Am Anfang stand der Traum, anderen Menschen zu helfen und einen Gott zu verkünden, "der auf der Seite der Menschen steht". Längst ist der Traum von Schwester Christl Link Wirklichkeit geworden: Seit vier Jahrzehnten kümmert sich die Ordensschwester in Bogotá um die Ärmsten der Armen - und hat damit schon viel erreicht.
In Kitzingen ist sie längst keine Unbekannte mehr. Nicht nur, weil sie hier geboren und aufgewachsen ist. Seit vielen Jahren pflegt Schwester Christl einen engen Kontakt zur Pfarrei, wird von einer großen Zahl von Freunden und Helfern unterstützt. Und so kam sie gerne in ihre Heimatstadt, um zu erzählen, was in den letzten Jahrzehnten in ihrem Einsatzgebiet in Bogotá gewachsen ist.
Offen und ungeschönt schilderte die Dominikanerin die Situation in Kolumbien. "Es ist ein Land voller Gegensätze", erklärte sie. "Auf der einen Seite sind die Menschen dort sehr liebenswürdig. Auf der anderen Seite ist das Land von Gewalt und Korruption gekennzeichnet."

Katastrophale Zustände


Obwohl die Situation vor Ort nicht ungefährlich ist, wagte sich Schwester Christl zusammen mit zwei Mitschwestern vor 39 Jahren nach Kolumbien. Als Einsatzgebiet wählten sie den Süden der Millionenstadt Bogotá, wo die Menschen in riesigen Slums leben und die Kriminalität besonders groß ist. Anhand von Dias zeigte sie, unter welchen katastrophalen Zuständen die Einwohner dort hausen müssen: Viele leben zusammengepfercht in winzigen Wellblechhütten. "Fast niemand hat ein Bett für sich. Wenn jemand stirbt, sagen die Kinder: Es wird kälter im Bett, aber es gibt ein bisschen mehr zu essen."
Trotz des großen Elends ließ sich Schwester Christl nicht entmutigen: Gemeinsam mit einer Mitschwester - die dritte war bei einem Autounfall tödlich verunglückt - rief sie geduldig und Schritt für Schritt im Laufe der Jahre mehrere Projekte ins Leben, die von der Stiftung "FISDECO" getragen und finanziert werden. So wurden ein Gesundheitszentrum, zwei Kindertagesstätten für 480 Kinder, eine Grundschule, eine Gruppe für allein erziehende Mütter sowie verschiedene Programme zur Freizeitgestaltung, Bildung und Ausbildung geschaffen.
Zusammen mit sechs Mitschwestern betreut Schwester Christl heute die verschiedenen Projekte. Unterstützt wird sie dabei von 115 Mitarbeitern, die allesamt aus Bogotá stammen und entsprechend ausgebildet wurden. "Mitleid allein hilft nicht, Selbstvertrauen aufzubauen", sagt sie. "Deshalb haben wir die Menschen von Anfang an mit in die Verantwortung genommen."
Ohne die Unterstützung zahlreicher Freunde und Gönner wäre die Arbeit der Ordensschwestern nicht möglich, betonte die 75-Jährige. Gerade aus Kitzingen komme sehr viel Hilfe. Seit Jahren schon engagieren sich hier viele Menschen zugunsten ihrer Missionsarbeit. So werden beispielsweise Altkleider gesammelt und zum Verkauf nach Bogotá geschickt. Auch die St. Hedwig Schule und die KJG beteiligen sich an verschiedenen Hilfsaktionen.
Mut machen, begleiten und Wege aufzeigen, wie das eigene Leben gestaltet werden kann, darin sehen die Ordensschwestern ihre Aufgabe. Gleichzeitig versuchen sie die Menschen in Bogotá auf verschiedenste Weise zusammen zu bringen. Inzwischen zeigen sich dort die ersten Früchte. "Man fängt an, sich gegenseitig zu unterstützen und zu helfen", berichtete Schwester Christl. Zugleich sei ein Interesse erwacht, "das Leben im Rahmen der Möglichkeiten eigenverantwortlich zu gestalten". Über diese Entwicklung sei sie sehr froh.
Wie gegensätzlich Kolumbien ist, hat auch Cathrin Löffler erfahren. Zusammen mit Carolin Schüll, einer Großnichte von Schwester Christl, war die 27-jährige Kitzingerin im Dezember vergangenen Jahres drei Wochen in Kolumbien. Eine Woche lang war sie dabei auch zu Gast in Bogotá, wo sie die dortigen Lebensumstände kennen lernte.
Doch die studierte Architektin machte bei ihrem Aufenthalt in dem südamerikanischen Land auch sehr positive Erfahrungen. "Die Leute dort waren unwahrscheinlich herzlich. Sie haben sich sehr gefreut, dass wir uns für ihr Land interessiert haben." Die Gegensätze erlebten Cathrin Löffler und ihre Freundin auch bei der Weiterreise an die kolumbianische Karibikküste, die "landschaftlich wunderschön ist".

Mit Lächeln und Dankbarkeit


Hier lernten die beiden Deutschen eine Familie kennen, mit der sie sich spontan anfreundeten und mit der sie sogar den Heiligen Abend feiern durften.
"Mit einem Lächeln und viel Dankbarkeit, wie wir hier aufgenommen wurden", fuhren Cathrin Löffler und Carolin Schüll wieder nach Hause.