MICHELFELD

Ohne Posten, aber mit der gleichen Leidenschaft

Die Redensart „bekannt wie ein bunter Hund“ könnte man in Michelfeld getrost mit „bekannt wie die Fries' Oma“ ersetzen. Tatsächlich gibt es wohl kaum jemanden im Dorf, der die rüstige Seniorin nicht kennt – vom Schulkind bis zum Rentner. „Das liegt wohl an meiner großen Schneppern“, erzählt die 76-Jährige und lacht. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass sie einfach überall im Dorfgeschehen mitmischt.
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Blühendes Leben: Karolina Fries aus Michelfeld hat über Jahrzehnte hinweg die Geschicke beim VdK-Ortsverband Marktsteft-Michelfeld-Hohenfeld und beim Ortsverschönerungsverein Michelfeld geleitet. Jetzt gibt sie zwar ihre Ämter auf, ihre Leidenschaft fürs Gemeinwohl jedoch nicht. Foto: Foto: Nina Grötsch

Die Redensart „bekannt wie ein bunter Hund“ könnte man in Michelfeld getrost mit „bekannt wie die Fries' Oma“ ersetzen. Tatsächlich gibt es wohl kaum jemanden im Dorf, der die rüstige Seniorin nicht kennt – vom Schulkind bis zum Rentner. „Das liegt wohl an meiner großen Schneppern“, erzählt die 76-Jährige und lacht. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass sie einfach überall im Dorfgeschehen mitmischt.

Wer jetzt glaubt, es müsste „mitgemischt haben“ heißen, weil Karolina Fries ihre Ämter beim VdK und beim Obst- und Gartenbauverein vor wenigen Wochen aufgegeben hat, der irrt. Den Vorsitz hat sie in den Vereinen zwar nicht mehr inne, „aber einmischen tu' ich mich schon noch gern“.

„Ich bin neugierig und gesprächig. Das kam mir in meinen Ämtern stets zugute.“
Karolina Fries, jetzige VdK-Ehrenvorsitzende

Und dafür sind ihr die Michelfelder, Marktstefter und Hohenfelder auch dankbar. Sie schätzen schließlich die Erfahrung, die Karolina Fries in den vergangen 17 Jahren als Vorsitzende des gemeinsamen VdK-Ortsvereins gesammelt hat – und haben sie deshalb nach ihrem Abtritt auch zu ihrer Ehrenvorsitzenden ernannt.

Nur zu gut erinnert sich die Michelfelderin an ihre erste Jahreshauptversammlung: „Als neues Mitglied bin ich dort hin, als 1. Vorsitzende wieder raus.“ Bereut hat sie diesen Schritt nie. Mit großem Spaß hat sie sich in all den Jahren für ihren Verein eingesetzt, war schon bald auch aus dem Kreisverband und aus vielen Schulungen nicht mehr wegzudenken.

„Man muss zuhören können“, sagt die Rentnerin, „nur so kann man die Interessen der Einzelnen abwägen und gemeinsam die richtigen Entscheidungen treffen“. Die Organisation von Kaffeenachmittagen und kleineren Ausflügen, Geburtstagsbesuche, Beileidsbekundungen bei Sterbefällen – um all das hat sich Karolina Fries in den vergangenen Jahren zuverlässig gekümmert. Sie organisierte mehrtägige Busreisen, nahm die Anmeldungen in Michelfeld entgegen und beauftragte ihre „Geldeintreiber“ in Marktsteft und Michelfeld. „Wir sind einfach eine tolle Mannschaft“, sagt sie und spricht dabei bewusst in der Gegenwart. Mit ihrer Nachfolgerin Ingrid Jordan sieht sie den VdK-Ortsverband in besten Händen. Ähnlich schaut es beim Obst- und Gartenbauverein aus, dessen Geschicke fortan Michael Kraft lenkt.

All die Ausflüge, die sie in den letzten Jahrzehnten mitgemacht hat, möchte Karolina Fries nicht missen. Und schon gar nicht das nette Miteinander mit all den anderen Mitgliedern. „Diese Geselligkeit macht einen Verein ja aus.“ Selbst ein Busausflug, in dem die Gruppe vor lauter Stau ihr Ziel nicht erreichte, bleibt so in bester Erinnerung. Gerade nach dem Tod ihres Mannes Günter wusste die Seniorin den regen Kontakt mit anderen Menschen zu schätzen.

„Ich bin neugierig und gesprächig. Das kam mir in meinen Ämtern stets zugute“, erzählt sie schmunzelnd. Mit fast allen Mitgliedern sei sie per „Du“. Und eines hat sie in all den Jahren auf jeden Fall gelernt: Am Ende profitiert man immer auch selbst, wenn man anderen gegenüber fröhlich und offen ist.

Ein Leben lang eingebracht

Natürlich mache ein Ehrenamt Arbeit. „Aber es bereichert auch“, bringt die 76-Jährige auf den Punkt, was für sie viel wichtiger ist. Und so hat sie sich ihr Leben lang eingebracht – sei es einst im Elternbeirat, später in Flurbereinigung und Dorferneuerung oder heute noch bei der Pflege von Gemeindeflächen. Ihr Engagement scheint ansteckend zu sein. „Auch meine Kinder und Enkel haben schon überall ihre Pöstchen“, verrät sie lachend.

Vier Töchter, zwei Söhne, dazu zwölf Enkel und drei Urenkel. Sie alle sorgen dafür, dass es im Leben von Karolina Fries auch nach der Aufgabe ihrer zwei größten Ämter nicht langweilig wird. Dazu hält sie ihre Katze Lucky auf Trab („ein elender Schlawiner“) und der nette Stricktreff mit zwei Freundinnen bei Laune. In ihrem großen Garten am See wird sie jetzt noch mehr Zeit verbringen. Ebenso wie in ihrem Wohnwagen in der Oberpfalz. „Sonst musste ich immer bald wieder heim, weil ich ja nichts verpassen wollte“, erzählt sie. Jetzt geht sie all das viel entspannter an. Sicherlich auch die nächste VdK-Busreise – diesmal als Teilnehmerin, die sich ganz entspannt in ihrem Sitz zurücklehnt.

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