Die Hafenbahn wurde dazu eigens mit mehreren Schienensträngen ausgestattet, zwei Rangierlokomotiven besorgten den pausenlosen Transport zwischen Bahnhof und Hafen und brachten leere Wagen zurück. Panzer, Geschütze und Munition wurden sofort verladen, unbewaffnete Fahrzeuge hingegen zwischengelagert abgestellt. Für die Wache waren Doppelstreifen mit je einem amerikanischen Soldaten und einem polnischen Wachmann zuständig.

Im Zuge der Instandsetzung des Totenhains erfuhren die Kitzinger Reservisten von dem Polengrab und recherchierten dessen weitgehend unbekannte Geschichte. Am 5. August 1945 suchte Wladyslaw Matula (geboren 14. Februar 1920 in Lanckorona) Abkühlung im Main und ertrank. Zur Jahreswende am 2. Januar 1946 kam es auf dem Kasernengelände zu einem tragischen Wachunfall, bei dem Edward Lipiec ums Leben kam. Nicht belegt ist die Kenntnis von Zeitzeugen, dass er versehentlich von einem Kameraden erschossen wurde. Ganz ähnlich muss Antoni Citak (24. Februar 1947 in Barcice/Kreis Nowy Sacz) ums Leben gekommen sein. Von ihm ist lediglich verzeichnet, dass er am 2. April 1946 auf dem ehemaligen Kasernengelände der Flak auf tragische Weise sein Leben verlor. Um einen Badeunfall handelte es sich bei Feliks Pozarlik (10. Mai 1926 in Czestochowie), der bei einem Sprung vom noch stehenden Brückenbogen der Gerolzhöfer Eisenbahnbrücke in den Main auf von oben nicht sichtbare Trümmer fiel.

Nicht im Grab befindet sich der Angehörige der Wacheinheit Stanislaw Krakowiak (1.4.1923 in Meniowie), der wahrscheinlich zu einem Wacheinsatz nach Frankfurt/Main abgestellt war und dort ums Leben kam. Auf welche Weise und weshalb sein Name auf dem Grabstein steht, ist nicht mehr zu klären.

Ob das Schicksal der Toten in Polen bekannt ist, konnten die Reservisten nicht klären. Wie Bauer ausführte wurde die polnische Botschaft mit den Daten ebenso angeschrieben wie das Internationale Rote Kreuz, denen aber die Mitteilungen über den Verbleib der polnischen Staatsbürger keine Antwort wert war.

Die Anregung zur Instandsetzung des Polengrabes fand im Frühjahr statt, die Kosten teilten sich die Stadt Kitzingen und der Freundeskreis der Partnerstädte je zur Hälfte. Bürgermeister Marek Dlugozima aus Trebnitz begrüßte die Instandsetzung und das Gedenken und legte gemeinsam mit OB Siegfried Müller namens beider Städte einen Kranz nieder. Dekan Hanspeter Kern sprach ein Gebet.

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