KITZINGEN

Park-Krieg erzeugt Sprachgewalt

Es herrscht seit langem Park-Kleinkrieg in Etwashausen. Einige tausend Anzeigen hat ein Grundstückseigentümer inzwischen gegen die Parker erstattet, die seine Grundstücksausfahrt – in der Regel – kurzzeitig blockieren. Wobei es nicht beim Anzeigen bleibt: Wenn der 51-Jährige auf Parksünder trifft, fliegen öfter verbal die Fetzen.
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Es herrscht seit langem Park-Kleinkrieg in Etwashausen. Einige tausend Anzeigen hat ein Grundstückseigentümer inzwischen gegen die Parker erstattet, die seine Grundstücksausfahrt – in der Regel – kurzzeitig blockieren. Wobei es nicht beim Anzeigen bleibt: Wenn der 51-Jährige auf Parksünder trifft, fliegen öfter verbal die Fetzen. Und dann ist wieder mal das Amtsgericht zuständig. Das verurteilte jetzt den Mann zu einer Geldstrafe – wegen einer massiven Beleidigung.

Der Nahkampf um ein Parkverbot vor dem Grundstück ist inzwischen Legende. Wer mehr oder weniger kurz vor dem Grundstück sein Gefährt abstellt, meist sind es Kunden der nahen Sparkasse, bekommt es mit dem Angeklagten oder seiner Lebensgefährtin zu tun. Die halten die Autos der Parksünder per Kamera fest und schreiten dann zur Anzeige.

Weil aber der 51-jährige offensichtlich ungern einen Streit vermeidet, ist er gerichtsbekannt. Was er bei seiner Verhandlung auch gleich zu Anfang in einem Fazit seiner Begegnungen deutlich macht: „Die Polizei macht nichts und das Gericht verdreht die Tatsachen.“

Zu Unrecht auf der Anklagebank sieht sich der Mann wegen eines Vorfalls Anfang Januar. Da stellte zu fast mitternächtlicher Stunde ein Mann sein Gefährt samt Ehefrau als Beifahrerin am heiß umkämpften Grundstück ab, um – wie schon häufiger – Briefe in der Sparkasse einzuwerfen. Nur wenige Minuten habe er dafür gebraucht, so der 60-Jährige.

Zu lange für den selbst ernannten Parksünderjäger. Der ist inzwischen am Auto, macht Fotos und stößt auf den zurückkehrenden Fahrer. Ab diesem Zeitpunkt klafft in den Aussagen der Beteiligten eine große Kluft – nur das die Luft schlagartig heißer geworden sei, beschreiben beide.

Ganz unschuldig am Zoff ist auch der Falschparker nicht. Der glaubt zu sehen, dass der fotografierende Grundstückseigentümer seine Frau zum Aussteigen aufgefordert habe, und bietet dem 51-jährigen Schläge an. Dessen Reaktion sei heftig gewesen, sagt der Mann vor Gericht. „Feige Sau“ habe sein Kontrahent mehrfach gesagt und dann: „Ich reiß' dir den Kopf ab und stecke ihn dir dann hinten rein.“

Dieses Ende einer nächtlichen Diskussion ums richtige Autoabstellen beschreibt der Angeklagte etwas anders. Auf das „Ich-hau-dir-gleich-eine-rein-Angebot“ seines Gegenübers habe er mit Lachen reagiert. Schließlich sei der etwas beleibte 60-Jährige für ihn „kein Gegner, sonder ein Opfer“. Die Freundin des Angeklagten, die beim Parksünder-Fotografieren ebenso aktiv ist wie beim Protokollieren dieser Taten, bestätigt diese friedliche Version.

Unglaube bei der Staatsanwältin: Die erinnert an vier juristische Nachspiele von verbalen oder sonstigen Ausrutschern, bei denen der 51-Jährige zwar drei Mal mit einer vorläufigen Verfahrenseinstellung wegkommt, aber vor einem Vierteljahr wegen Beleidigung verurteilt wird – zu einer Geldstrafe von 675 Euro. Für die Klagevertreterin wartet der Angeklagte auf Parker vor seinem Grundstück, „wenn er Ärger sucht.“

Keinen Nachweis „für konkrete Beleidigungen“ sah der Verteidiger des 51-Jährigen. Sein Mandant sei provoziert worden, die Aussagen des Zeugen unbewiesen. Sein „im Zweifel für den Angeklagten“ lief bei Amtsrichter Marc Betz ins Leere: Nach allen Erfahrungen sei es „nicht wesensfremd, wenn der Angeklagte sich ausfallend verhält“.

Die Situation rund um das Grundstück sei zwar „unschön“, die kurzzeitigen Verfehlungen von Falschparkern aber „kein Freibrief für Beleidigungen“. Für die gab's eine vergleichsweise teure Quittung: 900 Euro Geldstrafe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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