Salah liebt es zu zeichnen. Das hat er schon immer gerne getan, auch zu Hause in Damaskus. Damals hat er häufig Geschichten illustriert, die er sich selber ausgedacht hat. Seit ein Bürgerkrieg seine Heimat Syrien entzweit, haben sich die Bilder verändert. Wenn Salah jetzt mit dem Bleistift über das Papier fährt, zeichnet er dunkle Landschaften: leblose Körper, die an einem Baum hängen oder einen Mann, der seine Finger verloren hat.

Vor diesen Grausamkeiten ist der 22-Jährige, der in Syrien als Kurde zu einer unterdrückten Minderheit gehört, geflohen. Seit Mitte November lebt er in einer dezentralen Flüchtlingsunterkunft in Kitzingen. In Syrien hat Salah Elektrotechnik studiert. Das Studium möchte er in Deutschland fortsetzen, erzählt er. Doch zwischen ihm und diesem Wunsch steht die deutsche Sprache.

„Bei der Arbeitssuche von Asylbewerbern steht die Sprache im Vordergrund“, sagt Wolfgang Albert von der Agentur für Arbeit in Würzburg. Ohne Sprachkenntnisse ist es so gut wie unmöglich, einen Arbeitsplatz, eine Ausbildungsstelle oder einen Studienplatz zu bekommen. Das gleiche Problem haben auch Salahs Mitbewohner in der Unterkunft. Die insgesamt 24 Männer zwischen 22 und 45 Jahren dürften laut Gesetz nach drei Monaten eine Beschäftigung annehmen, sofern sich auf die selbe Stelle keine deutschen Arbeitnehmer oder EU-Bürger bewerben. Ihr Verdienst würde dann mit der Sozialhilfe verrechnet werden.

„Nach Deutschland zu kommen war eine schwere Entscheidung.“
Sameeh Flüchtling aus Syrien

Doch es gibt kaum Jobs, auf die das zutrifft. „Tätigkeiten, die für Asylbewerber ohne Deutschkenntnisse in Frage kommen, sind häufig im Reinigungsbereich oder in der Hotelgastronomie“, sagt Albert. Mit den Berufen der Flüchtlinge haben die wenig zu tun. Die Männer in Salahs Unterkunft waren vor ihrer Flucht Krankenpfleger, Lehrer oder Metallarbeiter. Auf die Frage, ob sie sich vorstellen könnten, einen Hilfsjob anzunehmen, überlegen sie eine Weile. Viele sagen ja, einige nein.

„Nach Deutschland zu kommen war eine schwere Entscheidung“, sagt Sameeh. Der 36-Jährige hat seine Ehefrau und drei Kinder, acht, sechs und zwei Jahre alt, in Syrien zurückgelassen. Die gefährliche Reise im Boot von Libyen nach Italien, illegal organisiert von Schleppern, konnte er mit den Kindern nicht unternehmen. Seine Familie lebt jetzt in dem Teil von Damaskus, der von der Regierung kontrolliert wird, weil es da etwas sicherer ist.

Wenn Sameeh von den Kindern erzählt, gerät seine Stimme ins Stocken. Er telefoniert regelmäßig mit ihnen. „Ich bin geflohen, damit sie es besser haben“, sagt er. Sameeh glaubt nicht, dass der Krieg in Syrien bald vorbei ist. Deshalb möchte er seine Familie so schnell wie möglich nach Deutschland holen.

Laut Gesetz darf er das auf legalem Weg tun, sobald er in Deutschland als Asylberechtigter beziehungsweise als Flüchtling anerkannt wurde. Für Syrer stehen die Chancen dazu im Moment nicht schlecht. Von den knapp 21 500 Flüchtlingen des syrischen Bürgerkrieges, deren Anträge auf Asyl in Deutschland laut Bundesamt für Migration zwischen Januar und November 2014 bearbeitet wurden, dürfen fast 90 Prozent zumindest vorübergehend in Deutschland bleiben. Etwa 16 500 von ihnen wurden als Asylberechtigte oder Flüchtlinge anerkannt und dürfen somit auf eigene Kosten ihre Familie nachholen. Bis das Bundesamt über einen Asylantrag entschieden hat, vergehen durchschnittlich acht bis neun Monate. Für Sameeh ist das Warten quälend, weil er seine Familie nicht in Sicherheit weiß. Am liebsten würde er so schnell wie möglich wieder in seinen Beruf als Maschinenbauingenieur einsteigen und ein geregeltes Leben führen. Damit er das bald tun kann, hat er sich schon ein bisschen Deutsch beigebracht. Auch Unterricht soll er demnächst bekommen. Wenn alles gut geht, könnte es ihm so gehen wie den etwa 20 Asylbewerbern im Landkreis, die laut Landratsamt schon eine Beschäftigung gefunden haben.

Auch der 22-jährige Salah hat bereits ein bisschen Deutsch gelernt. Auf der anderen Seite des Raumes hängen noch andere Zeichnungen von ihm. Sie sind heller, fröhlicher und zeigen seine neue Umgebung: Den Main, den Falterturm und die Häuser von Kitzingen.

Paten gesucht: Die 24 Männer in der Inneren Sulzfelder Straße suchen Paten, die ab und zu etwas mit ihnen unternehmen. Wer Interesse hat, kann sich bei Kreisrätin Christa Büttner melden unter Tel. (09 32 1) 35 979.