Es klappt alles am Schnürchen. Im ehemaligen Lagerhaus in Marktbreit steht das Catering-Team vor dampfenden Edelstahlbehältern mit Risotto, Spätzle und Putengeschnetzeltem. Thomas Metz, Küchenleiter des Hauses der Senioren in Marktbreit, und seine Kollegin Birgit Wirsing erwarten 140 hungrige Menschen. Um 12 Uhr soll die große Gruppe von 65 Motorradfahrern mit ebenso vielen Soziusfahrern, fünf Polizisten und fünf Sanitätern verköstigt werden.
Die Mittagsrast in Marktbreit ist eine der Stationen der Motorradausfahrt für Menschen mit Behinderung. Die Mitarbeiter aus den Mainfränkischen Werkstätten Würzburg und Ochsenfurt können einmal im Jahr als Begleiter von Bikern aus Unterfranken einen Tag lang echtes Easy-Rider-Gefühl erleben.
In zwei langen Reihen werden die chromglänzenden Vehikel hinter dem Lagerhaus abgestellt. Jeder Handgriff sitzt. Ohne Aufhebens holen die Biker Menschen, die nicht selbst aufstehen können, aus dem Beiwagen, führen sie ein Stück oder setzen sie in einen Rollstuhl. Alles geschieht geordnet, friedlich und voller gegenseitigem Respekt.

"Ein gutes Gefühl"


Jan Ziemansik aus Würzburg hat sich wahnsinnig auf den Motorradausflug gefreut. "Die Fahrt gefällt mir gut. Es ist ein gutes Gefühl, wenn das Motorrad vibriert und brummt", freut er sich. Der junge Mann mit Down-Syndrom konnte zum dritten Mal mit von der Partie sein.
Jan Ziemansik ist der Sozius von Peter Schädel, dessen Äußeres für einen Harley-Davidson-Fahrer typisch ist. Schädel ist einer der Organisatoren, ohne die es das besondere soziale Projekt zur Integration und Inklusion gar nicht gäbe. Die andere treibende Kraft ist die Pädagogin Daniela Steuer-Hafner, die im Sozialdienst der Mainfränkischen Werkstätten in Würzburg arbeitet. Vor 23 Jahren trafen sich die beiden zufällig in einer Biker-Kneipe und kamen auf die Idee, Motorradfahrten für Menschen mit Behinderung anzubieten. Es wurde eine echte Erfolgsgeschichte daraus und die Teilnehmerzahl wurde im Laufe der vielen Jahre immer größer.
Daniela Steuer-Hafner freut sich, dass dieses Jahr erstmals auch neun Jugendliche vom Jugendzentrum in Ochsenfurt die Aktion unterstützten und einige dafür sogar von ihrem Arbeitsplatz freigestellt wurden.
Die Pädagogin schwingt sich nicht selbst aufs Motorrad. "Ich bin in einem Begleitwagen. Ich muss ja den Überblick behalten", sagt sie zur Erklärung. Die Polizisten fahren die Route vorher ab und geben ihr alle Informationen weiter. "Wir fahren immer auf schönen Strecken. Da achten wir schon drauf", sagt Steuer-Hafner.
Nach dem Start in Würzburg fand der erste von zwei Stopps im Landkreis Kitzingen statt. In Kleinlangheim lud Bürgermeister Roland Lewandowski ins Sportheim ein, wo es ein zweites Frühstück gab. In Marktbreit war Bürgermeister Erich Hegwein Gastgeber beim Mittagessen, das die Stadt zusammen mit der Arbeiterwohlfahrt anbot. Hegwein nimmt selbst als Fahrer einen Sozius mit. Das macht der begeisterte Motorradfahrer nun schon im sechsten Jahr. Ein Bekannter, der wiederum mit Peter Schädel befreundet ist, erzählte Erich Hegwein von dem Projekt. "Ich mache das gern. Man kann das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und spürt so eine Art kindliche Freude und große Dankbarkeit", sagt Hegwein. Zu seinem 40. Geburtstag hat er sich eine Maschine gekauft. Seitdem setzt er sich gerne auf das PS-Ungetüm, wenn es sein Arbeitspensum erlaubt. Für die gute Sache hat sich das Marktbreiter Stadtoberhaupt gerne Zeit genommen.
Überhaupt nicht überredet werden musste der Motorradfahrer Claus Schmelzeisen aus Randersacker. Nur einmal hat er bisher bei der Ausfahrt gefehlt. Als Zweiradmechaniker ist er ein wichtiger Mann. "Ich bin der Schrauber vom Dienst, wenn mal jemand eine Panne hat", sagt er lachend.
Nachdem sich alle gestärkt haben, geht die Fahrt weiter nach Kleinrinderfeld und Waldbüttelbrunn und schließlich zum Neuen Hafen in Würzburg. Dort hat der Club von Peter Schädel, die Knight Rider, im Clubhaus schon alles für den Abschluss des Unternehmens vorbereitet.