Wiesentheid

Patt im Gemeinderat zum neuen Standort der Salatzucht

Bei Stimmengleichheit gilt die Voranfrage für das Großprojekt als abgelehnt
Artikel drucken Artikel einbetten
Über den geplanten Salatanbau im großen Stil in Wiesentheid diskutierte wieder einmal der Gemeinderat.
Foto: Thomas Metschl

Erneut wurde im Wiesentheider Gemeinderat zum Thema Bau eines Salatgewächshauses leidenschaftlich diskutiert. Nachdem der Bauwerber nun ein neues Grundstück im Westen Wiesentheids, in unmittelbarer Nähe zu den Gewächshäusern der Gärtnerei Lang als Alternative brachte, stellte er nun eine formlose Bauvoranfrage an die Gemeinde, ob dieser für die Kommune in Frage komme. Die Abstimmung im Rat brachte ein Ergebnis von sieben zu sieben. Und Stimmengleichheit bedeutet, dass der Antrag abgelehnt ist.

Wie bereits berichtet, hat ein holländisches Gartenbauunternehmen den Antrag gestellt, auf einer etwa 17 Hektar großen Fläche in Wiesentheid eine Salatzucht zu errichten. Zunächst war dazu eine Fläche am östlichen Ortsrand in Richtung Abtswind, die im Besitz des Hauses Schönborn ist, vorgesehen. Hierzu gab es einige Bedenken, der Grundbesitzer schlug als Alternative ein anderes Grundstück von ihm vor.  

Bürgermeister Werner Knaier (CSU) trug die Anfrage vor, die in der Aprilsitzung vertagt worden war. Damals hatte ein Schreiben des Bauernverbandes die Gemeinderäte nachdenklich gemacht, in dem es hieß, dass ein Vorhaben in dieser Größenordnung die Existenz einiger bestehenden Betriebe im gesamten Umland gefährde. Der Gemeinderat als Gremium sei bei der Tragweite der Angelegenheit zu klein und fühle sich überfordert, das zu entscheiden. Man wünsche eine Beurteilung und Hilfe von höherer Stelle, hieß es damals.

Zur Anfrage am neuen Standort sagte Michael Rückel (Freie Wähler), dass die Gemeinde grundsätzlich selbst über das Thema entscheiden müsse. Eine Trumpfkarte, die gegen das Großprojekt spreche, sah er im Trinkwasser. Derzeit benötige die Gemeinde im Durchschnitt etwa 500 Kubikmeter pro Tag. Die Salatzucht, die sich nahezu ausschließlich aus Regenwasser versorgen soll, würde in extrem trockenen Phasen, wie etwa im vergangenen Sommer, 17 Kubikmeter Wasser pro Stunde von der Gemeinde benötigen. "Das sind zusätzlich 40 Prozent Wasser, was wir in trockenen Zeiten bräuchten", gab Rückel zu bedenken. Er sehe auch hinter diesem Standort keinen Vorteil. Zudem bringe das Unternehmen keine Gewerbesteuer und kaum Arbeitsplätze.

Beim Thema Wasser sprang ihm Gemeinderat Robert Kaiser (Feuerbacher Liste), der gleichzeitig als Wasserwart bei der Gemeinde beschäftigt ist, zur Seite. Die Brunnen der Gemeinde seien beim Verbrauch erst vor wenigen Tagen am Limit gewesen. Ein Nein zur Salatzucht sei keine Willkür, man müsse zunächst an die Bürger denken. „Wir können es nicht schultern, ihnen Wasser zu geben“, so Kaiser. Bürgermeister Knaier merkte an, dass auch die beiden in Wiesentheid bestehenden Gartenbaubetriebe teilweise mit Wasser aus dem Gemeindekontingent versorgt würden. Zudem zahlten diese ebenso keine, oder kaum Gewerbesteuer.

Das Projekt entstehe nicht auf einer gemeindlichen Fläche, sondern auf dem Grund eines Landwirts. Ob der Bau der Salatzucht andere Betriebe gefährde, oder nicht, darüber könne nicht der Gemeinderat entscheiden, war die Ansicht von Stefan Möhringer (CSU). "Da verheben wir uns." Möhringer wies darauf hin, dass ein freier Markt und ein freier Wettbewerb bestehe, ob sich ein Unternehmer wie in dem Fall ansiedle. Man könne sich nicht nur fragen, was bringe das Ganze der Gemeinde, so Möhringer. Er stimme dafür, dass die Voranfrage genehmigt und damit zur Prüfung weitergeleitet werde.

Im Folgenden gab es weitere Wortmeldungen. So wies Erwin Jäger (SPD) darauf hin, dass durch das neu ins Auge gefasste Grundstück für die Salatzucht eventuell ein Teilstück der geplanten Umgehungsstraße Wiesentheids verlaufen könne. Andreas Laudenbach (Junge Liste) sagte, zunächst nur die Fakten zu betrachten. Alles weitere könne man erst behandeln, wenn der Bauantrag vorliege. Helma Schug warf ein, dass sich die Behörden noch nicht mit dem alternativen Standort befasst hätten.

Bürgermeister Knaier erläuterte, was eine Bauvoranfrage bedeute und dass das Ganze bei Zustimmung des Rates zunächst einmal von den übergeordneten Stellen zu prüfen seien. Er ließ die vorgebrachten Bedenken der Räte in den Beschlussvorschlag aufnehmen. Trotzdem fand sich keine Mehrheit, die Anfrage wurde abgelehnt, die Unterlagen gehen nicht ans Amt.

Ob der Bauwerber das Projekt weiter verfolge, und auf welcher Fläche, das liege nun an ihm, so Knaier. Vom Tisch ist das Thema damit längst nicht. „Prüfen und entscheiden werden das nicht wir“, merkte Gemeinderat Walter Rosentritt (Reupelsdorfer Liste) an.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.