KITZINGEN

Pinke Federn für Peter Kuhn

Entspannt sitzt der Römer auf einer Steinbank, beißt in sein Käsebrötchen und genießt den Moment der Ruhe. „Alles bereit?“, ruft es aus dem Hinterzimmer. Schon wird das Gesicht ein letztes Mal gepudert, das Essen beiseite gelegt und die Toga zurechtgerückt – dann laufen die Kameras.
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Unter Beobachtung: Dorit Schatz achtet auf Details. Foto: meike rost
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Entspannt sitzt der Römer auf einer Steinbank, beißt in sein Käsebrötchen und genießt den Moment der Ruhe. „Alles bereit?“, ruft es aus dem Hinterzimmer. Schon wird das Gesicht ein letztes Mal gepudert, das Essen beiseite gelegt und die Toga zurechtgerückt – dann laufen die Kameras.

„Wir erzählen die Geschichte der Fastnacht“, erklärt Regisseurin Dorit Schatz vom Bayerischen Rundfunk. Die Autorin hat vor zwei Jahren das Buch „Fastnacht in Franken“ herausgegeben und kennt sich mit der Thematik bestens aus. Acht Tage lang dreht sie mit ihrem Team vom Studio Franken nun im Deutschen Fastnachtmuseum.

„Die Fastnacht ist das älteste Volksfest der Welt“, betont Peter Kuhn. Der Büttenredner der Schwarzen Elf Schweinfurt ist einer der beiden Hauptakteure in dem Film und schlüpft für die Reisen durch die verschiedenen Epochen in so allerhand Kostüme. Heute ist das Römergewand seine Verkleidung, zuvor durfte er ein langes Paillettenkleid und eine pinke Federboa tragen. „Und darin bin ich gelaufen“, sagt der 50-Jährige und zeigt stolz auf die knallroten Stöckelschuhe.

In Momenten wie diesen wird das Motto des Narrenfestes deutlich. „Es geht um eine verkehrte Welt und eine Auszeit vom Alltag“, erklärt Regisseurin Schatz. „Götter, Narren und Konfetti“ soll den Werdegang der Fastnacht in Deutschland aufzeigen. Einen Anspruch auf vollkommene Richtigkeit gibt es nicht.

Worte wie „vielleicht“ und „vermutlich“ sind im Drehbuch stark vertreten, denn „oft kann man die Herkunft bestimmter Traditionen nicht bestimmen“, erklärt Schatz. So gebe es beispielsweise tausende verschiedene Versionen, woher der Ausruf „Helau“ ursprünglich stamme.

Leicht sei dagegen die Wahl des Drehorts gefallen, denn das Deutsche Fastnachtmuseum sei „einfach einzigartig“. Dass das Gebäude derzeit noch eine große Baustelle ist und das Fernsehteam sich immer wieder mit den Handwerken abstimmen muss, stört niemanden.

„Hier dreht sich alles um Fastnacht, Fasching und Karneval“, betont die Regisseurin. Dass diese drei Bezeichnungen alle das Gleiche meinen, erklärt Kuhns Kollegin Gerlinde Hessler in der ersten Szene des Films. „Es geht um die Zeit vor der Fastenzeit, jedenfalls im Christentum“, sagt die Karlstadter Kabarettistin und blickt belehrend in die Kamera.

In bunten Kostümen geht die Reise von den Römern über die Nationalsozialisten bis ins 21. Jahrhundert. Kuhn und Hessler informieren über die jeweiligen Rituale, anschließend werden närrische Überbleibsel dieser Zeiten gezeigt. „Das sind alles Exponate aus unserem Fundus“, sagt der Direktor des Deutschen Fastnachtmuseums Bernhard Schlereth stolz. Zwischendrin treten närrische Gruppen wie das Tanzensemble Scaramouche aus Schweinfurt auf.

„Die Bandbreite der Fastnacht ist enorm“, weiß Regisseurin Schatz. Damals wie heute werden mit dem Begriff sowohl hoch anspruchsvolle und bitterernste Rituale wie kompletter Klamauk verbunden. Einige Bräuche seien vom Mittelalter übernommen, andere über die Jahre abgeändert worden: „Die Römer bewarfen sich mit Rosen, die Narren heute mit Konfetti.“

Beim Dreh ist die Stimmung trotz der lustigen Verkleidungen konzentriert. Sobald die Scheinwerfer angehen sind Kostümprobleme, wie die herausrutschende „Brust“ aus Kuhns Abendkleid, Nebensache und die Baustelle wird zur Kulisse. Die Vielfalt des Festes soll in den Szenen ebenso zur Geltung kommen wie historische Hintergründe. Schatz und ihr Team versuchen dies alles in 45 Minuten unter einen Hut, beziehungsweise eine Narrenkappe, zu bringen. Der Zuschauer soll sich dann im besten Fall gleichzeitig informieren und amüsieren.

Sendetermin: „Götter, Narren und Konfetti“ läuft am 11.11. um 21 Uhr im bayerischen Fernsehen. Am gleichen Tag eröffnet auch das Deutsche Fastnachtmuseum in Kitzingen – dann mit einer Anekdote mehr.

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