Münsterschwarzach

Pater Meinrad Dufner: Künstler und Philosoph

Pater Meinrad Dufner ist Künstler, Autor und Mönch im Benediktinerkloster Münsterschwarzach. In der Kunst möchte er mit Gewohntem brechen. Was ist das Geheimnis dahinter?
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Pater Meinrad Dufner arbeitet gerade in seinem Atelier an dem Wandbild für das Recollectio-Haus des Klosters. Foto: Caroline Münch
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Zwischen weißen Skulpturen, Büsten und Holzbrettern gelangt man durch einen Gang in das Atelier und die Galerie von Pater Meinrad Dufner im Kloster Münsterschwarzach. Im Atelier befindet sich alles, was sein Herz begehrt. Jeden Tag sieht es in seinem Rückzugsort, dem Atelier, anders aus, "wie es der Zufall gerade will", sagt er. Durch das Fenster des schrägen Dachs fällt genug Licht auf seinen Werktisch, der von Leitern, Farbpaletten, Leinwänden und Pinseln umgeben ist. An den Wänden hängen Bilder von ihm, auch am Boden stehen Rahmen, auf zahlreichen Holztischen lagern Bücher oder angefangene Kunstwerke und in der Galerie steht ein alter Flügel, auf dem er ab und an improvisiert.

Ob Musik, Lyrik oder Malerei, Dufner lässt sich beim Werkeln und Zeichnen von allem inspirieren: "Eine Kunstform ergänzt die andere." Er selbst ist nicht nur Künstler, sondern auch Autor. Wer sich mit ihm unterhält, kommt also nicht umhin, von Musikern, wie Mozart oder Beethoven, und Malern, wie Caspar David Friedrich oder Paul Klee, zu hören sowie ab und an zu seinen Werken passende Gedichtzeilen ins Ohr geflüstert zu bekommen.

Das, was ihn gerade drängt, kommt zu Papier

Kunst ist für den 73-Jährigen ein permanenter Weg des Gesprächs nach innen, mit dem Drumherum und mit sich selbst, das Malen ist ein Prozess. Beim Malen denkt das Gehirn nebenher und es entstehen neue Ideen. "In diesem assoziativen Denken entwickelt sich das Werk. Das, was mich gerade drängt, kommt zu Papier", erklärt er. Das Geheimnis seiner Kunst und Kreativität besteht darin, dass er Traditionelles bricht und so den gewohnten Blick zerstört. "Ich breche mit etwas, zerpflücke Bestehendes und füge es wieder neu zusammen." Einmal hat er Kreuze aus verschiedenen Wohnungen gesammelt und zueinander gebracht in einem Kunstwerk.

Ständig probiert er Neues aus. Das habe er den Kindern als Kunsterzieher damals auch beigebracht. Dadurch gewinnen die Werke an Lebendigkeit. Auch die Art und Weise des Malens und Werkelns variiert der Künstler. Manche Bilder zeichnet er mit geschlossenen Augen. "Früher habe ich oft Musik gehört beim Malen, heute mache ich das kaum noch."

Kunst kann alles erfahren

Im Bild darf alles sein, lautet eine Überschrift in einem seiner Bücher. Grenzen gibt es da für ihn nicht, weder handwerklich noch inhaltlich. Kunst kann alles erfahren, alles berühren und sich mit allem auseinandersetzen. Künstlerisch ist er nicht eingeschränkt: "Ich kann fast alles, außer schweißen", behauptet er von sich selbst. Seine Arbeit ist vielfältig. Ob gießen, schreinern oder Leinwände bemalen – all das kann er im Kloster verwirklichen. Die Schreinerei, die Goldschmiede und andere Werkstätten befinden sich auf dem Klostergelände. Die kurzen Wege und die Synergie im Kloster erfreuen ihn.

Seine künstlerische Tätigkeit im Gesamten ist viel durch das Kloster und die Religion geprägt, denn "Religion ist nichts ohne Kunst", wie der als Künstler tätige Pater meint. Musikalische oder malerische Werke bleiben immer offen, weil sie jeder anders interpretiert. Bilder erzählen eine Geschichte nie zu Ende, immer nur Teile davon. Sie bringen viel auf den Punkt, lüften das Geheimnis aber nie ganz. Genauso ist es mit der Religion: "Sie kann nicht die ganze Wahrheit erklären, tangiert die Wahrheit aber." Deshalb lässt sich Religion am besten künstlerisch ausdrücken.

Auftragswerke zu verschiedenen Themen

Und das macht der Mönch auch gerne. Schaut man in sein Bücherregal, dann stehen dort viele Dokumentationen seiner Auftragswerke. Eines nach dem anderen schlägt Dufner auf und strahlt. Die katholische Kirche in Mainstockheim und den Kreuzweg einer Kirche in Erlangen hat er gestaltet, um nur zwei Beispiele zu nennen. Neben religiösen Themen greift er aber auch gesellschaftliche auf. Ein Stapel Collagen zeigt, dass er gerne Überschriften aus der Zeitung aufschnappt und daraus Kunstwerke bastelt. Ebenso verarbeitet er gerne Erzählungen von anderen oder seine eigene Lebensgeschichte. Ein wildes, buntes Bild mit verschiedenen Formen erinnert ihn an das Maschinengeratter, das er während seiner Kindheit beim Spielen immer gehört hat: "Mein Vater war Fabrikant."

Momentan arbeitet er an dem Wandbild für das Foyer des Recollectio-Hauses in Münsterschwarzach. Als Begleiter in diesem Haus kennt er sich aus: "Das Bild soll die verschiedenen Facetten des Lebens darstellen, die alle Menschen unter einen Hut bekommen müssen. Mal sehen, ob sie das auch so verstehen", erzählt er und lacht. Für einen Scherz ist der Künstler immer zu haben.

Werkstatttage im Kloster

Mit seiner künstlerischen Gestaltungskraft inspiriert er andere auch gerne an sogenannten kreativen Tagen. Vor Kurzem haben die Werkstatttage zum Thema "Beseelung der Landschaft" im Kloster stattgefunden. Dabei geht es darum, durch Kunst der Landschaft eine Seele zu geben. Teilnehmerin Angela erzählt begeistert: "An dem Kurs gefällt mir besonders die Mischung aus Kreativität und Spiritualität. Pater Dufner ermutigt uns dazu, das Innere nach außen zu stülpen und es somit im Prozess künstlerisch zu verpacken."

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